Starke Frauen. Starke Geschichten.

Gemeinsam auf Spurensuche: Schon immer gab es in Vorarlberg Frauen, die mutig voranschritten und in ihrem Gebiet echte Pionierinnen waren und auch immer noch sind. Gemeinsam mit dem Frauenmuseum Hittisau haben wir uns auf historische Spurensuche begeben und zahlreiche „starke Frauen“ gefunden. Acht davon stellen wir Ihnen nun gerne vor.

Adelheid Gnaiger (1916–1991)

Die erste Architektin Vorarlbergs. Nach dem Studium in ­Rekordzeit galt Adelheid Gnaiger mit ihren 21 Jahren als jüngste Absolventin im damalig „reinen Männerberuf“. 1949 legte sie die Ziviltechniker:innenprüfung ab und gründete ihr eigenes Architekturbüro. Mit viel Mut und Selbstbewusstsein eroberte Adelheid Gnaiger einen neuen Bereich für sich, dem bis heute viele weitere Frauen folgen sollten.  

Elisabeth Gehrer (*1942)

„Sparsamkeit gepaart mit weiblicher Durchsetzungskraft“, so lautete Elisabeth Gehrers Motto in ihrer Zeit als Ministerin. Als junge Frau engagierte sie sich in der katholischen Frauenbewegung, 1980 wurde sie Stadträtin in Bregenz und ab 1990 war sie Landtagsabgeordnete. Als erste Frau wurde sie Mitglied der Vorarlberger Landesregierung – 72 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts in Österreich. Als Bundesministerin prägte sie 1995 und 2007 die Museumspolitik und das Bildungs- und Universitätswesen maßgeblich. 

Therese Zauser (1905–1942)

Ihre Lebensgeschichte trägt abenteuerliche Züge. Die Tochter einer Beamtenfamilie aus Feldkirch verließ bereits mit 15 Jahren ihren Heimatort und kam für einige Jahre in der Schweiz bei einer Pflegefamilie unter. Als junge Erwachsene ließ sie sich zur Tänzerin ausbilden und trat wie ihr Bruder als Artistin auf. Schon früh zog es sie ins Ausland: Als erfolgreiche Varieté-Tänzerin hatte sie zahlreiche ­Engagements im Nahen Osten sowie in Nord- und Westafrika. Sie wurde ein ­Starlet in Nordafrika, zu Hause aber ­wurde sie von den Nationalsozialisten verfolgt. 1941 geriet Therese Zauser in die Fänge der Nazis. Wenige Monate nach ihrer Verhaftung wurde sie im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück ermordet. 

Agathe Fessler (1870–1941)

Sie gilt als Begründerin der modernen Sozialarbeit in Vorarlberg. Die Tochter eines Kiesgrubenbesitzers gründete aus eigenen Ersparnissen 1905 ein Mädchenheim für unversorgte Dienstmädchen oder wohnungslose „Fabrikmädchen“ in Bregenz, das sie 1912 an die Stadt verkaufte. Mit dem Erlös investierte sie in ein größeres Haus, das „Marienheim“. Ein Jahr später gründete sie das Brockenhaus. Nach Ende des Ersten Weltkrieges, in dem sie als Rot-Kreuz-Helferin diente, pendelte Agathe Fessler zehn Jahre lang zwischen Vorarlberg und den USA. Vergeblich versuchte sie, neue soziale Projekte in Bregenz zu starten, scheiterte an Behörden und Intrigen. 1929 ­entschloss sie sich zur Auswanderung nach Brasilien.

Susi Weigel (1914–1990)

Von Proßnitz/Mähren führte sie ihr Weg über Wien nach Bludenz. Illustratorin, Werbegrafikerin und Trickfilmzeichnerin Susi Weigel war eine ungemein produktive Künstlerin, die das visuelle Gedächtnis von drei Generationen entscheidend geprägt hat. Weltbekannt sind die von ihr illustrierten Kinderbücher wie etwa „Das kleine Ich bin Ich“ oder „Die Omama im Apfelbaum“. Zum Mensch Susi Weigel ist dagegen nur wenig bekannt. Vor allem in Vorarlberg, wo sie die letzten 38 Jahre ihres Lebens verbracht hat. Ein Schicksal, das sie mit vielen künstlerisch tätigen Frauen ihrer Generation teilt – weshalb ihr das Frauenmuseum Hittisau im Jahr 2010 auch eine eigene Ausstellung gewidmet hat.

Elisabeth Stöckler (*1963)

Ein Frauenmuseum? Und noch dazu in einer ländlichen Region? Diese Idee hatte die Gründerin des ersten Frauenmuseums Österreichs, des Frauenmuseums Hittisau. Elisabeth Stöckler studierte Geschichte sowie Kunstgeschichte, ließ sich zur Museumskuratorin ausbilden und arbeitete in Museumsbetrieben in Linz und Innsbruck. 2000 kehrte sie nach Vorarlberg zurück und konzipierte ein außergewöhnliches Museum. Von Anfang an wurde es getragen von Frauen aus der Region, die mit persönlichem Einsatz das Haus zum Leben erwecken. Bis 2009 arbeitete Elisabeth Stöckler als Direktorin im Frauenmuseum, dann wechselte sie nach Liechtenstein, wo sie bis heute die Kulturstiftung Liechtenstein leitet.

Anna Franz (*1953)

Schon ihre Mutter war politisch aktiv. Für Anna Franz war politische Teilhabe daher eine Selbstverständlichkeit. Sie gründete ein Eltern-Kind-Zentrum in Bezau, bevor sie 1990 als einzige Frau in die Gemeindevertretung Bezaus gewählt wurde. 1998 wurde sie schließlich die erste Bürgermeisterin Vorarlbergs. „Ich war immer dahinter, dass Frauen in die ­Politik gehen“, so Anna Franz. Die ausgebildete Lehrerin blieb auch als Nationalratsabgeordnete ihrer Heimatgemeinde treu, wo sie sich bis 2013 als Vizebürgermeisterin engagierte. Seither ist sie in mehreren Vereinen ehrenamtlich tätig. 

Anna Mayr (1922–1966)

Die diplomierte Krankenschwester arbeitete während des Zweiten Weltkriegs im Lazarettdienst, später als Fürsorgeschwester in Hard. Sie war Mitglied des Frauenreferates des Österreichischen Gewerkschaftsbundes der Landesexekutive Vorarlberg. 1959 – knapp 40 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts in Österreich – wurde ­Anna Mayr gemeinsam mit Elfriede Blaickner als erste Frau in den Vorarlberger Landtag gewählt. Diesem gehörte sie bis zu ihrem Tod an. Ihre ­Tätigkeitsfelder: der Fürsorge- und Sanitätsausschuss sowie das Landesfrauenkomitee der SPÖ. 

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