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Strunz, Schumfl und Bisnacht*

Den Lustenauern liegt der Dialekt am Herzen

Geht der Lustenauer Dialekt verloren?

Lustenau. Wie man im Bürgerforum lesen konnte, sorgen sich viele Lustenauer um ihren Dialekt. Man befürchtet, dass in wenigen Jahren vielleicht niemand mehr das Lustenauerische richtig sprechen kann und viele nicht mehr fähig sein werden, die Mundart zu lesen. Dass der Dialekt immer mehr verwässert und verändert wird, ist ein Problem, das nicht nur Lustenau betrifft. Diese Entwicklung ist überall spürbar und das ist ganz bestimmt nichts Neues. Die Sprache verändert sich, sie ist etwas Lebendiges. Ein treffendes Zitat sagt: “Man kann den Dialekt nicht pflegen. Gepflegt wird ein kranker Patient und der Dialekt ist nicht krank, er verändert sich nur!”

Der Dialekt verändert sich auch mit den Lebensumständen
Viele alte Wörter gehen schon deshalb verloren, weil sie Gegenstände bezeichnen, die heute nicht mehr in Verwendung sind. Woher sollte heutzutage ein Kind oder ein Jugendlicher wissen, was “a Kätzi” (große Schöpfkelle, die früher am Kohlenherd hing), “a Schaffrauoti” (Tellerbord an der Wand) oder “a Botschampar” (Nachttopf) ist? Wenn es sich nicht gerade um ein Lustenauer Kind handelt, dass sich brennend für den Dialekt interessiert und das Glück hat, Eltern oder Großeltern zu haben, die noch viele alte Ausdrücke kennen, wird es sich schwer tun, diese Wörter zuzuordnen.

“I han all scho rouoti Hôôr gha”
Diese Wörter sind es aber nicht unbedingt, die an dem Verlust der Mundart “Schuld” sind. Vielmehr sind es viele “kleine Wörter”, die den Sprachlaut hörbar und für viele, die am Dialekt hängen, schmerzlich verändern. So hört man immer mehr das Wort “war”, anstelle vom ursprünglichen “gsin”, was jeden Satz in ein “Bödeledeutsch” verwandelt. Auch verwenden fast alle im Gespräch anstelle von “all” das Wort “immer”. So heißt es dann: “I han immr scho rouoti Hôôr gha”, anstatt: “I han all scho rouoti Hôôr gha!” Anstelle des Wortes “gad” hört man immer mehr das deutsche Wort “nur”. Das liegt wohl auch daran, dass außerhalb von Lustenau einem die Leute oft nicht verstehen, wenn man z. B. sagt: “As ischt gad am Samsta off!” (Es ist nur am Samstag geöffnet!)
Schüler, Studenten und außerhalb des Ortsgebiets Arbeitende verteidigen die Verdeutschung ihres Dialekts oft mit dem Argument, dass sie sonst nicht verstanden werden. Und für viele ist es scheinbar schwer, wieder in die Mundart zurückzufinden, wenn sie sich einmal eine andere Sprache angewöhnt haben.

Lichtblicke
Wenn auch nicht mehr alle urigen Dialekt sprechen, so kennt man allein vom Klang immer noch die Lustenauer aus vielen anderen heraus. Und für alle, denen der Dialekt besonders am Herzen liegt, gibt es verschiedene Möglichkeiten, sich weiterhin daran zu erfreuen. So kann man bei den Konzerten der Lustenauer Chöre, wie z. B. der Trachtengruppe, des GV Eintracht oder des GV Konkordia immer wieder Lieder in der Lustenauer Mundart hören. Auch “Mundartbarden” wie Wolfgang Verocai bringen Dialektlieder unters Volk. Die Theatergruppe “d’ Luschnouar Bühne” hat in den 28 Jahren ihres Bestehens bereits 16 Stücke in Lustenauer Mundart aufgeführt, die beim Publikum mit großer Begeisterung aufgenommen wurden. Überhaupt interessieren sich die Lustenauer für alles, was in ihrem originellen Dialekt geboten wird, ganz besonders. Auch Lesungen, Buchvorstellungen u. s. w. sind immer gut besucht. Und zu guter Letzt sind einige Bücher und CDs mit Lustenauer Mundart auf dem Markt.

* Strunz, Schumfl und Bisnacht (Blumenstrauß, Schaufel und Nachmittag)
Drei besonders Lustenau-spezifische Wörter! Werden sie außerorts ausgesprochen, rufen sie bei den Zuhörern immer ein Schmunzeln hervor. Genauso wie auch “dar Zinschta” (Dienstag), “d’ Mex” (die Metzgerei) “’s Knün” (das Knie) oder “a Muns” (eine Maus). Wer seinen Dialekt liebt, sollte gerade diese Wörter möglichst oft mit Stolz und Selbstbewusstsein benützen!

Umfrage:
1. Was liegt Ihnen am Lustenauer Dialekt?
2. Kann man es verhindern, dass der Dialekt verloren geht?

Sieglinde Fitz-Grabher, Mundartautorin
1. Am Dialekt liegt mir sehr viel – es sind meine Wurzeln und ich habe den Dialekt schon als Kind zu schätzen gelernt und als etwas sehr Wertvolles von meinem Vater übernommen.
2. Leider ist diese Entwicklung nicht aufzuhalten! Wir können es nicht verhindern, dass sich die Sprache weiterentwickelt. Sie hat sich immer schon verändert. Früher verwendete man auch andere Wörter als heute.

Helga Schwärzler, Atuorin
1. Es liegt mir viel am Dialekt, wobei ich manchmal merke, dass auch ich Wörter verwende, die nicht lustenauerisch sind.
2. Dass der Dialekt verwässert wird, kann man nicht verhindern. Wenn ich an meine Enkelkinder denke, ist es ein Kampf gegen Windmühlen! Die Lustenauer, die den Dialekt noch beherrschen, sollten es nicht einschleifen lassen!

Otto Hofer, Mundarterzähler
1. Für mich ist der Dialekt die Sprache, in der ich mich am besten ausdrücken kann. In ganz Vorarlberg, der benachbarten Schweiz und in Süddeutschland versteht man mich!
2. Das kann man nicht verhindern. Früher arbeitete die ganze Familie zuhause auf dem Bauernhof und an einer Stickmaschine. Es gab keine Pendler. Heute besuchen die Kinder auswärtige Schulen und viele arbeiten außerorts und glauben, man verstehe sie nicht, wenn sie im Dialekt reden.

Eva Huber, Volksschullehrerin
1. Mir liegt eigentlich ziemlich viel am Dialekt, weil er einzigartig ist und seit ich von Lustenau weggezogen bin, hab ich die Befürchtung, dass er mir verloren geht.
2. Ich habe mir schon überlegt, mit meinen Schülern ein Mundartprojekt durchzuführen, um bei den Kindern das Interesse am Dialekt zu fördern.

Jakob Wirnsperger, Gymnasiast
1. Ich würde es schade finden, wenn der Dialekt aussterben würde! Ich stelle mich beim Reden immer auf mein Gegenüber ein. Mit meiner Mama rede ich lustenauerisch, mit dem Papa eher bludenzerisch. Der Lustenauer Dialekt liegt mir aber besser.
2. Ich glaube, man könnte es schon verhindern, dass der Dialekt verloren geht, indem man z. B. in der Schule Wörter oder Redewendungen durchnehmen und den Dialekt üben würde.

Im Dialekt sind folgende Bücher und Tonträger erhältlich:

Walter Baur
Lustenauer Wörterbuch (3.400 Wörter, 112 Seiten)
(Eine Sammlung von Sprüchen und Redewendungen ist in Arbeit)

Sieglinde Fitz-Grabher
“Ondrom Bôm” (Mundartgedichte) Buch mit CD
(Im Buchhandel)

Hannes Grabher
Gedichtsammlung
(Buchhandlung Bücherwurm)

Otto Hofer
Alle Mundartgedichte in einem Band (handgebunden)
CDs von Lifeauftritten
Lustenauer Wörterbuch, handgebunden, ca. 11.000 Wörter, 278 Seiten (auf Bestellung)
(Erhältlich bei Otto Hofer)

Veronika Hofer
“Sommr, du lieba”, Liederbuch mit CD
(Buchhandlung Bücherwurm)

Erich Hollenstein
“Wer sengt mit üs” (Liederbuch)
“Mr sengind noch a klei” (Liederbuch)
(Im Buchhandel)

Herbert Riedmann
“Luschnouarisch”
“Zigünardütsch”
“Nömma Luschnou”
(Im Buchhandel und beim Seniorentreff Gärtnerstraße)

Wolfgang Verocai
“50 plus”
” ‚s Läobo ischt ko Schoggi”
“Lieder und Geschichten aus dem Lustenauer Lamm”
“D’ Schmugglar”
“Winächta wi frühor”
(www.verocai.at)

Hier einige Kostproben:

Sieglinde Fitz-Grabher

D’ Muottrsprôôch

Was d’ Muottrsprôôch uom seyt und git
i jedom Wort, zu jedr Zit,
das kam-ma nid armeässo.
Ma dar drom üsri Muottrsprôôch,
und sey ma wit und sey ma nôôch
im Läobo nio vrgeässo.

Si heät im Reda wie im Gsang
an ganz an auogno, warmo Klang
und muoss arhalto bliibo.
Drom, dass is nix vrlouoro gôht,
ou Züüg, wou nömma alls vrstôht,
mächt ich no neodrschriibo.
A Pfiffus flügt ir Hoschtat duss,
wänn uonna spiennt, heät ar an Schuss,
und a Sauochtäscho gellat.
A Göüzo ischt a heos Huus,
a Mexargang ischt ommosus,
und üs heat ma noch g’kellat.

Meor hônd Guggomora noch kännt,
siend jedom Greotli nôôchigrännt,
hônd Ludi gha bim Schitta.
Und heät as gär a Güsi gha,
dänn hôm-mr gflouozat – mänga Maa
dänkt noch a deini Zitta.

Di Wörtr git as neona meo,
si kônd kuom Mänscho meo in Seo,
hüt tuond d’ Lüt andrscht reda.
Di alto Sprüch, wou meor noch gha,
si huomoland mi hüt noch aa,
as fröüt mi noch a jeda.


Hannes Grabher

Die Muttersprache wieder erlernt

Vo Schôôfs im Grendl sey dar Klin
acht volli Jôhr bin Jegar gsin;
sey abr schließli widr kau
und hey dänn eländ wichti tau.
Hey Blauo gmachat übr a Wocho
und mit am jedo “Hochdeutsch” gsprocho.

“Wer putzt die Stiefl?” hey ar gseyt,
druuf säg dar Grouoß: “All däor, wou s’ treyt!”

Und ouomôl an am Sommrtag,
dô stand ar duss am Schwärtlihag.
A Houo lâuon gad vôr-om dra,
dô fôôch ar widr houochdütsch a:
“Sag, Bruderherz, potz Saprament,
wie heißt denn hier dies Instrument?”
Stand uf-o Spitz mit ganzom Gwicht,
druuf hou as om do Halm i ‚s Gsicht.
“Ouch”, hey ar gseyt, “du huoro Houo,
a heäscht mr du i d’ Schnauoro ghouo!”


