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Studiengebühren, Berufschancen, Ländle-Uni? Das sagen Vorarlberger Studenten!

Wir haben Vorarlberger Studenten zu wichtigen Themen befragt.
Wir haben Vorarlberger Studenten zu wichtigen Themen befragt. ©APA
Wenn jetzt im Oktober wieder das neue Uni-Jahr beginnt, werden auch viele Vorarlberger Studenten zurück in ihre Uni-Städte gehen. Wir haben mit ihnen über Studiengebühren, eine Ländle-Uni und Berufschancen gesprochen!
Privat-Uni-Ableger im Ländle

Bald werden wieder viele Vorarlberger Studenten zurück nach Wien, Innsbruck, etc. pilgern und ein neues Uni-Semester bestreiten. Derzeit gibt es laut einer Erhebung der Statistik Austria (2015/16) rund 381.079 Studierende in Österreich – 288.761 davon aus dem Inland. Aus dem Ländle kommen dabei 8.172 (ca. 2,9 Prozent der inländischen Studierenden).

 

Laut der Statistik Austria (2013/14) haben nur 9,9 Prozent der Vorarlberger Bevölkerung im Alter von 25 bis 64 Jahren einen Universitäts- oder Fachhochschulabschluss. Der Durchschnittswert in Österreich liegt bei 13,1 Prozent. Spitzenreiter ist hierbei Wein mit 21,5 Prozent. Vorarlberg liegt damit auf dem vorletzten Platz. Gründe könnten die fehlende Universität im Land, und vor allem der Aspekt, dass die Lehre in Vorarlberg ein sehr guter und attraktiver Ausbildungsweg – im Vergleich zu anderen Bundesländern – ist, sein.

Am liebsten in Innsbruck

Der liebste Studienort der Vorarlberger ist das nahegelegene Innsbruck (3.200 Studenten), gefolgt von Wien (2.500 Studenten). Rund jeder zehnte Vorarlberger Student studiert an der heimischen FH.

Für Österreicher und EWR-Bürger, die innerhalb der Mindeststudienzeit (plus zwei Toleranzsemester) liegen, gibt es zurzeit keine Studiengebühren an den Universitäten. Momentan ist lediglich ein ÖH-Beitrag pro Semester – ca. 20 Euro – zu bezahlen. Fachhochschulen können, müssen aber keine Studiengebühren (max. 363,63 Euro pro Semester) einheben. Die meisten der Fachhochschulen machen zurzeit von dieser Möglichkeit gebrauch, nur eine handvoll der Fachhochschulen – unter anderem die FH Vorarlberg – verzichten darauf.

Doch was denken Vorarlberger Studenten über Studiengebühren, Berufschancen in der Heimat und eine mögliche Ländle-Uni? Wir haben einige Studenten um ihre Meinung gebeten und folgende Fragen gestellt:

  • Studiengebühren – bist du dafür oder dagegen?
  • Möchtest du nach dem Studium wieder zurück ins Ländle?
  • Findest du es gibt in deiner Branche gute berufliche Chancen in Vorarlberg?
  • Braucht Vorarlberg eine Uni?
  • Arbeitest du in irgendeiner Form neben dem Studium oder im Sommer?

Isabella – 21 Jahre, Dornbirn, Internationales BWL in Wien (WU)

“Ja, ich bin für Studiengebühren. Obwohl hierbei die Höhe der Studiengebühren auch eine Rolle spielt. Wenn es Studiengebühren geben sollte, muss auch die Möglichkeit da sein, dass man in die jeweiligen Vorlesungen und Übungen rein kommt und nicht erst ein Semester warten muss, weil es zu wenige Plätze gibt. Ich möchte nach dem Studium wieder zurück nach Vorarlberg, da meine Familie hier ist. Zwar könnte ich mir vorstellen, vielleicht für ein paar Jahre woanders zu arbeiten und leben, aber nicht auf Dauer. Die Chancen für mich in Vorarlberg stehen glaub ich, sehr gut. Aber da es sehr viele Wirtschaftsstudenten gibt, ist es wahrscheinlich von Vorteil sich zu spezialisieren und einen Master zu machen. Nein, ich glaube nicht das es hier eine eigene Uni braucht – die FH reicht aus, da die Unis in Innsbruck oder München gut zu erreichen sind. Weiters denke ich, dass es für junge Menschen vorteilhaft ist, Vorarlberg für eine kurze Zeit zu verlassen und einmal etwas anderes zu sehen. Neben dem Studium arbeite ich nicht, in den Sommerferien jedoch schon. Da man als Student lange Ferien hat, kann man diese nutzen um praktische Erfahrungen zu sammeln.”

