Täter kam aus Neonaziszene und hatte Waffenverbot

Gregor S. war einschlägig bekannt
Gregor S. war einschlägig bekannt ©VOL.AT
Nenzing - Der 27-jährige Gregor S., der am Sonntag bei einem Rockerfest im Vorarlberger Nenzing zwei Personen und sich selbst getötet hat, war Mitglied der Vorarlberger Neonazi-Szene. "Stoppt die Rechten" nannten den Täter einen "langjährigen Aktivisten der Vorarlberger Neonazi-Szene", der 2005 erstmals einschlägig erwähnt wurde.
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Pressekonferenz der Polizei zum Nachsehen

Demnach überfiel er damals mit anderen Neonazis aus dem Umfeld der Vorarlberger “Blood and Honour”-Szene ein Punkkonzert in Bludenz. Die Täter waren mit Baseballschlägern, Pfeffersprays und Gaspistolen bewaffnet. Nach einigen Attacken nahm die Polizei sie fest und zeigte sie wegen Körperverletzung an. Laut “Kronen Zeitung” (Montagsausgabe) wurde über Gregor S. im Jahr 2005 auch ein Waffenverbot verhängt.

Über “Blood an Honour”

Ein Exkurs: Das Skinhead-Neonazi-Netzwerk “Blood and Honour” wurde in den 80er-Jahren vom Sänger der britischen Nazi-Band Screwdriver, Ian Stuart Donaldson, gegründet. Überall auf der Welt entstanden seither “Blood and Honour”-Divisionen, die wiederum in Sektionen unterteilt sind. In Österreich existiert unter anderem eine Gruppierung in Vorarlberg.

Gleichsam der bewaffnete Arm von “Blood and Honour” war “Combat 18” (18 steht für den ersten bzw. den achten Buchstaben des Alphabets und ist somit ein Code für die Initialen Adolf Hitlers, Anm.). Auf das Konto der Gruppe gingen in Großbritannien mehrere Anschläge. 2003 wurde in Schleswig-Holstein eine Zelle gleichen Namens ausgehoben.

Die Vorarlberger Sektion verfügt schon seit längerem über gute Kontakten ins Ausland. Mehrere Gewalttaten dürften auf das Konto des Netzwerks in Vorarlberg gehen. 2009 gab es eine Massenschlägerei zwischen Mitgliedern des Motorradclubs “Outsider” und Nazi-Skinheads mit einem Toten und mehreren Schwerverletzten. Dreh- und Angelpunkt der Sektion war vor einigen Jahren die rechtsextreme Skinhead-Band Tollschock. Der kürzlich verstorbene Rechtsextremismus-Experte Wolfgang Purtscheller sagte 2007 im APA-Gespräch: “Die Vorarlberger haben konspirativ organisierte Konzerte mit bis zu 1.000 Besuchern auf die Beine gestellt.”

Neonazi-Konzert im März

Die Plattform “Stoppt die Rechten” beobachtete nun eine Neuorganisation der Vorarlberger Szene. Im November sollen Vorarlberger Neonazis an Demonstrationen in Spielfeld beteiligt gewesen sein und dort auch gewalttätige Aktionen gesetzt haben. Im Februar nahmen sie laut “Stoppt die Rechten” an den “Lichter für Österreich”-Kundgebungen von Asylgegnern in Dornbirn teil.

Anfang März gab es in Vorarlberg laut Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) ein Konzert der ungarischen Neonazi-Band “Indulat”. Dieses hätte eigentlich in Thüringen über die Bühne gehen sollen, wurde dort aber angeblich von den Behörden unterbunden. Ungarische “Blood and Honour”-Aktivisten berichteten danach im Web, dass sie auf dem Weg nach Vorarlberg in Braunau am Inn einen Stopp machen, “damit wir das Geburtshaus unseres Führers besuchen” – mit Foto. In Vorarlberg gab es neben einem “Kameradschaftsabend” auch einen “kleinen Schießwettkampf, wo wir mit den österreichischen und Schweizer Kameraden unsere Fähigkeiten gemessen haben”. Ob auch Gregor S. daran teilnahm, ist unbekannt.

Facebook-Profil lässt keinen Zweifel

Dass der 27-Jährige Teil dieser Szene war, ist allerdings evident. Seine Gesinnung ist auch an seinem Facebook-Konto erkennbar. Unter “Freunden” findet man laut “Stoppt die Rechten” fast alle Größen der Vorarlberger Neonazi-Szene. Unter “Gefällt mir” sind unter anderem die Holocaust-Leugner Ursula Haverbeck und Horst Mahler, die mittlerweile unbetreute Facebook-Seite der Neonazi-Plattform “alpen-donau.info”, Teilorganisationen der “Europäischen Aktion” und die “Nationale Front” vermerkt.

Das Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ) warnte unterdessen am Montag erneut vor einem dramatischen Anstieg rechtsextremer Straftaten und forderte einen Aktionsplan: ” Wie viele Tote brauchen wir in Österreich noch, bis endlich ein Nationaler Aktionsplan gegen Rechtsextremismus in die Tat umgesetzt wird?”, fragte Willi Mernyi, Vorsitzender des MKÖ.

