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Trotz Expertenregierung: Weiterhin "türkise" Mitarbeiter in Ministerien

Alexander Schallenberg schart mehr Referenten als die Kanzlerin um sich.
Alexander Schallenberg schart mehr Referenten als die Kanzlerin um sich. ©APA/AFP/ATTILA KISBENEDEK
Trotz unabhängiger Expertenregierung arbeiten in vielen Ministerien nach wie vor "türkise" Mitarbeiter, vor allem im Kabinett von Außenminister Alexander Schallenberg.

Das berichtet die "Tiroler Tageszeitung" (Dienstagsausgabe). Besonders auffallend ist das Kabinett von Außenminister Alexander Schallenberg, der mehr Referenten als Kanzlerin Brigitte Bierlein um sich schart.

Schallenberg ist nicht nur Europa- und Außenminister, sondern auch Kultur- und Medienminister. Im Außenamt übernahm er unter anderem Gregor Kößler, den Kabinettschef der damaligen Ministerin Karin Kneissl (FPÖ). In seiner zweiten Funktion bediente er sich laut "Tiroler Tageszeitung" vor allem aus den Kabinetten von Sebastian Kurz, Gernot Blümel und Josef Moser (alle ÖVP). Kabinettschef ist Bernhard Bonelli, der diese Funktion auch schon unter Altkanzler Kurz innehatte. Schallenberg gilt als Vertrauter von Kurz.

Nach wie vor viele "türkise" Mitarbeiter in Ministerien

Im Kanzleramt stellt Schallenberg sogar das Büro von Bierlein in den Schatten. Während sich die Kanzlerin mit acht Kabinettsreferenten zufriedengibt, beschäftigt Schallenberg gleich zwölf davon.

Schallenbergs Büro erklärte die hohe Dichte an türkisen Mitarbeitern damit, dass in dem Ressort "sehr viele Themen abgedeckt" werden. "Aufgrund dieses umfangreichen Aufgabengebietes wurde auf Expertinnen und Experten aus den jeweiligen Fachbereichen zurückgegriffen, die insbesondere auch das Haus gut kennen."

Zur Zusammensetzung der Ministerkabinette liegt eine laufende parlamentarische Anfrage vor, die laut Regierungssprecher Alexander Winterstein bald beantwortet werden soll.

FPÖ kritisiert "eiskalte Machtpolitik" der ÖVP

Die FPÖ hat auf einen Bericht der "Tiroler Tageszeitung", wonach in vielen Ministerien vor allem "türkise" Mitarbeiter zu finden sind, mit Kritik reagiert. "Nahezu sämtliche Schlüsselpositionen in den meisten Ministerien seien mit ÖVP-Parteigängern bzw. ÖVP-nahen Personen besetzt", wetterte FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker gegen die "eiskalte Machtpolitik", mit der die Volkspartei vorgehe.

Ex-Kanzler Sebastian Kurz und Wiens VP-Chef Gernot Blümel hätten ihre "Vertrauensleute flächendeckend platziert", sagte Hafenecker am Dienstag in einer Aussendung. "Die ÖVP hat ihre Macht in den Ministerien erfolgreich verteidigt und sogar ausgebaut", kritisierte er.

"Es geht mir sicher nicht darum, einzelne Mitarbeiter anzupatzen", betonte Hafenecker. "Aber solche Strukturen müssen sichtbar gemacht werden. Die Experten-Minister mögen großteils unabhängig sein - ihre Kabinette sind es nicht."

Bierlein hält eigenes Team bewusst klein und ausgewogen

Kanzlerin Brigitte Bierlein sagte am Dienstag im Ö1-"Mittagsjournal", sie habe ihr Team bewusst klein und ausgewogen gehalten. Sowohl der Kabinettschef, der Stellvertreter als auch der Regierungssprecher und der persönliche Berater seien "externe Experten". Als persönlichen Berater habe sie sich für Manfred Matzka entschieden. Matzka habe sowohl Wolfgang Schüssel (ÖVP) als auch Werner Faymann (SPÖ) in deren Zeit als Kanzler loyal gedient, hieß es.

Im Umweltministerium berief man sich laut Ö1 auf die "hohe fachliche Qualifikation" der Mitarbeiter und auf die sehr gute Zusammenarbeit mit ihnen. Das Wirtschaftsministerium begründete die Zusammenarbeit mit der "fachlichen Expertise der handelnden Personen". Im Finanzministerium kann man die Aufregung offenbar nicht verstehen. Ein Sprecher sagte dem ORF-Radio, der Minister sei "frei in der Entscheidung" gewesen und habe einfach einen Teil des Kabinetts übernommen.

Außerdem sind nicht alle Ressorts der Expertenregierung türkis geprägt: Sozialministerin Brigitte Zarfl zum Beispiel hat als Kabinettschefin eine ehemalige SPÖ-Bezirksrätin. Auch Frauenministerin Ines Stilling setzt auf eine Kabinettsleiterin, die bereits für andere SPÖ-Minister gearbeitet hat.

(APA/Red)

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