Wolfgang – 25 Jahre, Langenegg, Software und Information Engineering in Wien (TU)

“Ich bin für Studiengebühren. Ich denken, wir haben in Österreich schon sehr gute Universitäten, allerdings könnte das Studienangebot so wie die angebotenen Kurse mit Studiengebühren sicher noch aufgewertet werden. Ob ich nach dem Studium wieder nach Vorarlberg zurückkehre, weiß ich noch nicht. Ich weiß noch nicht einmal wann ich mein Studium abschließen werde. Man weiß nie was die Zukunft bringt! Bezüglich der Berufschancen gibt es in meiner Branche in Vorarlberg noch genügend offene Stellen. Ich hab schon vor dem Studium als Software Entwickler gearbeitet und habe dort gesehen, dass dieser Beruf sehr gefragt ist. Ich denke, dass Vorarlberg mit der FH gut bedient ist, sie hat ja einen guten Ruf. Eine FH ist für die größe Vorarlbergs volkommen ausreichend. Ja ich arbeite neben dem Studium selbstständig als Software Entwickler.”

Bild: privat
Bild: privat ©Bild: privat

Laura – 21 Jahre, Dornbirn, Wirtschaftswissenschaften in Innsbruck

“Nein, ich bin gegen Studiengebühren, denn Bildung sollte für jeden leistbar sein. Auch möchte ich nach meinem Studium auf jedenfall wieder zurück nach Vorarlberg. Vielleicht nicht direkt danach aber früher oder später sicher wieder, denn daheim ist es immer noch am schönsten mit Freunden und Familie. In Vorarlberg sehe ich gute berufliche Chancen für mich, denn Firmen gibt es ja genug hier. Eine eigene Uni braucht es meiner Meinung nach nicht, denn es gibt ja schon das Angebot der FH, für alle die das nicht wollen, gibt es Unis im Umkreis. Ja, ich arbeite in den Sommerferien (Praktikum) – ich nütze diese Möglichkeit um Praxiserfahrungen zu sammeln und um etwas Geld zu verdienen.”

Nadine – 20 Jahre, Alberschwende, Gesundheits- und Krankenpflege in Wien (FH)

“Studiengebühren haben Vor- und Nachteile. Zum einen könnten durch Studiengebühren sehr gefragte Studien, wie beispielsweise Humanmedizin, mehr Plätze schaffen. Zum anderen wird vielen Jugendlichen dadurch die Möglichkeit zum Studieren genommen, da die finanziellen Mittel oft fehlen. Nach dem Studium möchte ich auf jeden Fall wieder zurück nach Vorarlberg. Klar ist es schön in einer Großstadt zu leben, vor allem, wenn man so jung ist. Jedoch kehrt man gerne nach Abschluss des Studiums wieder in den Ort zurück, in dem man aufgewachsen ist, wo man sich auskennt und wo die Familie einen umgibt. Meine beruflichen Chancen sehe ich in Vorarlberg als sehr gut – denn als Krankenschwester wird man überall gebraucht. Ich denke Vorarlberg braucht eine Uni. Denn momentan wird einigen Vorarlbergern die Möglichkeit zum Studieren genommen, da sie sich keine weitere Wohnung in einem anderen Bundesland leisten können. Zudem kenne ich persönlich einige die nicht von der Heimat wegziehen wollen und sich dadurch gegen ein Studium entscheiden. Eine Uni im Ländle sollte meiner Meinung nach die gefragtesten Studienrichtungen anbieten. Ja ich arbeite neben dem Studium, denn in meinem Bachelorstudium ist ein acht- bis neunwöchiges Praktikum jedes Semester, Teil der Ausbildung.”

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Bild: privat ©Bild: privat

Felix – 20 Jahre, Nenzing, Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in Wien

