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Umstrittene Erinnerung

der Vortragende DDr. Harald D. Gröller
der Vortragende DDr. Harald D. Gröller
Bregenzerwaldarchiv, Kulturforum Bregenzerwald und Eggmuseum luden am 28.9. zum Vortrag „Umstrittene Erinnerungen“ nach Egg ein. Egg (blu) Erinnerungen und umstritten, wie passt das zusammen? Erinnerungen sind sehr stark mit Emotionen verbunden, also subjektiv.

Darüber sind sich Gedächtnisforscher einig. “Gefühle sind die Wächter unserer Erinnerung.”, sagt Hans Markowitsch, Professor für Physiologische Psychologie an der Universität Bielefeld. Gefühle filtern, was im Langzeitgedächtnis landet und was gelöscht wird. Um die Erinnerungen an Dr. Karl Lueger ging es beim Vortrag „umstrittene Erinnerungen“ im Eggmuseum. Der Vortragende DDr. Harald D. Gröller zeigte, wodurch der ehemalige Wiener Bürgermeister Lueger zu eine politischen Vorbild- und Kultfigur wurde und heute noch ist, obwohl sein politischer Werdegang von Antisemitsmus und Antijudenpolitik geprägt war.

 

Das Portrait Luegers

Gröller zeichnete das Portrait Luegers: Dr. Karl Lueger, 1844 geboren, stammt aus ärmlichen Verhältnissen und besuchte dank eines Stipendiums das Theresianum in Wien. Er arbeitete nach Abschluss des Studiums der Rechtswissenschaften als Rechtsanwalt in Wien. Lueger stieg mit 1875 in die Wiener Gemeindepolitik ein. 1993 gründete er die österreichische Christlichsoziale Partei (CS), die Ursprungspartei der heutigen ÖVP. Lueger und seine Anhänger meinten die soziale Frage in Wien nur zu lösen zu können, indem sie die Judenfrage durch eine antijüdische Gesetzgebung lösten, erklärte der Vortragende Gröller. Lueger sei sogar ein großes Vorbild für Adolf Hittler gewesen und wurde von ihm als „der gewaltigste deutsche Bürgermeiste aller Zeiten“ bezeichnet. Die Bewunderung Hittlers für Karl Lueger fand sogar Eingang in Hittlers Buch „Mein Kampf“.

 

Die Kultfigur Lueger

Lueger hatte einen wirkungsvollen Umgang mit den Massen. Sein Erfolgsrezept war eine Mischung aus Antisemitismus, Klerikalismus, Patriotismus und Wiener Gemütlichkeit. Die Frauen verehrten ihn als den „schönen Karl“, der es perfekt verstand sich zu inszenieren, stets mit dem Blick auf die öffentliche Meinung. Lueger war ein Feind der Wissenschaft. Universitäten waren für ihn Brutstätten der Religions- und Vaterlandslosigkeit, erläuterte der Vortragende DDr. Gröller. Lueger war von 1897 bis 1910 Wiener Bürgermeister. Wegen Luegers Antisemitismus verhinderte Kaiser Franz Josef vier mal, dass Lueger zum Wiener Bürgermeister ernannt wurde. Er sah die Gleichberechtigung aller Bürger unter einem Bürgermeister Lueger nicht gewährleistet. Dr. Luegers Amtszeit war gekennzeichnet durch zahlreiche kommunale Großprojekte, wie die II. Wiener Hochquellenwasserleitung, Kommunalisierung der Gas- und Elektrizitätsversorgung sowie der Straßenbahnen und dem Bau von großen Sozialeinrichtungen. Für die städtische Infrastruktur Wiens hat er sich sehr verdient gemacht. Unter Lueger entwickelte sich die CS zu einer große Massenpartei mit breiter Popularität.

 

Lueger und Vorarlberg

Die Verbindung zu Lueger nach Vorarlberg bildete der Bregenzerwälder Jodok Fink, der ab 1901 einer seiner Wegbegleiter und kurz Vizekanzler von Wien war. In Vorarlberg war Lueger sehr beliebt, weiß Kurt Bereuter vom Kulturforum Bregenzerwald. Jodok Fink`s Sohn wurde Bürgermeister in Andelsbuch. Unter ihm gab es die Gebietsführerschule der Hittlerjugend. Kurt Bereuter erinnerte auch an die NS-Euthanasieopfer Andelsbuch bei seinen Begrüßungsworten. Das Luegerandenken DDr. Harald D. Gröller erklärt, dass zum Zeitpunkt seines Todes Lueger am Höhepunkt der Macht war. Seine Krankheit und sein Sterben wurden öffentlich und von den Medien begleitet. An seiner Beisetzung nahmen hunderttausende Österreicher teil, auch Adolf Hittler. Schon zu Lebzeiten gelang es der CS mit guter Parteiwerbung wie Autogrammkarten, Postkarten, Fotomontage, Luegergeschirr, Luegermarsch die Kultfigur Luegers zu erschaffen. Sogar in diversen Kirchenmalereien (Atalbildern) ist seine Figur heute noch zu entdecken. Er wurde zu einem lebenden Wahrzeichen Wiens. Kurz vor seinem Tod kam Lueger zu zahlreiche Ehrungen, Benennungen von Plätzen und Denkmälern. Nach dem ersten Weltkrieg, setzt das Luegergedenken in der ersten Republik unter der christlich sozialen Regierung wieder ein, das Luegerdenkmal am Stubentor wurde 1926 enthüllt. Zwischen 1934 und1938 wurde er als der Vorzeigeösterreicher, als der Patriot gehudldigt und der heutige Universitätsring nach ihm benannt – Dr. Karl-Lueger-Ring. Ein Teil der Politiker beurteilten Lueger Figur erst ab 1987 kritisch. Der von 1934 bis 2012 benannte Dr.-Karl-Lueger-Ring der wurde nach jahrelangen parteilichen Auseinandersetzungen 2012 in den Universitätsring umbenannt. Für das Lueger-Denkmal auf dem Dr.-Karl-Lueger-Platz schrieb die Universität für Angewandte Kunst Wien 2009 einen Wettbewerb zur Umgestaltung zu einem Mahnmal gegen Rassismus und Antisemitismus aus. Keiner der eingereichten Entwürfe schaffte es zur Umsetzung. Das Denkmal blieb, wie es war und heute noch ist. Es gibt weitere zahlreiche Denkmäler, die Dr. Karl Lueger verherrlichen. Es scheint, dass noch heute die negativen Emotionen an das Gedenken Lugers „gefiltert“ sind, und niemand Handlungsbedarf sieht, die Denkmäler ins „rechte Licht“ zu rücken.

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