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Strategie lässt sich nicht auf Irak übertragen

Ein Sieg in Irak wird für die USA nach Meinung von Experten sehr viel schwieriger zu erringen sein als in Afghanistan.

Zwar lassen sich aus dem militärischen Erfolg gegen das Taliban-Regime durchaus Lehren ziehen – aber auf einen Krieg gegen den irakischen Machthaber Saddam Hussein sind sie nur teilweise übertragbar.

In Afghanistan hatten die USA mit einer neuen Militärstrategie Erfolg: Die gezielten Luftangriffe wurden mit dem Einsatz von Spezialeinheiten am Boden kombiniert, die mit der örtlichen Opposition zusammenarbeiteten. Gekrönt wurde das Ganze von der schnellen Informationsweitergabe, auch wenn diese nach Meinung von Kritikern noch verbesserungswürdig ist: Beobachtungen von Agenten im Land und die von den Aufklärungsflugzeugen gemachten Aufnahmen wurden an die Kommandozentralen außerhalb Afghanistans übermittelt. Die wiederum gaben die Befehle für ganz gezielte Angriffe auf Ziele in Afghanistan.

Auf diese Weise gelang es, die Taliban innerhalb weniger Wochen zu vertreiben. Das Extremistennetzwerk El Kaida aber ist bis heute nicht vollständig zerschlagen. Daran zeigen sich nach Ansicht von Experten die Grenzen der Zusammenarbeit mit örtlichen Truppen, die nur schwer zu kontrollieren sind. Der pensionierte US-General Wesley Clark verweist in einem Beitrag für eine US-Zeitung auf „die Schwierigkeiten, vom Krieg zum Frieden überzugehen“ und die Gefahr, die darin liegt, sich zu sehr auf Verbündete vor Ort zu verlassen.

„Der Umgang mit solchen Hilfsarmeen ist schwierig“, sagt auch der US-Militärexperte Michael Donovan. Obwohl sich die Nordallianz in Afghanistan als sehr nützlicher Verbündeter erwiesen habe, verfolge sie doch eigene politische Ziele. Möglicherweise habe sie bei der Eroberung von Kandahar den Führer der Taliban, Mullah Omar, entwischen lassen – und bei der Belagerung der Bergfestung Tora Bora vielleicht auch El-Kaida-Chef Osama bin Laden. Nicht auszuschließen sei, dass untereinander verfeindete Gruppen der Nordallianz den US-Truppen manchmal bewusst falsche Informationen über feindliche Ziele gaben, vermutet Donovan.

Auch aus anderen Gründen warnt Donovan davor, sich im Falle eines Irak-Kriegs zu sehr auf die irakische Opposition, vor allem Kurden, zu stützen: Sie seien für einen modernen Krieg schlichtweg nicht gerüstet, zumal gegen die irakische Armee, die sehr viel schlagkräftiger sei als die Taliban-Miliz. Afghanistan sei eben ein Sonderfall gewesen, meint ein US-Offizier: Das Volk habe unter einer Terrorherrschaft gelitten, die Opposition sei entschlossen und die Gegenwehr der Taliban nur dürftig gewesen. Aber gegen eine moderne Armee würden Spezialeinheiten allein nicht ausreichen.

„Das afghanische Modell wird im Irak nicht funktionieren“, meint auch Verteidigungs-Experte Michael Hanlon vom Brookings Institut. Es bestehe die Gefahr massiver Verluste in der irakischen Zivilbevölkerung, wenn Bomben auf militärische Ziele abgeworfen würden – denn die lägen in den Städten. Das Pentagon müsse im Irak deshalb sehr viel mehr Bodentruppen einsetzen als in Afghanistan, wo zur Zeit 7.000 Soldaten stationiert sind. Vorgesehen sei die Entsendung von 150.000 bis 250.000 GIs, sagt Donovan.

Die während des Afghanistankriegs zu einer neuen Bedeutung aufgestiegenen Spezialeinheiten könnten in Irak trotzdem eine Rolle spielen – jenseits der Frontlinie. „Eine Möglichkeit, die irakische Führung zu isolieren, wäre, ihre eigene Armee gegen sie zu wenden. Dafür können die Spezialeinheiten sehr nützlich sein“, glaubt Michael Vickers vom Zentrum für strategische Analysen, früher selbst Offizier bei einer Sondereinheit. Außerdem müssten die irakischen Scud-Raketen aufgespürt und entschärft werden, damit sie nicht auf Israel oder auf US-Truppen abgefeuert werden können. Weitere Missionen für die Spezialtruppen könnte die Suche nach Produktionsstätten für Massenvernichtungswaffen oder die Jagd nach Mitgliedern der irakischen Führung sein.

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