“Ich bin prinzipiell gegen Studiengebühren, denn auch ohne Gebühren ist ein Studium für die Eltern ein finanzieller Aufwand. Ich glaube dadurch würden viele Jugendliche eine Türe geschlossen werden, sollten die Eltern nicht über die finanziellen Mitteln verfügen. Ganz unmöglich wie etwa in Großbritannien (11.000 Euro Studiengebühren) würde es aber ja nicht sein. Ein Studium bzw. die Bildungs- und Zukunftschancen sollten nicht von den finanziellen Mitteln der Eltern abhängig sein. Andernfalls hörte ich schon von Modellen, bei dem der Staat die Gebühren vorstreckt und der Student, nach Abschluss des Studiums bzw. mit einem gefestigten Einkommen die Gebühren nach und nach zurückzahlt – an sich eine faire Sache. Meine Rückkehr nach Vorarlberg wird sich erst mit Ende des Studiums entscheiden. Abhängig davon ob und vor allem welche Berufsmöglichkeiten und Chancen sich öffnen – Wien ist schon sehr reizvoll. In Vorarlberg sehe ich hier klar weniger Angebote. Berufschancen ergeben sich in meinem Studium vor allem durch die Absolvierung von Praktika und durch eine gewisse Anpassungsfähigkeit. Ob man so, eine Fixanstellung in Vorarlberg bekommt, weiß ich nicht. Ich denke Vorarlberg ist mit der FH sehr gut besetzt und bietet einige sehr zukunftsorientierte Studienrichtungen an. Viele Jugendliche verspüren glaube ich einen positiven, vermutlich jugendlichen “Zwang” das Ländle zu verlassen und ein neues Kapitel in einer größeren Stadt wie Innsbruck oder Wien zu starten. Auf dem Weg zur Selbstständigkeit / Unabhängigkeit ist Studieren in einer großen Stadt sicher von Vorteil. Ja ich arbeite – diesen Herbst mache ich ein Praktikum und ein Studentenjob wird auch noch dazukommen. Im Sommer arbeitete ich noch acht Wochen als Ferialkraft.”

Lucia – 23 Jahre, Wolfurt, Management Master (WU) + Transkulturelle Kommunikation

“Ich bin gegen Studiengebühren – ich finde jeder sollte die Möglichkeit haben eine Ausbildung zu bekommen. Ohne die Unterstützung der Eltern ist es jetzt schon schwierig ein Studium zu absolvieren, da doch einige sonstige Kosten (ÖH Beitrag, Bücher, Bahnkarte, Wohnung, Lebensmittel, etc.) dazukommen. Ich bin sehr froh, dass in Österreich keine Studiengebühren anfallen und finde das auch besser als in Amerika zum Beispiel. Bereits einen Kredit aufnehmen zu müssen um studieren zu können ist meiner Meinung nach unwirtschaftlich, denn die Studierenden müssen danach quasi nur arbeiten, um den Kredit zurückzahlen zu können. Nach dem Studium möchte ich nicht sofort wieder zurück, aber generell ja! Ich möchte noch während meines Masterstudiums einige Erfahrungen sammeln und falls es mir dann noch gefällt werde ich auch noch in Wien bleiben oder nochmals ins Ausland arbeiten gehen. Aber danach habe ich schon vor wieder nach Vorarlberg zurückzukehren. Ich bin auch der Meinung, dass die beruflichen Chancen gut in Vorarlberg sind. Ich habe schon mehrere Praktika bei Meusburger, Haberkorn und Alpla absolviert und habe bisher nur gute Erfahrungen gemacht. Im Vergleich zu anderen Bundesländer haben wir sehr viele Chancen, ob im BWL Bereich oder im Tourismusbereich (Bereiche die mich persönlich betreffen). Natürlich gibt es eine Menge BWL Studenten, sodass es einen größeren Wettbewerbskampf gibt, aber schlussendlich glaub ich, dass es doch noch genügend Möglichkeiten für BWL Studenten im Ländle gibt. Ich denke nicht, dass wir eine Uni hier brauchen. Für mich persönlich wäre es egal gewesen, da ich so oder so vorhatte von daheim wegzugehen um zu Studieren. Aber falls wir eine hätten, dann im wirtschaftlichen Bereich, da wir ja einige große Firmen haben. Ja, ich arbeite neben dem Studium bei staff for companies (Servicebereich) und mache zudem jeden Sommer ein Praktikum in Vorarlberg.”

Julius – 21 Jahre, Schwarzach, BWL in Wien (WU)

“Ich bin für Studiengebühren. Damit sind höhere finanzielle Ressourcen vorhanden, die zum Beispiel für neue Hörsäle und mehr Lehrpersonal verwendet werden könnten. Nach meinem Abschluss möchte ich vorerst nicht nach Vorarlberg heimkehren. Sofern ich einen attraktiven Arbeitsplatz an meinem Studienort finde, könnte ich es mir sehr gut vorstellen, für mehrere Jahre dort zu bleiben – irgendwann aber komme ich bestimmt nach Vorarlberg zurück. Die Berufschancen hier im Ländle stehen sehr gut. Aufgrund unserer international handelnden Unternehmen und auch unserer KMU rechne ich für mich sehr gute Chancen aus, später einmal eine Stelle zu finden. Ich könnte mir in Vorarlberg eine Universität mit vielen verschiedenen Ausrichtungen sehr gut vorstellen, jedoch würde ich diese nicht in Anspruch nehmen, ich wollte erst einmal raus aus Vorarlberg. Ja, ich mache jeden Sommer einen Ferialjob und arbeite auch geringfügig neben dem Studium.”

