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Telefonseelsorge leidet unter "Jux-Anrufen"

27.500 Mal wählten im Vorjahr zumeist Kindern oder Jugendliche die Nummer 142 - ein großer Teil dieser Anrufe hatte "scherzhaften, belästigenden oder missbräuchlichen Charakter".

Die Telefonseelsorge Vorarlberg als niederschwellige und anonyme Anlaufstelle für Menschen in Notlagen hat im Vorjahr einen Rückgang der protokollierten Anrufe auf der kostenlosen Telefon-Kurznummer 142 von rund 14.000 (2002) auf knapp 12.000 (2003) registriert. Dafür haben die Anfragen von Alleinerziehenden, aber auch von psychisch Belasteten und Suizidgefährdeten, an die Mail-Beratung (www.142online.at) um 20 Prozent auf knapp 300 zugenommen. 56 Frauen und 13 Männer standen als ausgebildete Berater rund 12.000 Stunden im ehrenamtlichen Einsatz, geht u.a. aus dem aktuellen Jahresbericht 2003 hervor.

Ein Viertel (26 Prozent) der Anrufer waren Männer, drei Viertel (74 Prozent) Frauen, 60 Prozent der Ratsuchenden wollten anonym bleiben. Viele Anrufer (38 Prozent) waren unter 20 Jahre alt, jedes vierte Gespräch drehte sich um Partnerschaft/Familie (25 Prozent), gefolgt von psychischen Problemen (23 Prozent) und „soziales Umfeld“ (16 Prozent). Mehr als ein Drittel (36 Prozent) betraf „sonstige Themen“. Einem deutlichen Rückgang der Anrufe zum Thema Sucht, Kindesmisshandlung oder sexuellen Kindesmissbrauch standen mehr Anrufe zu den Themen Missbrauch und Tätlichkeiten, Depression, Sexualität und Generationsprobleme gegenüber.

Zunehmende Problem hat die Telefonseelsorge laut Landesleiter Sepp Gröfler mit so genannten „Jux-Anrufen“. 27.500 Mal (2002: 17.800) suchten im Vorjahr zumeist Kindern oder Jugendliche auf der Nummer 142 die Telefonseelsorge als Ansprechpartner für Sorgen und Nöte. Ein großer Teil dieser 27.500 Anrufe hatte „scherzhaften, belästigenden oder missbräuchlichen Charakter“, bedauert Gröfler: „Die jungen Leute verwenden das Medium Handy nicht selten als eine Art Überdruckventil. Grenzen ausloten und Rückmeldungen von Erwachsenen einholen, scheinen weitere Motive zu sein“.

Die Erreichbarkeit der Telefonseelsorge habe durch die sprunghafte Zunahme der missbräuchlichen Anrufe deutlich gelitten. Im Jahresbericht wird eine mögliche Konsequenz angedeutet: „Eventuell muss 2004 die Einführung einer Nummernerkennung in Erwägung gezogen werden. Das geht zu Lasten der Anonymität“. Den Anliegen der Anrufer werde aber weiterhin größte Vertraulichkeit entgegengebracht, versicherte Gröfler.

Getragen wird die Telefonseelsorge Vorarlberg von der Diözese Feldkirch, der Evangelischen Gemeinde, dem Land und der Gebietskrankenkasse Vorarlberg sowie einer Reihe von Sponsoren und Spendern.

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