AA

Trotz Freispruch muss er über 11.000 Euro zahlen

Manfred Boschette wurde schwer verleumdet.
Manfred Boschette wurde schwer verleumdet. ©VN/Heyer
Dornbirn - Dornbirner wurde verleumdet und muss jetzt selbst für Anwaltskosten aufkommen.


Manfred Boschetto ist fassungslos. Und das aus zweierlei Gründen. Einerseits wurde er von der minderjährigen Tochter seiner Lebensgefährtin des schweren sexuellen Missbrauchs bezichtigt und musste sich vor dem Landesgericht verantworten. Das Urteil: Freispruch. Andererseits muss er seinem Anwalt nun rund 11.000 Euro bezahlen. „Die ganze Sache ist unglaublich und unfassbar für mich“, erklärt der Dornbirner im VN Gespräch. Dabei hatte alles so gut begonnen.

Banale Ursache

„Anfangs war das Verhältnis zwischen dem Mädchen und mir sehr gut“, erinnert sich der 47-Jährige. Der Grund für die schweren Vorwürfe sei zudem äußerst banal und habe gar nichts mit ihm als Person zu tun gehabt. Die Mutter habe während eines Schwimmbadaufenthaltes ein Kinoverbot ausgesprochen, worauf die aufgebrachte Tochter die sexuelle Belästigung aus dem Stand erfand. Sie stiftete anschließend sogar Schulfreundinnen zum Lügen an. „Das Lügenkonstrukt ist immer weiter und weiter angewachsen. Bis es dem Druck beim Gerichtsprozess nicht mehr standhalten konnte“, erklärt der Freigesprochene, dem bis zu zehn Jahre Haft gedroht hätten.

Lange Leidenszeit

Vom Beginn der Anschuldigungen bis zum Ende des Prozesses vergingen immerhin eineinhalb Jahre. Eine lange Zeit mit hoher nervlicher Belastung. „Mit ihren Falschaussagen hätte sie mein Leben zerstören können. Ich bin einfach nur froh, dass es vorbei ist.“ Doch so ganz ist das alles noch nicht ausgestanden. Schließlich muss Boschetto Anwaltskosten in Höhe von 11.185,84 Euro begleichen. Er sieht sich dabei als Opfer des Systems. „Das ist doch die Höhe. Ich wurde zu Unrecht beschuldigt, wurde freigesprochen und muss nun so viel Geld bezahlen. Wo bleibt da die Gerechtigkeit?“ Boschetto ist gezwungen, einen Kredit aufzunehmen.

Rechtslage

Gerichtssprecher Reinhard Flatz kennt die aktuelle Rechtslage: „Es kann ein Kostenersatz gegen die Republik geltend gemacht werden. Dadurch wird ein kleiner Teil der Kosten gedeckt. Die restliche Summe muss der Freigesprochene tatsächlich selbst bezahlen.“ Früher sei die Situation für die Beschuldigten noch schlimmer gewesen. Gleichwohl könnten im Falle einer Verleumdung auch Schadenersatzansprüche beim Kläger verlangt werden, so Flatz.

Schadenersatzklage

Eine zivilrechtliche Schadenersatzklage hat Boschetto bereits eingereicht. Das Verfahren dazu steht noch aus. Der Dornbirner macht sich allerdings auf eine lange Wartezeit gefasst: „Da das Mädchen noch kein Geld verdient, kann sie derzeit nicht belangt werden.“ Immerhin hat sie ihr Fehlverhalten mittlerweile eingesehen und sich entschuldigt. Die monatlichen Ratenzahlungen in Höhe von 215 Euro werden den 47-Jährigen trotzdem noch einige Zeit an dieses düstere Kapitel seines Lebens erinnern.

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Vorarlberg
  • Dornbirn
  • Trotz Freispruch muss er über 11.000 Euro zahlen
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen