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Ulkig philosophieren?

Dass Rosenkranz und Güldenstern, die beiden Figuren aus Shakespeares "Hamlet", scheitern, wissen wir. Am Martinsplatz wird man zynisch.

Tom Stoppard hat dem 400 Jahre alten Geschehen 1966 mit “Rosenkranz und Güldenstern sind tot” einen Schuss Existenzialismus beigemengt. Am Martinsplatz kam Zynismus hinzu. Und Ulk. Nach zwei Shakespeare-Produktionen hat sich das Vorarlberger Landestheater als Beitrag zu den Bregenzer Festspielen für ein Stück zu Shakespeare entschieden.

Ein Grenzfall, denn Stoppards Beschäftigung mit dem aufrichtigen, aber zu Fehlentscheidungen neigenden Dänenprinzen führte zu einem brillanten Dialog seiner Freunde, der sich im Original über eine enorme Spieldauer erstreckt und jegliche Aktion aus dem verbalen Schlagabtausch bezieht. Dabei geht es um Fragen zur Existenz, um Täuschungsmanöver im Alltag, um Wahrnehmung, um das Sein an sich. Immer clownesk untermalt, behält der Text Bodenhaftung. Was bereits an anderen Theatern üblich geworden ist, hat auch Regisseur Christian Himmelbauer beherzigt. Er hat kräftig gekürzt und sich dafür bei der Ausgestaltung einer mehrfach auftretenden Schauspieltruppe ausgetobt.

Tücken

Das ist ungemein witzig, hat aber Tücken. Rosenkranz und Güldensterns Gegenüber, auch jene Welt, in der sie sich zurechtfinden sollten, wird damit sehr plakativ. Was beim ersten Auftritt als “Hair”-Ensemble noch als witziger Einfall registriert wird, leiert bei den “Saturday-Night-Fever”-Szenen zusehends aus und erhält erst bei der finalen “Rocky Horror Show” wieder Drive und eben auch Inhalt.

Aber dennoch Magie

Allerdings durfte man feststellen, dass etwa der fassettenreiche Zynismus, den Michael Gabel als Schauspielleiter zu Tage fördert, das Stück vor dem Umkippen in den Klamauk rettete. Und überhaupt vermochten Sven Schöcker als zart zögernder Güldenstern und Martin Beck als reizend geschwätziger Rosenkranz auch solo den Platz zu beleben. Da entfaltete sich dann jene Magie, die man so schätzt und die auch nicht gestört wurde.

Hamlet (Matthias Klein) und das intrigante Königspaar hätten vielleicht nicht gar so geradlinig angelegt werden müssen. Da hätte man gerne mehr erfahren. Auf einer Bühne (Ausstattung: Manuela Müller), die den Platz zur Geltung kommen lässt und Basis für eine erneute, mutige Ausweitung des Repertoires ist. Viel Applaus und ein wenig Irritation auf der Publikumsseite.

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