Streiks in Italien bei Alitalia und bei Monte Paschi

Mehr als 170 Flüge fallen aus
Mehr als 170 Flüge fallen aus ©APA/AFP
Italien ist heute, Freitag, mit Streiks konfrontiert. Der Flugverkehr ist von einem 24-stündigen Arbeitsausstand betroffen. Gestreikt wird gegen eine Kündigungswelle beim Personal der krisengeschüttelten Alitalia, die am 15. Oktober von der Nachfolgegesellschaft ITA übernommen wird, allerdings mit stark reduzierter Belegschaft. Gestreikt wird auch bei der Krisenbank Monte dei Paschi di Siena (MPS).

Die Gewerkschaften fordern mit dem Arbeitsausstand eine Reorganisation im Flughafensystem und Maßnahmen zur Unterstützung des Sektors, der von der Pandemie schwer belastet worden ist. Die Fluglinie Alitalia streicht wegen des Streiks am Freitag mehr als 170 inneritalienische und internationale Flüge.

Circa 500 Alitalia-Bedienstete blockierten aus Protest die Autobahn-Zufahrt zum Flughafen Rom Fiumicino. "Wir sind alle Alitalia-Mitarbeiter", lautete der Slogan. Der Protest sorgte für erhebliche Verkehrsprobleme. Viele Autofahrer, die den Flughafen erreichten wollten, mussten zu Fuß zum Terminal gehen.

Die Gewerkschaften haben zum Streik aufgerufen, um für die Beschäftigten nach dem Aus von Alitalia bessere Bedingungen unter ITA auszuhandeln. Von den insgesamt mehr als 10.000 Mitarbeitern der seit Jahren auf staatliche Hilfen angewiesenen Alitalia-Fluglinie sollen zunächst nur 2.800 übernommen werden. Verhandlungen von ITA mit den Arbeitnehmervertretern waren diese Woche einmal mehr geplatzt - ein zentraler Punkt des Streits ist die Frage um einen Tarifvertrag.

Auch die Mitarbeiter der vor dem Verkauf an UniCredit stehenden toskanischen Bank Monte dei Paschi di Siena legen am Freitag die Arbeit nieder. Sie kritisieren, dass sie bisher von den Verhandlungen um die Zukunft des Geldhauses ausgeschlossen worden seien. Im Zuge einer Übernahme von MPS durch die Bank-Austria-Mutter UniCredit könnten tausende Jobs wegfallen.

"Die MPS-Mitarbeiter haben das Recht, transparent zu erfahren, was ihre berufliche Zukunft sein wird", hieß es in einem Schreiben der Gewerkschaften. Sie riefen zu "Respekt für die Würde der Arbeitnehmer und die Geschichte der Bank" auf.

Die Bank-Austria-Mutter will sich mehr Zeit nehmen, um die finanzielle Lage der Bank unter die Lupe zu nehmen, berichteten italienische Medien. Die Anfang August von der UniCredit begonnene Due-Diligence-Prüfung bei MPS wurde verlängert. Im Zuge der möglichen Übernahme könnte die UniCredit 1.250 der insgesamt 1.400 Filialen des toskanischen Geldhauses erhalten.

Ende Juli hatte UniCredit-Konzernchef Andrea Orcel berichtet, exklusive Gespräche mit der italienischen Regierung wegen einer Übernahme von "ausgewählten Teilen" der staatseigenen Krisenbank Monte dei Paschi zu führen. Es gebe noch keine Einigung, welche Teile dies sein könnten, erklärte Orcel. Die italienische Regierung musste Monte Paschi 2017 mit mehr als fünf Milliarden Euro unter die Arme greifen und ist mit 64 Prozent beteiligt. Bis spätestens Mitte 2022 soll der Staat die Anteile verringern.

(APA)

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