AA

Todeskampf dauerte 15 Minuten

©APA, Andres Uher
Feldkirch - Neue Details aus dem Ermittlungsbericht. Die Tochter des Tatverdächtigen ist im Zeugenschutzprogramm untergebracht.
Mordalarm im Bregenzerwald
Leiche in Hittisau gefunden
Toter in Hittisau
Vorarlberger Mordfälle
Trauer um Bekir auf Facebook
Bekirs Familie im Interview

Im Mai wird der 26-jährige türkischstämmige Bekir C. in Hittisau in der Nähe des Hochhäderichs ermordet aufgefunden. Der junge Mann aus Wolfurt wurde durch einen Kopfschuss aus nächster Nähe getötet. Monatelang waren die Fahnder mit der Auswertung unzähliger Spuren beschäftigt. Nun liegen die Ergebnisse beinahe vollständig auf dem Tisch. „Es gibt noch keinen Abschlussbericht. Ein weiteres DNA-Gutachten fehlt“, so Heinz Rusch, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Feldkirch. Bis zur Anklage könnte es November werden, obwohl alle mit Hochdruck arbeiten.

Wer hat geschossen?

Sowohl der 55-jährige Necmettin G. als auch dessen 17-jähriger Sohn Caglar wurden auf Rückstände untersucht, die auf einen Waffengebrauch schließen lassen. „Bei meinem Mandanten wurden jedenfalls keine derartigen Spuren festgestellt“, so Stephan Wirth, Anwalt des älteren Verdächtigen erleichtert. „Da bis zur Probenahme einige Zeit vergangen ist, ist die Wahrscheinlichkeit, dass allenfalls vorhanden gewesene Spuren nachgewiesen werden können, äußerst gering“, relativieren die Spezialisten des Bundeskriminalamts (BKA). Was den 17-jährigen Tatverdächtigen betrifft, wurden bei ihm erst 20 Stunden nach der Schussabgabe Spuren gesichert. Offenbar zu wenige, um erneut U-Haft zu verhängen. Die Rückstände, so der BKA-Befund, könnten auch nachträglich an die Hand des Burschen gekommen sein. Minimale Rückstände von Blei, Barium und Antimon seien bei zwei Prozent der Bevölkerung, bei denen es keinerlei Bezug zu Schusswaffen gibt, vorhanden. „Das heißt also gar nichts“, sagt German Bertsch, Verteidiger des Jugendlichen.

Faserspuren des Opfers im Auto

Das gerichtsmedizinische Gutachten bestätigt, dass Bekir C. aus nächster Nähe in den Kopf geschossen wurde. Bis zum Todeseintritt dauerte es allerdings rund 15 bis 20 Minuten. Bestätigung brachte auch die kriminaltechnische Untersuchung des verwendeten Revolvers „Astra Kaliber 38 Spezial“. Vergleichsschüsse stellen sicher: Der in Krumbach versteckte Revolver ist die Tatwaffe. Auch die Gerichtsmediziner sagen eindeutig: „Es gibt keinen Zweifel, dass die Blutspuren auf der Waffe vom Opfer stammen.“ Zwölf Seiten umfasst allein der kriminologische Befund über die Faserspuren. Kleider, Autoteppiche, Fensterheber – alles wurde unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Der rote Peugeot 306, in dem Bekir C. vermutlich verschleppt wurde, weist Faserspuren von der Hose des Entführten auf. „Die graue Jeans des Opfers hatte Kontakt mit der Rückbank“, so die Experten. Interessant, dass die Gerichtsmediziner jedoch kein DNA-Material des Opfers fanden. Obwohl Münzablage, Verkleidung, Türverriegelung und andere Teile des Wagens genau untersucht wurden – bislang keine DNA-Spuren von Bekir. Verwunderlich die Aussage von U-Häftling Necmettin G. Ihm gehört der rote Peugeot. Er sagt, er habe das Opfer nicht gekannt und sei ihm nie begegnet. Die Gerichtsmedizin hält jedoch entgegen, dass an Bekir C.s. Kleidung nachweislich Spuren des Inhaftierten gesichert wurden.

Gründliche Arbeit

Von einem zusätzlich angeforderten DNA-Gutachten erwartet man sich weitere Aufschlüsse. Gutachten brauchen viel Zeit, danach muss sich die Anklagebehörde die Zeit nehmen, das Ganze rechtlich zu ordnen und entsprechend zu verfolgen. Vor November ist vermutlich nicht mit einer Anklage zu rechnen. Warten heißt es auch für die Hinterbliebenen des Opfers Bekir C. „Für meine Mandanten ist die Situation schrecklich“, so Nicolas Stieger, der die Familie des Verstorbenen vertritt. Auch die Interessen des noch ungeborenen Kindes von Bekir C. werden von Stieger wahrgenommen. In letzter Zeit seien bei der Opferfamilie immer wieder ano­nyme Anrufe eingegangen und hätten für Angst gesorgt, so der Rechtsanwalt.

Tochter fürchtet Rache

Die Tochter des tatverdächtigen Necmettin G. kann nur wenig zur Entlastung ihres Vaters beitragen. Im Gegenteil. Sie sagt in ihrer Einvernahme aus, dass sie ihren Vater am besagten Abend vor dem Haus gesehen habe. Er sei zufällig auf Bekir C. gestoßen und habe begonnen auf ihn einzuschlagen. Bekir sei ins Auto gezerrt worden, damit endet die Beobachtung jener Frau, die sich so vor ihrem inhaftierten Vater fürchtet, dass sie ins Zeugenschutzprogramm aufgenommen wurde. Ihr Freund ist tot, ihr Vater und Bruder stehen unter Mordverdacht. Dennoch hofft die junge Frau, die von ihrer strengen Familie immer kurzgehalten wurde, auf Freiheit. Und dafür ist sie bereit auszusagen.

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Vorarlberg
  • Todeskampf dauerte 15 Minuten
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen