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Steuerabsetzbarkeit hob Spendenfreude

Schwarzach – Finanzkrise und Jobangst auf der einen, seit Mitte 2009 erstmals steuerliche Absetzbarkeit auf der anderen Seite. Das Umfeld für die an sich sprichwörtliche Spendenfreudigkeit der Österreicher war zuletzt von eher widersprüchlichen Faktoren geprägt.

Dementsprechend unterschiedlichfällt auch eine (vorläufige) Bilanz jener Hilfsorganisationen aus, für die überhaupt steuerbegünstigt gespendet werden kann. Gelder für Umwelt- und Tierschutzorganisationen sind in Österreich ja nach wie vor nicht steuerschmälernd anrechenbar.

„Die neu eingeführte Absetzbarkeit hat gewiss dazu beigetragen, dass das Aufkommen an Spenden und Partnerbeiträgen 2009 die 3,087 Mill. Euro von 2008 um etwas über 3 Prozent übertreffen wird. Ein weiterer Grund war sicher, dass wir gezielt für konkrete Projekte oder Zielländer wie Ecuador, Äthiopien oder Mosambik zum Spenden aufriefen, und auch wenn Katastrophen wie das Erdbeben in Italien sozusagen vor der Haustüre passieren, sind die Vorarlberger rasch und spürbar hilfsbereit.“ So bilanzierte die Öffentlichkeitschefin der Caritas Vorarlberg, Petra Dickinger, auf unsere Anfrage die buchhalterisch noch nicht restlos erfasste Spendenentwicklung 2009. Das kleine Plus ist mehr als willkommen, zumal 2009 auch die SOS-Beratungsstellen der Caritas deutlich mehr Zulauf als in den Jahren davor verzeichneten, immer öfter auch durch Personen der so genannten „Mittelschicht“.

Von einem auch nur bescheidenen Spendenplus nur träumen kann Karin Stöckler, die Obfrau des Zivilinvalidenverbandes in Vorarlberg. „Wir leben im Prinzip von einer großen Haussammlung im August. Unterm Strich werden wir 2009 wohl kaum viel mehr als 55.000 Euro zusammenbringen, das wären 20 Prozent weniger als im Jahr davor“, rechnete die selbst im Rollstuhl sitzende Stöckler vor. Aus besagtem Mini-Budget gilt es nicht nur die Hilfsmittelzentrale zu bedienen, aus der man Scooters, Carellos und andere Mobilitätshilfen verleiht, auch zwei Behindertenarbeitsplätze und der Büroaufwand sind damit zu bestreiten. „Wir werden uns bei Neuanschaffungen halt noch mehr nach der Decke strecken und es bei Jahresausflug und Weihnachtsfeier noch billiger geben“, so Stöckler.

Mit rund 500.000 Euro Spendeneinnahmen, ca. 2 Prozent mehr als 2008, rechnet Dr. Heinz-Werner Blum, Geschäftsführer der Lebenshilfe Vorarlberg. Dass dieser kleine Zuwachs überhaupt realisiert werden konnte, führt Blum außer auf die Spendenabsetzbarkeit – für 2009 wurden um 10 Prozent mehr Spendenbestätigungen angefordert als für 2008 – auch auf engagierte Ehrenamtliche zurück, die sich in fast allen Dörfern in den Dienst der guten Sache stellen. „Und auch wir machen Projekte zunehmend konkreter, wie z. B. ,Wohlfühlen macht stark’, und möchten 2010 zudem den Bezug zwischen Spende und Erlebnis besser erlebbar machen“, verwies Blum u. a. auf die „Stundenläufe“.

„Noch fehlen uns auf 2008 fast 3500 Euro, doch wird erst nach der letzten Einbuchung abgerechnet. Die im Ländle 2008 eingenommenen Spenden von 1,4 Mill. Euro wollen wir auch heuer schaffen“, gab sich Vorarlbergs Rotkreuz-Direktor Roland Gozzi noch nicht geschlagen. Mit diesen Spendengeldern kann seine Organisation ca. 15 Prozent der für Transporte, Notarzteinsätze, Geräte, Ausbildung/Schulung und Fuhrpark anfallenden Kosten bedecken, die im Jahr bei 10 Mill. Euro liegen. „Die steuerliche Absetzbarkeit hat vor allem die Firmenspenden begünstigt, für Private stellt der Steuerbonus ohnedies kein Hauptmotiv zum Spenden dar“, weiß Gozzi, der dank besagter Spendenbilanz und interner Sparmaßnahmen auch 2009 ausgeglichen bilanzieren wird können.

Spenden-Facts

Das Spendenvolumen 2009 dürfte in Österreich insgesamt 350 Mill. Euro betragen. Die Österreicher spenden wohltätigen Organisationen pro Kopf und Jahr im Schnitt 44 Euro, die Deutschen 64, die Schweizer 71 Euro. Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind beachtlich. Während ein Vorarlberger dem Roten Kreuz als Jahresspende im Schnitt 30 Euro überweist, sind es beim Steirer über 50 Euro.

 

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