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Strawinsky-Groteske im Schauspielhaus Salzburg

Igor Strawinskys "Geschichte vom Soldaten" wird im Schauspielhaus Salzburg als eine Geschichte ohne Soldaten dargestellt. Die Premiere am Montag bot  pantomimisch überwiegend dichte 80 Minuten mit guter Live-Musik. 

“Die Geschichte vom Soldaten” von Igor Strawinsky nach einem Text von Charles Ramuz das stand auf allen Ankündigungen des Salzburger Schauspielhauses, aber die Premiere fand ohne die Geschichte vom Soldaten statt. Zwar präsentierten die Salzburg Solisten Strawinskys Musik live auf der Bühne, daneben aber zeigten Regisseur Arturas Valudskis und vier Schauspieler eine clowneske Pantomime und ein wortloses Körperspiel randvoll mit Skurrilitäten in schwarz/weiß.

Mit dem Soldaten, der vom Teufel überlistet sein Lebensglück verspielt, dabei zwar reich und berühmt wird, aber Heimat, Familie und Liebe verliert und am Ende seelisch mehr tot als lebendig auf der Strecke bleibt, ist es also nichts geworden. Stattdessen hat sich das Schauspielhausteam um Arturas Valudskis auf ein ganz neues, eigenes Stück eingelassen. Da gibt es den schüchternen Geigenspieler, der keinen Ton spielt, und seine beflissene Geliebte.

Und den pedantischen Bürokraten, der mit der herrisch-geilen Patrona im Dauer-Clinch liegt. Dazwischen wird abgestempelt, gesoffen, geflirtet und geheiratet. Im Gleichschritt zu Strawinsky werden Rituale erfüllt, Gefängnisse aufgebrochen und Rollen getauscht – da darf dann frei gegrübelt werden über eine Geschichte, die nicht erzählt wird.

Ohne Worte, dafür mit beeindruckendem Körpereinsatz roboten sich die vier Akteure durch eine Art Fließband-Dadaismus und schaffen mit endlosen, mechanischen Wiederholungen einzelner Sequenzen einige atmosphärisch wirklich starke Szenen. Witzig und kraftvoll, wie sich die simplen Alltags-Miniaturen aufschaukeln zu beklemmender Dichte, in der das Fehlen eines linearen Handlungsfadens vorerst gar nicht auffällt.

Vorerst, denn nach und nach schleichen sich Wiederholungen der Wiederholungen ein, und die namenlose Pantomime beginnt merkbar an Tempo zu verlieren. Christoph Kail und Daniela Enzi sei Dank, rettete sich das Schauspielhaus dann doch mit (Unter)Haltung über die Distanz. Die Salzburg Solisten sorgten für den Live-Strawinsky, und zwar mit lockerem Schwung und technischer Präzision.

Zwar ließen sich ein paar Kratzer, Kiekser und rhythmische Ungenauigkeiten bei den Bläsern nicht vermeiden, aber in der trockenen und super-transparenten Akustik des Schauspiel-Raumes waren diese Kleinigkeiten auch gnadenlos deutlich vernehmbar. Peter Wesenauer dirigierte in guten Tempi und sorgte für reibungslose Koordination mit den Schauspielern.

Alles in allem bot das Schauspielhaus ein eigenständiges, gut umgesetztes Theater-Experiment mit guten Musikern, Schauspielern, Regisseuren und Ausstattern, die sich mit einer etwas klareren dramaturgischen Linie und einer konkreteren Geschichte noch leichter getan hätten, ihren Erfolg einzufahren. Vielleicht hätte das auch zu einem passenderen Titel verholfen.

 

APA/Christoph Lindenbauer

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