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Todeskampf dauerte 20 Minuten

Feldkirch - Drei spektakuläre Prozesse werden in den nächsten Wochen in Vorarlberg stattfinden. Jedes Mal geht es um den Vorwurf des Mordes, bzw. des versuchten Mordes.

Der Prozess gegen einen 29-jährigen Dornbirner, der im Jänner seinen Vater getötet hat, findet wie die Verhandlung gegen den Riedtäter von Lustenau im August statt. Der Prozess im dritten Mordfall dieses Jahres ist allerdings noch nicht terminlich festgelegt. Am 21. März hatte ein 27-jähriger Hohenemser seinen 26-jährigen Freund aus Eifersucht erwürgt. Die „VN“ kennen die Ermittlungsakten dieses brutalen Mordfalls.

Den Anfang nahm die fatale Nacht in der Hohenemser Tiergartensiedlung. Um genau 3.37 Uhr nachts ging bei der Leitstelle ein Notruf ein. Am Telefon: ein 27-jähriger Hohenemser, der behauptete, sein Freund sei nicht ansprechbar und habe keinen Puls mehr. Der Ablauf, den der Mann zunächst als Unfall schilderte, rief die Ermittler wenig später wegen Mordverdachts auf den Plan.

Die Verantwortung des gelernten Metallarbeiters variierte. Zu Beginn seiner Einvernahmen schien er sich an recht wenig erinnern zu können. Die beiden jungen Männer hatten gemeinsam mehrere Flaschen Wodka-Likör und Cannabisprodukte konsumiert. Doch eine Woche nach dem Vorfall schildert der Mann in seinen Einvernahmen grausame Einzelheiten. „Es ist schon möglich, dass ich ihn am Hals gepackt habe“, räumt er plötzlich vor der Polizei ein.

„Bereue es sehr“

Dass er ihn geschlagen und gewürgt habe, fällt ihm wieder ein. „Was ich sicher weiß, ist, dass ich während des Würgens neben ihm auf dem Boden kniete“, kehrt die Erinnerung zurück. „Ich habe meine Fingernägel richtig in seinen Hals gedrückt, beinahe gekrallt“, erzählt der Verdächtige weiter. Auf die Frage, ob er noch etwas hinzufügen wolle, sagt er: „Ich bereue sehr, dass ich ihn umgebracht habe“.

Hintergrund für den vorangehenden Streit der beiden Männer war die Zuneigung zu einer gemeinsamen Bekannten. Die 16-Jährige hatte das Opfer vor vier Jahren während eines stationären Aufenthaltes im Landeskrankenhaus Rankweil kennengelernt und versucht, ihn von Alkohol und Tabletten wegzubringen. Auch der Tatverdächtige fand Gefallen an dem Mädchen. Sie war an jenem verhängnisvollen Abend bei dem Opfer zu Besuch. Als die beiden Männer heftig stritten, geriet die junge Frau nach eigenen Angaben in Panik und rannte davon. Als sie ihren Bekannten eine Stunde später wie vereinbart anrief, antwortete dieser nicht mehr. Die Untersuchungen in diesem grausamen Fall sind noch nicht abgeschlossen. „Wie weit die vom Verdächtigen angegebene Amnesie echt oder vorgetäuscht ist, wird ein Gutachten von Primar Reinhard Haller klären“, so Opferanwalt Surena Ettefagh. Er vertritt die Mutter des Ermordeten, die auf Gerechtigkeit hofft. Die Frau ist schwerst krank und hat am 21. März ihr einziges Kind verloren.

Verletzungen Person des Tatverdächtigen:

  • Õ Kumpel des Opfers
    • Fünf Vorstrafen, drei wegen Körperverletzung Verletzungen des Opfers:
    • Quetschungsblutungen durch Würgen und Schlagen im Halsbereich
    • Bruch des Zungenbeins und Einblutung am Kehlkopf
    • Laut Polizei gab es seitens des Opfers kaum Gegenwehr, das Sterben habe sich über rund zwanzig Minuten hingezogen, langsames Ersticken habe zum Tod geführt.
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