Anne Hämmerle

Ir Fasnat

Ir Fasnat setzt ma Larva uuf,
dô tuot ma, was uom fröüt,
as gôht jô nimand nammas a
und – was dar andr seyt.
Ma stellt das wôhr Gsicht nid zur Schou,
deis muoss ma sus ‚s ganz Jôhr.
Jetz lôt ma si a kleili gau,
ma will ga greotla gau.
Ma fuchtlat, lärmat,
rännt und schwitzt
und heät ‚s halt einfach frey.
Und ob dr ‚s gloubind odr nö,
ma treyt drnôôch
viil lichtr widr ‚s Gsicht.


Otto Hofer

Pompolusisch

Schützli klengt dar kluppi Glônggar,
ar glônggat glongni, glutti Töuo.
Dar Guggar gieggat gad bim Gugga,
d’ Sonno schint drzuo scho schöüo.

Hondrt heyoni Hänna huoschtand
hiendr Hioslo Hännohuus,
gruusi gröuoni Gwäggi gwaaggand,
glüggland d’ Giggosguttr uus.

Langi Latta, laui Löular,
“Dripsdrüll drüll do Drüllar douora!”
Gsottni Südra sott ma seoba,
d’ Oma muoss do-n-Ouohrli ouohra.

Am Hang hang houoch a glatta Gettar,
“Gieb do Gauoslogart, du Lalli!
Los, gang langi, lauodi Guggo,
wäsch di Wösch am Bronno walli!”

Zmôl kann kuonna kau ga gäggo.
“Tuor di Töuor zuo, Sauochar, nassa!”
Nün Siecho siecht ma achascheesa
und sibo subr Sönggl jassa.

Wänn d’ Moscht witt, muoscht Moscht omma ha,
honka heät Hans walli wello –
i gloub, di Sätz, dio könnt ma glatt
für “pompolusisch” achistello!

 

Veronika Hofer

Deäwa schöuo ischt üsri Sprôôch

Kittora, pfutzga, gudora,
mängga, hära, schnudora.

Ommaknouozga, usalappa,
achasanggola, nôôchitappa.

Braschla, gutzla, pflättora,
füorbo, flomma, schlättora.

Schesa, düdora, usijutza,
hüsla, sudla, ommatutza.

Köchla, brôto, schnüttorla,
pappilimuosa, pflüttorla.

Deäwa schöuo ischt üsri Sprôch
dô vrränkscht dr d’ Zongo nôôch.


Herbert Riedmann

Wou heäscht do Hond?

Dô bien i ufo -n- Abrichtblatz
an-am Sonntamôrgo kau
und siech uon, wou sus all träiniert,
dachmôl gad ommastau.

Gröuon im Gsicht und übrnächti
Stôht ar uf-om Blatz
Und schiilat all do Hönda nôôch,
as wi a-n alti Katz.

Und wi-in frôg: “Wou heäscht do Hond?
Wiso biescht hüt nid dra?” –
Dô seyt ar mit vrsoffnr Stemm:
“An ‚Hond’, deis han i geschtrt gha!”


Helga Schwärzler

Dohuom

Dohuom biescht,
wou ma ‚s Gräs wachsö höuort
und nid gleich
d’ Säogos holat.

Dohuom biescht
wou dini Büorzlböm
d’ Wuorzla hônd.


Wolfgang Verocai

Cool (Auszug aus dem Lied aus der CD “50 plus”)

As ischt nix me wi as gsin ischt,
as ischt füorchti, wänn d’s entdeckscht,
scho mit Vierzga stôhscht drneäbot
weil d’ di nöü Sprôôch nömma checkscht!
Statt röschto seyt ma chillen
und vrlüro ischt a Flop,
schalt om, deis huoßt jetz zäppen
und ko Luscht ha ischt null Bock!

Alls ischt cool, alls ischt geil,
alls ischt mega, alls ischt steil,
jeda dönnert, zappt und chillt und jeda checkt.
Alls ischt cool, alls ischt geil,
alls ischt mega, alls ischt steil,
jô, di Jongo hônd a nöüi Sprôôch entdeckt.

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