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Suche nach prähistorischen Almen

Montafon, Schweiz - Auf Spurensuche im Silvrettagebiet ist derzeit ein Archäologenteam der Universität Zürich, das von Tiroler Forschern verstärkt wird.

Das besondere Augenmerk der Sondierungen in bis zu 2.600 Metern Höhe gilt Hinweisen auf die frühe menschliche Nutzung des Hochgebirges im österreichisch-schweizerischen Grenzraum. Und die Forscher meldeten auch bereits Erfolge.

Schon in den ersten Tagen konnte ein Dutzend Fundstellen ausgemacht und dokumentiert werden, die sicher oder sehr wahrscheinlich prähistorisch sind. Leiter der zweiwöchigen Sondierungen ist Thomas Reitmaier, Dozent für Ur- und Frühgeschichte der Universität Zürich. „Die hochalpine Region zwischen dem Schweizer Unterengadin, dem Tiroler Paznaun und Vorarlberger Montafon ist archäologisch weitestgehend unerforscht. Wir versuchen jetzt nachzuweisen, was schon lange vermutet wird, nämlich dass die Pässe und Hochtäler seit prähistorischer Zeit intensiv begangen werden. Sie waren Almflächen und außerdem wichtige Teilstücke einer transalpinen Verbindung vom Etschtal ins Rheintal“, erklärte er der APA.

Die Spuren, die bisher im Gebiet der Bieler Höhe und im Jamtal gefunden wurden, reichen laut Reitmaier bis ins 4. Jahrtausend v. Chr. zurück. Zahlreiche „Almwüstungen“ – also verlassene, aus Stein gefügte Unterstände von Hirten – wurden dokumentiert, weiters kamen tief im Boden eingebettete Brandschichten zu Tage. Aus den Hochmooren entnahm man Pollenprofile, die über die Vegetation und das Klima früherer Epochen Aufschluss geben sollen. „Einige der Almwüstungen dürften in prähistorische Zeit zurückreichen. Für einen dieser Plätze nahe der Bieler Höhe können wir das schon nachweisen. Dort haben wir in der Feuerstelle ein steinzeitliches Feuerstein-Bruchstück gefunden. Für die übrigen Fundstätten müssen erst noch naturwissenschaftliche Analysen gemacht werden“, sagte Reitmaier.

Ein weiterer aufschlussreicher Fund wurde auf Tiroler Gebiet in der Nähe der Jamtalhütte oberhalb von Galtür gemacht. Dort stießen die Archäologen auf eine dicke Brandschicht, die auf Brandrodung in frühgeschichtlicher Zeit hindeutet. Damals lag die Baumgrenze gut 300 Meter höher als heute. Auch hier werden genauere Laboruntersuchungen folgen, von ihrer Lage schätzt Reitmaier das Alter der Brandschicht aber schon jetzt auf mindestens 4.000 Jahre. Das würde gut zum bisherigen Wissen der Forscher über den Beginn bzw. die Intensivierung der Almwirtschaft im alpinen Raum passen, dem ja spätestens seit dem Ötzi-Fund das verstärkte Interesse der Urgeschichtler gilt.

Apropos Ötzi: Ein Hoffnungsgebiet der Archäologen sind auch die Gletscher. Hier wird erwartet, dass durch das derzeitige starke Abschmelzen noch mancher interessante Fund ans Licht kommt. Aus diesem Grund will man auch im jetzt nicht mehr ganz so „ewigen“ Eis Begehungen machen. Große Hoffnungen setzt man hier aber vor allem auf die Alpinisten, die in diesen Regionen unterwegs sind und die Reitmaier einmal mehr dazu aufrief, alle Zufallsfunde – auch unscheinbar wirkende – zu melden.

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