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Terror in Paris: Fotos von Polizisten-Ermordung kein Ethikverstoß

Die Bilder von der Tötung eines Polizisten sorgen für Aufregung.
Die Bilder von der Tötung eines Polizisten sorgen für Aufregung. ©AP
Der Presserat sieht in der Veröffentlichung der Bilder von der Ermordung des Polizisten Ahmed Merabet bei den Terroranschlägen von Paris keinen Ethikverstoß.
Hunderte Menschen bei Trauerfeier

Das Nachrichtenmagazin “profil” sowie die “Kronen Zeitung” hatten auf ihren Titelseiten entsprechende Fotos gebracht, Leser beschwerten sich daraufhin beim Presserat.

Waffe auf Polizist gerichtet

Die Bilder von der Erschießung des Polizisten durch die beiden Terroristen, die zuvor bei der Satirezeitschrift “Charlie Hebdo” ein Blutbad angerichtet hatten, gingen um die Welt. Sie stammten aus dem Amateurvideo eines Anrainers. Auf dem Foto, das “profil” am Cover abgedruckt hatte, war zu sehen, wie auf den am Boden liegenden Polizisten die Waffe gerichtet wird und die Tötung knapp bevor steht.

Privatsphäre der Sterbenden

Nach Meinung des Presserats zählt der Moment des Todes grundsätzlich zur Privatsphäre des Sterbenden. “Die Veröffentlichung eines Bildes, das einen Menschen in diesem Augenblick oder kurz davor zeigt, ist besonders heikel. Zudem ist auf den Schutz der Menschenwürde des Sterbenden zu achten, der im vorliegenden Fall noch dazu das Opfer eines Verbrechens war. Angesichts der gegebenen Umstände ist hier aber auch das öffentliche Interesse an den Bildveröffentlichungen zu berücksichtigen”, so der Presserat am Freitag in einer Aussendung.

“Brutalität und Kaltblütigkeit”

Der Anschlag der beiden islamistischen Terroristen habe weltweit enormes Aufsehen erregt und Solidaritätskundgebungen mit den Opfern ausgelöst. Bei einem Terroranschlag von diesem Ausmaß erscheine es deshalb ausnahmsweise gerechtfertigt, derartige Aufnahmen zu veröffentlichen. “Die Bilder, die die Brutalität und Kaltblütigkeit der Täter dokumentieren, stehen auf tragisch symbolhafte Weise für das Attentat in Paris. Der Öffentlichkeit wurde durch die Bildveröffentlichungen, die in bewegter Form über elektronische Medien im In- und Ausland erfolgte, die ganze Dimension des Verbrechens buchstäblich vor Augen geführt.”

Äußerst schmerzvoll

Ähnlich wie manche Bilder von Kriegsschauplätzen könnten die Fotos von der Erschießung des Polizisten in gewisser Weise in einen zeithistorischen Kontext gesetzt werden. Der Presserat sei sich bewusst, dass die Veröffentlichung der Bilder für die Angehörigen des Ermordeten äußerst schmerzvoll ist. So habe der Bruder des Opfers etwa in Interviews angegeben, dass ihn die Veröffentlichung des Videos über die Tat zutiefst getroffen habe und schwer belaste. Der Presserat merkte jedoch an, dass die Veröffentlichung des Videos – also die Veröffentlichung der genauen Abfolge der Geschehnisse in Bewegtbildern – mit noch größerem Leid verbunden sei als die Veröffentlichung eines einzelnen unbewegten Bildes kurz vor der Ermordung.

Besondere Grausamkeit

Beim Presserat spricht man von einem außergewöhnlichen Fall – einerseits wegen der Schwere des Terrorakts, andererseits aber auch wegen der besonderen Grausamkeit, mit denen die Terroristen vorgegangen seien. Insgesamt würden aber die Informationsinteressen der Allgemeinheit gegenüber den Persönlichkeitsinteressen des Opfers und der nahen Angehörigen überwiegen.

 

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