Großeinsatz für Kriseninterventionsteam

Für das Kriseninterventionsteam war es in Nenzing der zweitgrößte Einsatz ihrer Geschichte. KIT-Leiter Thomas Stubler spricht im VOL.AT über die Geschehnisse:

Pressekonferenz um 14 Uhr

Die Polizei wird am Montag um 14 Uhr in einer Pressekonferenz Details zum Amoklauf bekanntgeben – VOL.AT berichtet live.

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Drei Tote nach Schiesserei in Nenzing - Alle Infos im Liveticker

Die Presskonferenz ist beendet

Der Täter wohnte zusammen mit seiner Lebensgefährtin und des gemeinsamen Kleinkindes. Das Paar war 3 Jahre zusammen.

Zwischen den zwei Beziehungsstreits am Tatabend lagen cirka 2 Stunden. Es waren aber nur wörtliche Auseinandersetzungen.

Der Täter hatte zwei Magazine Munition verschossen.

Die Tatwaffe wird normalerweise in Serbien verwendet

Laut Auskunft der Lebensgefährtin des Opfers, habe es seit der Geburt ihres gemeinsamen Kindes immer wieder Streitigkeiten gegeben.

Der Täter hat angeblich wahllos um sich geschossen.

Ein Opfer befindet sich noch in kritischem gesundheitlichen Zustand.

Der Täter war im Jahre 2012 angeblich in psychischer Behandlung.

Der Täter beantragte 2015 eine Aufhebung des Waffenverbots. Dieser wurde jedoch nicht bewilligt.

Der Täter war angeblich seit 2013 nicht mehr Teil der rechtsextremen Gruppierung "Blood&Honour".

Die Polizei wird nach der Neonazi-Szene in Österreich gefragt. Die Szene ist laut Polizei gut überwacht und ständig im Visier der Polizei. Die Szene ist in den letzten 2 Jahren mehrmals in Erscheinung getreten.

Der Täter gab laut Polizei seit 2010 keinen Anlass mehr um ihn polizeilich zu überwachen.

Die Journalisten können jetzt Fragen stellen.

Im Haus des Täters konnten mehrere Waffen, Munition und rechtsextreme Schriften sichergestellt werden.

Die Todesopfer wurden ins Innsbruck obduziert. Der Täter war alkoholisiert.

Die Polizei hat schon einige Vernehmungen mit Zeugen durchgeführt. Es wurden ca. 30 Schüsse mit der Waffe abgegeben.

Bei der Tatwaffe handelt es sich um den Nachbau einer Kalaschnikow. Die Waffe ist in Österreich verboten.

Anschließend hat sich der Täter selbst gerichtet

Danach ist er mit einer Waffe zurück ins Festivalgelände gegangen und hat um sich geschossen. Seine Freundin musste die Tat von nächster Nähe ansehen.

Der Täter ist nach dem Beziehungsstreit mit einem Firmenfahrzeug nach Hause gefahren und hat dort eine Waffe geholt. Dann kam er zurück zum Fest und sprach mit seiner Freundin. Es kam erneut zu einem Streit. Dann sind beide zum Fahrzeug gegangen.

Die Ermittler berichten gerade über den Ablauf der Tat

Auslöser für die Tat war laut Polizei ein Beziehungsstreit.

Der Täter gehört der rechtsextremen Szene an. War jedoch auch seit 2010 nicht mehr in Erscheinun getreten. Gegen den Täter bestand seit 2004 ein Waffenverbot

Der Täter war polizeich bekannt und wurde schon 8 Mal rechtskräftig verurteilt. Die letzten 6 Jahre ist er jedoch polizeich nicht mehr aufgefallen.

Durch die Schüsse wurden 12 Personen verletzt

Die Polizei berichtet, dass zwei Personen gleich vor Ort gestorben sind. Eine weitere Person befinet dich noch in kritischem Zustand

In Kürze beginnt die Pressekonferenz der Polizei

Thomas Stubler, Koordinator des KIT Vorarlberg, im VOL.AT-Gespräch über den Einsatz nach dem Amoklauf im Nenzing:





Für Opfer und Angehörige von Opfern des Amklaufs in Nenzing bietet das IfS Vorarlberg eine Anlaufstelle unter der Telefonnummer 051-755-560

Die Polizei wird zu den Details des Amoklaufs in Nenzing am Montag um 14 Uhr eine Pressekonferenz abhalten. VOL.AT berichtet live aus Bregenz.

Selbst die BBC berichtet über die Nachricht vom Amoklauf in Nenzing:



Beim Täter handelt es sich laut aktuellen Informationen um Gregor S., ein 27-jähriger Walgauer, der in der Vergangenheit mit Verbindungen zur rechtsextremen Szene in Vorarlberg aufgefallen ist.

Meldestelle für Betroffene und eventuelle Angehörige ebenso wie zweckdienliche Hinweise unter: Landeskriminalamt Vorarlberg, Tel. +43 (0) 59 133 80 3333

Laut VOL.AT vorliegenden Informationen handelt es sich bei der Tatwaffe um ein russisches Sturmgewehr der Marke Kalaschnikow.

