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Trotz Krisen den Fokus nicht verlieren

Bürgermeister Simon Tschann legt im kommenden Jahr seine Schwerpunkte auf Bildung, Sicherheit und Jugendliche. Auch in Sachen Energie und Klima gibt es Erfreuliches zu berichten.

Ein weiteres ereignisreiches Jahr geht für den Bludenzer Bürgermeister Simon Tschann langsam zu Ende. Die Planungen für 2023 sind sehr weit vorangeschritten – das Budget wird wenige Tage vor Weihnachten beschlossen. Großprojekte sind darin ebenso enthalten wie weitere Initiativen im Bereich Nachhaltigkeit.

Herr Bürgermeister, was sind denn die größten Vorhaben der Stadt Bludenz im kommenden Jahr?

Simon Tschann: Das größte Bauprojekt ist sicherlich die Volksschule Mitte. Jetzt sieht man auch etwas von der Baustelle. Die Baufirmen arbeiten sich stetig aus dem zweiten Untergeschoss nach oben.

Wie haben sich die Baukosten entwickelt? Trifft dieses Projekt auch die allgemeine Teuerungswelle?

Simon Tschann: Ja leider. Mittlerweile sind wir bei 22 Millionen Euro. Ob wir das halten können, ist ungewiss. Jeder, der derzeit baut, kann davon ein Lied singen. Wir hoffen, dass sich die Kosten im Laufe des nächsten Jahres ein bisschen stabilisieren.

Auch der Freizeit- und Skaterplatz für die Jugendlichen geht bald in die Bauphase.

Simon Tschann: Die Jugendlichen kamen mit der Bitte auf die Stadt zu, einen neuen Skaterplatz haben zu wollen. Das Unterstein-Quartier ist dafür optimal geeignet, da es ein Sport- und Freizeitquartier ist. Wir haben zuerst eine Bürgerbeteiligung durchgeführt. Beim Prozess wurden nicht nur Vereine, die Jugendlichen, Kindergarten und Schulen, sondern auch die Nachbarn involviert. So konnten die unterschiedlichen Interessen gut aufeinander abgestimmt werden.

Die Energiekrise ist nach Corona eine neue Herausforderung für Sie als Bürgermeister. Welche Einsparungsmaßnahmen wurden gesetzt?

Simon Tschann: Die letzten zwei Jahre betrieben die rund 320 StadtmitarbeiterInnen mehr oder weniger Krisenmanagement. Das gehört mittlerweile zum Arbeitsalltag. In welche Richtung sich die Energiesituation entwickelt, wissen wir nicht. Die Stadt hat aber bereits einige Energiesparmaßnahmen umgesetzt. So beträgt die Raumtemperatur im Rathaus 19 Grad und die Leuchtdauer der LED-Weihnachtsbeleuchtung wird verkürzt. Ein Großteil der Straßenbeleuchtung ist ebenfalls auf LED umgestellt. Nächstes Jahr machen wir da weiter. Darüber hinaus werden wir auch die PV Anlage vom Val Blu in Angriff nehmen. Da haben wir schon einiges an Einsparungspotenzial erreicht.

Als e5-Gemeinde wird auch Wert auf erneuerbare Energien gelegt?

Simon Tschann: Natürlich. Bei der Remise wurde eine PV-Anlage auf das Dach gebaut. Gleiches kommt nächstes Jahr beim neuen Teil des Werkhofs Klarenbrunn. Das ist dann schon die fünfte Groß-PV-Anlage der Stadt. Eine Nahwärmeversorgung für Teile von Bludenz und Bürs wird zudem durch die vkw illwerke vorbereitet.

Auch im Wirtschaftsbereich sind die Aussichten nicht rosig. So herrscht in vielen Branchen Personalmangel. Wie ist die Stadt Bludenz personell aufgestellt?

Simon Tschann: Wir haben eine so hohe Beschäftigungsrate und so viele Jobs wie noch nie in Vorarlberg. Gleichzeitig ist der Mitarbeitermangel aufgrund der Expansion zahlreicher Unternehmen eine enorme Herausforderung.

Vor zehn Jahren hatte man bei der Kleinkindbetreuung 40 bis 50 MitarbeiterInnen, aktuell sind wir bei über 120.  Wir merken den Personalmangel in allen Bereichen. Qualifiziertes Personal zu bekommen, ist eine unglaubliche Herausforderung. Die Zeiten, in denen sich Mitarbeiter bei Arbeitgebern beworben haben, sind vorbei. Jetzt muss sich der Arbeitgeber bei den Mitarbeitern bewerben.

Was tut die Stadt, um neue Mitarbeiter zu bekommen?

Simon Tschann: Die Mitarbeiter bekommen mit dem Digibon drei Euro Unterstützung für ein Mittagessen in Bludenz. Auch hat es die Jobbike-Aktion gegeben, bei der sich rund 40 Mitarbeiter ein Fahrrad für ihren Dienstweg gekauft haben. Dabei zahlt die Stadt beim Kauf mit. Viele Mitarbeiter kommen bereits mit dem Fahrrad zur Arbeit oder fahren mit den Öffis, was wir mit dem Öffiticket natürlich auch unterstützen.

Das Klimaticket läuft ebenfalls gut an?

Simon Tschann: Das Klimaticket für Studenten ist eine absolute Erfolgsgeschichte. Über 80 Tickets wurden heuer verkauft. Das ist ziemlich durch die Decke gegangen. Mittlerweile haben es viele andere österreichischen Gemeinden kopiert.

Bald steht das Budget für 2023 auf der Tagesordnung der Stadtvertretersitzung. Wie fällt dieses aus?

Simon Tschann: Wir konnten viele Vorhaben im Finanzhaushalt unterbringen. Natürlich ist der Aufwand im Personalbereich hoch – unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten aber auch sehr viel – wir sind ein in vielen Bereichen geforderter Dienstleistungsbetrieb, von dem alle Bludenzerinnen und Bludenzer profitieren.

Ziel ist es trotz hohen Investitionskosten ein Plus von 500.000 Euro zu erreichen. Die Ertragsanteile sind sehr gut, die Kommunalsteuer auch. Da ist kein großer Einbruch zu spüren. Die Ertragsanteile sind leider nicht in dem Maße gestiegen, wie die Volksschule Mitte jetzt mehr kostet. Das Budget ist von der Planung her durch die ganzen Krisen so unberechenbar wie noch nie.

Trotzdem müssen einige Investitionen getätigt werden wie das neue Feuerwehrhaus Bings-Stallehr.

Simon Tschann: Genau. Der Architektenwettbewerb ist abgeschlossen. Den Zuschlag bekam das Architektenbüro Ender. Nächstes Jahr soll der Spatenstich erfolgen. Da freue ich mich sehr auf ein tolles Projekt, das mit rund vier Millionen Euro veranschlagt ist.

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