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"Umgehend verhandeln"

Dornbirn/VN - Deutliche Ansagen gab es bei der Betriebsversammlung des Kranken­pflegevereins Dornbirn.
Posch kritisiert Blockadehaltung Sohms
Betriebsratsgründung sorgt für dicke Luft

Scharfe Worte von AK und Gewerkschaft, kritische Stimmen aus der Belegschaft, am Schluss Friedenstauben: Bei der Betriebsversammlung des Krankenpflegevereins Dornbirn gestern Mittag wurde kräftig gegen den Führungsstil von Obmann Rudi Sohm gewettert. Gleichzeitig äußerten die Betroffenen den Wunsch, dass bald wieder Ruhe einkehrt. Wie die VN gestern exklusiv berichteten, hängt der Haussegen beim Dornbirner Krankenpflegeverein seit der Gründung eines Betriebsrates, der bei Altbürgermeister Rudi Sohm nach wie vor auf wenig Gegenliebe stößt, schief. Für Ärger sorgen unter anderem die seit Jahren fest zementierten Arbeitszeitregelungen und ein Umgangston mit Bediensteten, der zumindest von einem Teil des Personals nicht mehr akzeptiert wird.

Kritikpunkte

Grund genug für die Obfrau des Betriebsrates, Sabine Wittmann, bei der Betriebsratsversammlung im Hof der Zentrale in der Dornbirner Annagasse vor allem diese beiden Kritikpunkte aufs Tapet zu bringen. Unterstützung für die Anliegen der Belegschaft gab es von den Spitzen der Gewerkschaft und vom AK-Boss persönlich. „Wir verlangen umgehend ernsthafte Verhandlungen über ein neues Arbeitszeitmodell und eine sofortige Änderung des Umgangstons von Sohm“, so Bernhard Heinzle von der GPA. Sollte der Vorstand nicht innerhalb von Wochen reagieren, schließt er einen Streik der Belegschaft nicht aus. GPA-Obmann Willy Oss zeigte sich höchst erstaunt, dass man im Jahr 2010 überhaupt noch über das Arbeitsrecht diskutieren müsse: „So etwas ist eine Katastrophe für eine Branche wie diese.“ Angst vor Meinungsäußerung müsse niemand haben, „auch wenn uns ein Vorstandsmitglied des Krankenpflegevereines ständig umkreist“. Er meinte damit den bekannten Dornbirner Rechtsanwalt Dr. Karl Schelling, der als stiller Zuhörer den Verlauf der Versammlung verfolgte.

Unternehmenskultur

Zu Wort meldete sich auch AK-Präsident Hubert Hämmerle. „Sohm braucht den Betriebsrat nicht, aber Sie brauchen einen“, appellierte er an die Bediensteten, sich nicht kleinkriegen zu lassen. „Wir lassen nicht zu, dass die Leute niedergemacht werden.“ Die Angestellten hätten ein Recht auf eine Unternehmenskultur, in der man sich wohlfühlen könne. Da scheint es Nachholbedarf zu geben, wie eine Bedienstete hinter vorgehaltener Hand andeutete: „Die Zahl der Krankenstände ist in letzter Zeit deutlich angestiegen.“ Erst nach Ende der Versammlung betrat der so gescholtene Rudi Sohm den Ort des Geschehens. Offiziell wollte er zur vorgebrachten Kritik keine Stellung nehmen, betonte aber, er sei immer gesprächsbereit und offen für die Anliegen des Personals. Eine fixe Zusage, bald mit dem Betriebsrat Verhandlungen über neue Arbeitszeitregelungen aufzunehmen, gab es von seiner Seite nicht. Auszuschließen ist dies aber nicht.

Kritik der SPÖ

Gestern nahm auch SP-Landtagsabgeordnete Dr. Gabi Sprickler-Falschlunger zum Konflikt Stellung: „Die Gründung eines Betriebsrates darf keine Frage des persönlichen Geschmacks des Dienstgebers sein.“ Sollte nicht bald Ruhe einkehren, bestehe neben einem Streik die Gefahr, dass Bedienstete dem Verein den Rücken kehren und die Versorgung der Bevölkerung nicht mehr gewährleistet sei. Der Dornbirner FSG-Landesvorsitzende Werner Posch fordert Sohm auf, „die ständigen unerträglichen Störfeuer gegen die engagierten Mitarbeiterinnen zu unterlassen und die Beschäftigten ihre Interessensvertretungen wählen zu lassen“.

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