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Tierisch-menschliche Nebenschauplätze

Fantastisch, zufällig, spontan, absurd, sprunghaft sind die Szenen, die es zu entschlüsseln gilt.
Fantastisch, zufällig, spontan, absurd, sprunghaft sind die Szenen, die es zu entschlüsseln gilt. ©Bösch Herbert
Nebenschauplätze

Werner Grabher inszeniert den Reichshofsaal zum Hauptschauplatz

Lustenau. Mit seinem neuen Werk “Nebenschauplätze” fesselt Dr. Werner Grabher das Publikum mit seiner fotografisch, akribischen Schreibweise und bringt die Beziehung Mensch-Tier in eine neue Dimension. Der Literat, Philosoph und Kulturchef im Amt der Vorarlberger Landesregierung versteht es auf ungewöhnliche Art die kleinen Katastrophen des Alltags als scheinbare Nebenschauplätze darzustellen und fordert den Leser provokativ heraus, den Blick zu verändern auf das “Daneben”. Fantastisch, zufällig, spontan, absurd, sprunghaft sind die Szenen, die es zu entschlüsseln gilt. Passend dazu auch die Illustrationen von Tone Fink.

BM Kurt Fischer nennt in seiner Laudatio Grabher als Lyriker, der mit seiner fotografischen Sprache den Leser mit seinen “Miniaturen” begeistert. Diesen Kunstgenuss ließen sich im vollbesetzten Reichshofsaal Landesstatthalter Mag. Markus Wallner, Kultur LR Andrea Kaufmann, LAD Dr. Johann Müller und Kultur GR Daniel Steinhofer nicht entgehen.

Nicht zufällig wurde zu Beginn der Präsentation die Apokalypse besungen, die, wie in den 20 Tiergeschichten, ein schreckliches Ende inkludiert. “Katastrophen passieren einfach”, sagt Grabher und relativiert die Schreckensszenarien. Wie im “Apollofalter” der Vulkanausbruch, sind sie Teil des Lebens, unausweichlich und zugleich eine neue Chance das Leben zu verändern. In “Die Schnecke” zeigt er kriegerisch die Mensch-Tier-Beziehung auf, in welcher sich der “unterlegene” Mensch mittels erfundener Werkzeuge brachial zur Wehr setzt. Jeder Gartenbesitzer im Saal fühlte sich menschlich bestätigt und zugleich erschreckt vom Feind Mensch. Freundlicher begegnen sich in “Die Krähe” zwei verschiedene Welten. Mensch und Tier sind Fremde die eine Symbiose eingehen. “Im Leben den richtigen Moment zu erwischen oder zu verpassen” wurde im Filmtrailer von Uli Herburger nach dem Dialogtext “Der Gepard”, in Anwesenheit der Hauptdarstellerin Kathie Hauptmann, herrlich umgesetzt. Einmal verarbeitet Grabher Kindheitserlebnisse in seinen Geschichten wie im “Sperling” oder kümmert sich um das Schicksal des “Maikäfers”, ein andermal verewigt er seine “kitschige” Tonfigur Indosa im “Seeigel” oder wird selber Teil eines Bildes wie der Nachtschwärmer im “Tapir”.

Spannend bis zum Schluss hat Werner Grabher es verstanden, um in seiner bildhaften, tierischen Sprache zu bleiben, in ein Wespennest zu stechen und den Zuhörer zu berühren und zum Kampf, zum Dialog herauszufordern.

Kongenial wurde er an diesem Abend begleitet vom Akkordeonvirtuosen Goran Kovacevic, der mit seinen eindrucksvollen und ausdruckstarken Improvisationen selber wunderbare Geschichten erzählte.

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