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Täter des Srebrenica-Massakers noch flüchtig

Zehn Jahre nach dem schwersten Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg, dem Massaker in der ehemaligen Bosniaken-Enklave Srebrenica, sind drei für das Massaker hauptverantwortliche Personen noch flüchtig.

Das UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen in Ex-Jugoslawien fahndet weiterhin nach dem früherem Präsidenten der bosnischen Serbenrepublik Radovan Karadzic, seinem Militärkommandanten Ratko Mladic und dem einstigen Chef des bosnisch-serbischen Militärnachrichtendienstes Zdravko Tolimir.

Im Tribunalsgefängnis befinden sich acht ehemalige hohe Offiziere der bosnischen Serben, die sich seit Ende des Vorjahres dem UNO-Tribunal gestellt haben. Vor dem Haager Tribunal sind seit dem Kriegsende in Bosnien-Herzegowina im Jahre 1995 sechs Personen wegen des Srebrenica-Massakers zu Haftstrafen verurteilt worden.

Die bisher höchste Haftstrafe wurde im Jahre 2001 gegen den einstigen Kommandanten des bosnisch-serbischen Drina-Korps, General Radislav Krstic – 46 Jahre – ausgesprochen. Im April 2004 wurde sie in eine 35-jährige Haftstrafe abgeändert. Krstic war die erste Person, die vor dem UNO-Tribunal wegen Völkermordes verurteilt wurde.

Mit hohen Haftstrafen wurden vier weitere einstige hohe Offiziere vom Drina-Korps belegt: Momir Nikolic – 27 Jahre, Vidoje Blagojevic -18 Jahre, Dragan Obernovic- 17 Jahre und Dragan Jokic – neun Jahre.

Der wegen des Srebrenica-Massakers angeklagte einstige Angehörige der bosnisch-serbischen Truppen, Drazen Erdemovic, wurde bereits in den neunziger Jahren zu einer fünfjährigen Haftstrafe verurteilt und befindet sich wieder auf freiem Fuß. Erdemovic war nach eigenen Angaben am 16. Juli 1995 auf dem Landgut Branjevo bei Pilice an der Erschießung von etwa 1.200 Srebrenica-Einwohnern, Männern und und Jugendlichen, beteiligt, die zuvor von ihren Familien getrennt worden waren.

Fünf der acht Haager Angeklagten im Tribunalsgefängnis – Ljubisa Beara, Vujadin Popovic, Vinko Pandurevic, Drago Nikolic, Ljubomir Borovcanin – werden sich ebenfalls wegen Völkermordes verteidigen müssen. Dasselbe gilt auch für Karadzic und Mladic, Tolimir und weiteren drei Angeklagten werden Verstoße gegen die Menschlichkeit angelastet.

Die Anklage wegen des Völkermords in Srebrenica lastet auch am ehemaligen jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic und seinem früheren Generalstabchef Momcilo Perisic. Milosevic bestreitet jede Verwicklung Belgrads in das Massaker.

In Srebrenica wurden im Juli 1995 rund 7.800 Personen ermordet. In der Gedenkstätte in Potocari, unweit der Stadt, wurden bisher 1.327 Massaker-Opfer beerdigt, heuer ist die Beisetzung von weiteren 610 Opfern geplant. Auch wenn immer wieder neue Massengräber entdeckt werden, sind Leichen zahlreicher Srebrenica-Opfer noch nicht gefunden worden.

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