Bild: privat
Bild: privat ©Bild: privat

Felix – 21 Jahre, Dornbirn, Humanmedizin in Innsbruck

“Ich bin für Studiengebühren, da ich denke wenn man 500 Euro / Semester dafür zahlen müsste, eine andere Motivation hinter vielen Studenten wäre. Zusätzlich würde ich jedoch einen großen Teil dieser Einnahmen wiederum für Stipendien für Leute, die sich von Haus aus das Studium nicht leisten könnten, einsetzen. Je nachdem wie es sich mit den Gehältern in Vorarlberg im Verhältnis zur Schweiz verhält, wäre ich grundsätzlich nicht abgeneigt wieder nach Vorarlberg zurückzukehren. Wenn man jedoch in der Schweiz (momentan das ca. 2,5-fache) mehr verdient wäre ich auch bereit in die Schweiz zu gehen. Für Ärzte stehen die Berufschancen momentan überall recht gut aufgrund des vorherrschenden Ärztemangels. Dass Vorarlberg eine eigene Uni braucht, denke ich nicht. Für unser kleines Bundesland ist die Fachhochschule in Dornbirn ausreichend. Dies begründet sich durch die gute Erreichbarkeit diverser guter Universitäten (Ibk, Zürich, München). Vorarlberg hat nicht das nötige Know-How bzw. die Erfahrung und die nötigen monetären Mittel, um alleine eine international konkurrenzfähige Uni auf die Beine zu stellen und meines Erachtens fehlt auch der Bedarf dafür. Ich arbeite nicht während des Semester und auch in den Ferien nicht. Jedoch mache ich im Rahmen des Studiums unentgeltliche Pflegepraktika und Famulaturen.”

Selina – 21 Jahre, Hard, Kunstgeschichte + Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in Wien

“Eigentlich bin ich gegen eine Studiengebühr, da es so jedem ermöglicht wird zu studieren. Manchmal rechtfertigt sich jedoch eine kleine Gebühr, da gewisse Dinge bereitgestellt werden, oder es eine private Uni ist, die eben auch gewisse Leistungen beinhaltet. In ferner Zukunft möchte ich wieder zurück nach Vorarlberg. Zuerst möchte ich jedoch noch ein paar Berufserfahrungen woanders sammeln, um mich dann entsprechend für einen Beruf in Vorarlberg zu qualifizieren. Um Kinder groß zu ziehen und ein Familienleben zu führen ist es hier jedoch perfekt, daher möchte ich schon irgendwann zurück. Für mich gibt es in Vorarlberg leider keine guten Berufsaussichten. Es gibt nicht so viele Kulturinstitutionen und die entsprechenden Stellen sind auch knapp. Dass man hier eine Uni braucht, glaube ich nicht, da Innsbruck nicht zu weit weg ist und daher auch für alle die nicht von zu Hause weg wollen, sehr gut erreichbar ist. Es würde sich hier auch nicht rentieren, da viele Maturanten trotzdem auch gerne einmal wegziehen wollen. Ich arbeite neben dem Studium bei einer Vermitttlungsfirma die Kellner für Veranstaltungen bereitstellt. Im Sommer habe ich bisher jedes Jahr, seit ich fünfzehn bin, gearbeitet. Ein Praktikum in meinem Bereich habe ich bisher aber leider noch nicht ergattern können, das wäre aber mein Ziel für nächstes Jahr.”

Bild: privat
Bild: privat ©Bild: privat

Cem – 21 Jahre, Schwarzach, Jus + Wirtschaftsrecht (WU) in Wien

“Ich bin strikt gegen Studiengebühren, denn Bildung sollte kostenlos und für alle zugänglich sein. Wenn es eines Tages möglich ist, dann kehre ich sehr gerne wieder nach Vorarlberg zurück. Aber dazu müssen die Rahmenbedingungen für Job, Familie, etc. passend sein. Juristen werden überall gebraucht, jedoch ist es schwierig in Vorarlberg Karriere zu machen. Dass Vorarlberg eine eigene Uni braucht finde ich nicht, denn es ist einfach zu klein. Die Unis in der Nähe wie Innsbruck, St. Gallen, Vaduz sind alle gut und schnell erreichbar. Ich arbeite im Sommer um mir die Zeit während des Studiums so angenehm wie möglich zu machen. Praktika sind für den späteren Berufseinstieg enorm wichtig.”

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