LR Johannes Rauch: „Betroffenheit und Anteilnahme für die Angehörigen der Opfer“

„Der Amoklauf heute Nacht in Nenzing überschattet den heutigen Tag auf tragische Art und Weise. Betroffen müssen wir das schreckliche Ereignis zur Kenntnis nehmen, unser Mitgefühl gilt den Angehörigen der Opfer. Den Verletzten und Schwerverletzten wünschen wir eine hoffentlich rasche Genesung“.

Das berichtet die internationale Presse vom Amoklauf in Nenzing: Pressespiegel




Die Spurensicherung ist noch im Gange:




LH Markus Wallner zum Amoklauf in Nenzing:




Die Einvernahmen sämtlicher Zeugen sowie die Spurensicherung und Auswertungen am Tatort werden noch den ganzen Sonnag andauern. Details dazu werden am Montag bei einem Pressegespräch um 14:00 Uhr in Bregenz präsentiert. VOL.AT wird live berichten.

Weitere Betroffene sowie Zeugen des Amoklaufs mit zweckdienlichen Hinweisen werden gebeten sich beim Landeskriminalamt zu melden.
Die Hintergründe für die Tat sowie der exakte Tathergang werden derzeit noch ermittelt.

Dabei wurden mindestens 11 Personen, im Alter zwischen 25 und 53 Jahren, verletzt, davon mehrere Personen schwer, eine Person schwebt noch in Lebensgefahr, zwei konnten das Krankenhaus bereits verlassen.

Nach neuesten Informationen der Polizei wurden zwei Konzertbesucher, Männer im Alter von 48 und 33 Jahren aus der Region stammend, tödlich verletzt.

Der Täter feuerte 30 bis 40 Schüsse ab, was auf eine automatische Waffe, wie etwa ein Sturmgewehr oder eine Maschinenpistole schließen lässt. Nähere Informationen zur Tatwaffe gibt es derzeit noch nicht.

Bundespräsidentschaftskandidat Alexander van der Bellen bat nach seiner Stimmabgabe am Sonntag Vormittag in Wien um einen Moment des Gedenkens für die Opfer des Amoklaufs in Nenzing.




Nenzinger Bürgermeister Kasseroler im Interview:



Über den Zustand der Verletzten hatten die Polizei noch keinen Überblick. "Die Schwere der Verletzungen ist sehr unterschiedlich"

"Es sind wohl 30 bis 40 Schüsse gefallen, aber genau weiß ich das nicht", meint Kasseroler.

Die Schüsse auf dem Konzertgelände sind nach Informationen von Bürgermeister Florian Kasseroler aus dem Hinterhalt gefallen. "Die Menschen sind in Panik in den Wald geflohen"

Die Polizei wird nach der Schiesserei in Nenzing in der Nacht auf Sonntag mit drei Toten keine Pressekonferenz abhalten.

Interview mit einer Betroffenen:



Amoklauf in Nenzing – Was wir bisher wissen

Die Opfer – Zwei Männer im Alter von 48 und 33 Jahren, beide Einheimische aus der Region fanden den Tod. Elf Personen zwischen 25 und 53 Jahren wurden durch Streif-, Steck- und Durchschüsse verletzt, eine Person schwebte am Sonntagabend noch in Lebensgefahr, zwei konnten das Krankenhaus bereits wieder verlassen.

Der Täter – Beim Täter handelt es sich um den 27-jährigen Gregor S. aus der Region. Dafür fehlt allerdings noch eine Bestätigung seitens der ermittelnden Behörden. Gregor S. soll der rechten Szene angehört und bereits 2005 mit einer Gruppe Skinheads ein Konzert der antifaschistischen Gruppierung “Antifa” angegriffen haben. Er erschoss sich nach seinem Amoklauf am Sonntag in Nenzing nahe des Festivalparkplatz selbst.

Das Motiv – Ein Beziehungsstreit war der Auslöser für den Amoklauf. Gregor S. geriet gegen 3 Uhr morgens mit seiner Freundin in einen heftigen Streit, woraufhin er die Tatwaffe aus seinem Wagen holte und anschließend das Feuer eröffnete.

Die Waffe – Bei der Tatwaffe handelt es sich um ein Kalaschnikow-Sturmgewehr. Auch das ist von der Polizei noch nicht bestätigt, die Ermittler sprechen bisher nur von einer Langwaffe. Die Waffe hatte Gregor S. im Kofferraum seines Autos. Er soll 30 bis 40 Schüsse abgegeben haben, auch diese Angabe ist allerdings noch ungesichert.

Der Tatort – Der Motorradclub “The Lords” veranstaltete in der Nacht von Samstag auf Sonntag am Festivalgelände in Nenzing unmittelbar südlich der A14 sein jährliches Fest. Die Tat selbst ereignete sich im Ausschank- und Budenbereich, wo der Täter wahllos in die Menge schoss. Sich selbst tötet der junge Mann nach seiner Tat etwas abseits westlich der Festivalparkplätze. Die in Panik geratenen Besucher flüchteten in die umliegenden Wälder, über die Autobahn oder die Bahngeleise.

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