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Übermäßiger Konsum häufigster Auslöser privater Pleiten

In der Coronakrise ist im Vorjahr die Anzahl der Privatkonkurse um ein Viertel auf 7.300 Verfahren zurückgegangen. "Persönliches Verschulden" durch übermäßigen Konsum ist dabei seit 2018 um rund 10 Prozent gestiegen und stellt mittlerweile mit knapp 30 Prozent die häufigste Ursache für Privatkonkurse dar, geht aus einer Analyse des KSV1870 hervor. Damit liege übermäßiger Konsum erstmals noch vor gescheiterter Selbstständigkeit als Grund für eine Privatinsolvenz.

Der Gläubigerschutzverband spricht sich dagegen aus, wie in der geplanten Gesetzesnovelle vorgesehen, die Entschuldungsdauer von Privatpersonen von fünf auf drei Jahre zu senken. Der KSV1870 befürchtet, dass dadurch die Rückzahlungsquoten niedriger ausfallen werden und die Unternehmen auf zusätzlichen Verlusten sitzen bleiben. Auch "besteht die Gefahr, der Verschuldung Tür und Tor zu öffnen, wären doch die Schulden in relativ kurzer Zeit wieder loszuwerden", heißt es in einer Aussendung der Organisation von Donnerstag.

Dabei macht es für den KSV1870 aber einen großen Unterschied, ob jemand als Unternehmer pleitegegangen und so auch im Privatleben überschuldet ist, "weil die Schulden und ihr Zustandekommen gänzlich anders sind. Während Unternehmer Arbeitsplätze schaffen und ein gewünschtes unternehmerisches Risiko eingehen, entstehen Schulden bei den Privaten häufig aufgrund ihres Konsumverhaltens. Und nicht selten haben Unternehmer beim zweiten Anlauf ein florierendes Unternehmen auf die Beine gestellt", sagt Götze.

Konsumenten gleiten hingegen am ehesten in die Insolvenz, wenn sie ihre eigene Leistungskraft überschätzen und einen "schlechten Umgang mit Geld" haben. Am häufigsten komme es dazu, wenn es den Menschen gut geht und die Konjunktur brummt, so Karl-Heinz Götze, Leiter KSV1870 Insolvenz. Zweitwichtigster und praktisch gleich häufiger Grund für die private Zahlungsunfähigkeit ist die gescheiterte Selbstständigkeit (28,4 Prozent). Dahinter folgen als Auslöser "Einkommensreduktion" (17,4 %) und "Lebenskrisen" (11,6 Prozent), etwa Scheidung und Krankheit, aber auch die Coronakrise, die sich allerdings noch kaum auswirkt - lediglich 0,3 Prozent aller Privatkonkurse des vergangenen Jahres sind auf die Krise zurückzuführen. Mittel bis langfristig geht Götze allerdings schon davon aus, dass die Kurzarbeit und damit verbundene geringere Einkommen zu mehr Privatkonkursen führen wird.

(APA)

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