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Startschuss für Infineons Milliardeninvestition in Villach

Infineon-Werk in Villach wird ausgebaut
Infineon-Werk in Villach wird ausgebaut ©APA (Archiv/Eggenberger)
In Villach ist am Samstagnachmittag der Spatenstich für die Erweiterung des Technologiekonzerns Infineon erfolgt. In den kommenden Jahren werden 1,6 Mrd. Euro investiert, bis zum Jahr 2021 sollen insgesamt rund 750 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen. Es handelt sich dabei um das größte private Investitionsprojekt, das es in den letzten Jahrzehnten in Österreich gegeben hat.

Herzstück der Erweiterung wird die Errichtung einer voll automatisierten Chipfabrik für die Fertigung von Leistungshalbleitern auf 300-Millimeter-Dünnwafern, allein hier sollen 400 hoch qualifizierte Arbeitsplätze entstehen. Weiters wird am Gelände ein neuer Gebäudekomplex für Forschung und Entwicklung errichtet.

Begründet wird die Investition am Standort Villach mit der “rasant steigenden Nachfrage”, die durch internationale Trends wie Klimawandel oder Digitalisierung gegeben sei. Die Leistungshalbleiter kommen etwa bei Elektrofahrzeugen, bei vernetzten, batteriebetriebenen Geräten, Rechenzentren oder bei der Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen zum Einsatz. Leistungshalbleiter sind Energiesparchips, die möglichst effizient den Stromfluss in verschiedenen Anwendungen steuern.

Beim Spatenstich anwesend waren auch EU-Kommissarin Mariya Gabriel, Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), die Minister Margarete Schramböck (ÖVP) und Norbert Hofer (FPÖ) sowie Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ). Wohin die Reise von Infineon gehen soll, wurde gleich zu Beginn der Veranstaltung klar: Gabriel, Kurz und Infineon-Vorstandsvorsitzender Reinhard Ploss fuhren in einem Audi Elaine vor, einem elektrisch angetriebenen, voll automatisierten SUV-Coupe, der bei diesem Anlass erstmals außerhalb des VW-Konzerns präsentiert wurde.

“Der Bereich Forschung und Entwicklung ist ein geopolitisch strategischer Faktor geworden, die Kraft, die das 21. Jahrhundert prägt. Oder anders gesagt: Wer Technologie entwickeln und produzieren kann, der bestimmt mit – wer das nicht macht, der wird bestimmt”, sagte Sabine Herlitschka, die Vorstandsvorsitzende von Infineon Technologies Austria, gleich zu Beginn der Veranstaltung.

EU-Kommissarin Gabriel betonte, das Investment sei vor allem ein Zeichen der guten Voraussetzungen, die Österreich für die Wirtschaft biete. Mikroelektronik sei ein “Schlüssel für die digitale Zukunft”: “Europas globale Wettbewerbsfähigkeit wird mit diesem Investment gestärkt.” Bundeskanzler Kurz verwies vor allem auf die Arbeitsplätze, die durch die Investition geschaffen würden. Mit der Investition könne sich Österreich im globalen Wettbewerb um die zentralen Schlüsselkompetenzen positionieren.

“Für uns ist es wichtig, dass wir verstehen, dass Technik unser Leben besser machen kann”, sagte Infineon-Vorstandsvorsitzender Ploss. Künstliche Intelligenz dürfe man nicht als Bedrohung sehen: “Wenn wir für unsere Kinder ein lebenswertes Leben ermöglichen wollen, dann müssen wir mit unseren Ressourcen anders umgehen.” Für den Standort Villach habe man sich entschieden, weil hier ein Team “mit einer unbändigen Energie, Hürden überwinden zu wollen, arbeitet. Menschen, die etwas bewegen wollen”.

Wirtschaftsministerin Schramböck verwies auf die Folgewirkungen, die die Investition haben werde – angefangen bei den Bauunternehmen bis hin zu Start-ups. “Vor Digitalisierung darf man keine Angst haben, wie man auch vor der Dampfmaschine keine Angst haben musste”, sagte Verkehrsminister Hofer – durch die neuen Technologien würden auch neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Und Landeshauptmann Kaiser betonte, die Investition stärke Europa und besonders den Süden Österreichs, Kärnten bekommen damit einen “Turbo Boost” – mit dem Spatenstich beginne ein neues Kapitel der Kärntner Geschichte.

Für Lacher sorgte schließlich eine Überraschung bei dem eigentlichen Spatenstich: Denn die Ehrengäste wurden dabei von dem mit einer Schaufel ausgestatteten Roboter “Panda” unterstützt, der Tätigkeiten imitiert und sie dadurch erlernt.

Nach dem Spatenstich ist der Baubeginn für die erste Jahreshälfte 2019 geplant, Anfang 2021 soll die Fertigung starten. Nach Angaben des Konzerns liegt das geschätzte zusätzliche Umsatzpotenzial durch die neue Fabrik bei etwa 1,8 Mrd. Euro pro Jahr. Die Fläche der neuen Chipfabrik beträgt etwa 60.000 Quadratmeter, mit der Investition werden das neue Gebäude, Produktionsanlagen und Reinraumtechnik finanziert. Auch ein Parkhaus wird gebaut, das 900 Stellplätze bieten wird.

Infineon hat weltweit etwa 37.500 Beschäftigte. Das Unternehmen erzielte im Geschäftsjahr 2017 (Ende September) einen Umsatz von rund 7,1 Mrd. Euro.

(APA)

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