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Türkische Partei wendet sich gegen christliche Missionare

In der Türkei hat sich am Donnerstag eine neue Nationalistenpartei gebildet. Schon im ersten Satz ihres Gründungsaufrufes wendet sie sich gegen die "Kolonialisierung" der Türkei durch christliche Missionare, berichtet Kathpress am Donnerstag.

“Türkische Nation, wir wissen, dass du es satt hast, dass deine Demokratie bevormundet wird, dass ausländische Vertreter und Missionare auf unserem Boden herumlaufen und dich herumkommandieren”, beginnt der in mehreren Tageszeitungen als ganzseitige Anzeige veröffentlichte Gründungsaufruf der “Partei für Recht und Gleichheit” (Hak ve Esitlik Partisi).

Gründer ist Ex-General Osman Pamukoglu, der vor allem für seine Rolle im Krieg gegen die kurdische Rebellengruppe PKK bekannt ist. Pamukoglu befehligte in den schwersten Zeiten des Kurdenkrieges Mitte der 90er Jahre eine Einheit in der umkämpften südostanatolischen Gebirgsregion Hakkari. Anschließend war er auf Nordzypern stationiert, wo die türkische Armee mit knapp 40.000 Mann über die international nicht anerkannte Türkische Republik Nordzypern (KKTC) wacht.

Missionarstätigkeit ist in der Türkei nicht verboten; sie wird aber besonders von radikalen Rechtsnationalisten als staatszersetzend betrachtet. Im vergangenen Jahr wurden im osttürkischen Malatya drei protestantische Missionare erstochen. Auch den Mord an dem katholischen Priester Andrea Santoro im nordtürkischen Trabzon 2006 und mehrere weitere Angriffe auf christliche Geistliche in türkischen Städten begründeten die Täter mit dem Groll gegen ausländische Missionare.

Das Problem der fehlenden Rechte der Christen in der Türkei sprach am Donnerstag der Leiter des Katholischen Büros bei der deutschen Bundesregierung, Prälat Karl Jüsten, an. Die Türkei könne erst ein seriöser Beitrittskandidat für die Europäische Union sein, wenn religiöse Minderheiten nicht nur individuelle, sondern auch kollektive Religionsfreiheit in der Verfassung und in der gesellschaftlichen Wirklichkeit genießen, so Jüsten.

Jüsten hatte von Samstag bis Mittwoch mit neun Abgeordneten aller Bundestagsfraktionen und seinem evangelischen Amtskollegen Stephan Reimers im Rahmen einer Pilgerreise die Türkei besucht und sich dabei über die Lage der Christen informiert. Auf dem Programm stand auch eine Visite in Tarsus, dem Heimatort des Apostels Paulus. Derzeit erlauben die Behörden vor Ort Besuchern, in dem als Museum genutzten Gotteshaus auch zu beten. Ziel müsse sein, dass das Gotteshaus Christen wieder uneingeschränkt als Gebetsstätte zur Verfügung steht, forderte Jüsten.

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