AA

Stromunfall Hohenems: So schwierig war der Einsatz vor Ort für die Helfer

©Polizei
Hohenems - Der schwere Stromunfall am Emser Bahnhof löste teils hitzige Diskussionen darüber aus, wie der Einsatz der Rettungskräfte abgelaufen ist. Warum konnten die Einsatzkräfte nach ihrem Eintreffen dem 22-Jährigen nicht gleich helfen? Diese Frage beschäftigte viele. Im VOL.AT-Interview erklärt Robert Franz, Kommandant der Feuerwehr Hohenems, warum Einsätze dieser Art besonders schwierig sind.

Auch wenn der Kommandant Verständnis für die Reaktion des Freundes des Verunglückten (22) zeigt, sieht er dessen Handlungsweise kritisch. “Ich verstehe, dass der junge Mann sofort auf den Waggon gestiegen ist und helfen wollte. Ich hoffe nur, dass ihm auch bewusst wird, in welche Gefahr er sich dadurch begeben hat und wie viel Glück er hatte”, gibt Franz zu bedenken. Es liege natürlich in der Natur des Menschen, dass man helfen will. Für die Einsatzkräfte ist es deshalb auch umso schwieriger in solchen Situationen Ruhe zu bewahren.

Unsichtbare Gefahren immer besonders heikel

Gerade bei Stromunfällen oder beim Austreten von Umweltgiften, die keine sichtbare Gefahr darstellen, falle dies oft besonders schwer. Dennoch müssen die Einsatzkräfte zuerst die eigene Sicherheit gewährleisten, bevor sie aktiv helfen können. Dies stellt – wie im aktuellen Fall – nicht nur für die Verunglückten, sondern auch für die Einsatzkräfte eine besondere Belastung dar. In solchen Situationen werden wenige Minuten für alle Beteiligten zu einer gefühlten Ewigkeit.

Zuerst die “Eigensicherung”

“Wir müssen hier aber einfach zuerst auf die Eigensicherung achten, denn ansonsten haben wir am Ende nicht nur einen Verletzten zu bergen, sondern unter Umständen Tote oder Verletzte unter den Einsatzkräften”, sagt Feuerwehr-Kommandant Robert Franz.

Einsatzprotokoll zeigt wie rasch reagiert wurde

Wenn man den Ablauf des Einsatzes aufarbeitet, zeigt sich, wie schnell die Einsatzkräfte reagiert haben. Gegen 5 Uhr wurde die Feuerwehrleute aus Hohenems mittels Piepser alarmiert. Bereits vier Minuten danach trafen die ersten Einsatzkräfte am Bahnhof ein. Nur wenige Minuten später waren auch die Spezialisten der ÖBB-Feuerwehr aus Wolfurt, sowie der Notarzt und  die Polizei am Einsatzort.

Reststrom löste Lichtblitz aus

Durch die ÖBB wurde sofort der Strom in der Oberleitung abgestellt. Dennoch musste, bevor die Einsatzkräfte dem Verunglückten zur Hilfe kommen konnten, noch die Oberleitung geerdet werden. Wie wichtig dies ist, zeigte sich als die sogenannten Erdungsstangen durch die Spezialisten der ÖBB angebracht wurden. Als die Erdungsstangen befestigt waren, löste der in den Boden abgeleitete Reststrom einen Lichtblitz aus. Erst danach konnten die Einsatzkräfte mit der Bergung des Verunglückten und seines Freundes beginnen.

80 Prozent der Haut verbrannt

Über den Gesundheitszustand des 22-Jährigen gibt es keine neuen Informationen. Er hat sehr schwere Verletzungen davongetragen, 80 Prozent seiner Körperoberfläche wurden verbrannt. 

Richtiges Verhalten im Notfall

Gerade im Unglücksfall ist es für Beteiligte schwierig Ruhe zu bewahren. Dies ist aber umso wichtiger, da unbedachte oder überstürzte Handlungen nicht nur den oder die Verunglückten, sondern auch den Helfer gefährden können.

* Notruf absetzen (Tel 144 oder 122)
* Einsatzsstelle absichern
* Augenzeugen und Passanten ansprechen und  einbinden
* Erste Hilfe leisten wenn ohne Eigengefährdung möglich

“Ich hörte einen lauten Knall”
home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Vorarlberg
  • Stromunfall Hohenems: So schwierig war der Einsatz vor Ort für die Helfer
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen