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Stahlpreis: Ruhe vor dem Sturm?

Bregenz - Tausend Euro pro Tonne. Diese „Preis-Schmerzgrenze“ haben nun zum ersten Mal auch verschiedene Qualitäten von Stabstahl bzw. Stahlträgern erreicht, nachdem bisher diese Schallmauer nur von verzinkten Blechen oder legierten Qualitätsstählen durchbrochen worden war.

Aber: Seit drei, vier Wochen herrscht verdächtige Ruhe an der Stahlpreisfront, es „warten alle gespannt, wer letztlich den längeren Atem haben wird“.

Das bestätigt auf unsere Anfrage der Marketingchef der EHG – Stahlzentrum West, Gerhard Monz. Längeren Atem möchten sowohl die Stahlproduzenten beweisen, bei denen zuletzt eben aufgrund der galoppierenden Preise messbar weniger Orders eingegangen sind, als auch deren Kunden, die jetzt vielfach ohnedies Werksferien machen und auf Abkühlung der seit Jahresbeginn extrem überhitzten Stahlpreise hoffen. Wie Monz darlegte, betrug der Preisaufschlag bei Stahlblechen 30 bis 40, bei Stabstahlträgern bis zu 50, bei höher legierten Qualitätsstählen ebenfalls 40 bis 50 Prozent. Vor allem für Kunden im Objektgeschäft, so der Experte, sei „heute unmöglich seriös zu kalkulieren, wie teuer z. B. eine im Spätherbst zu errichtende Halle zu Buche schlagen könnte“. Weil sich momentan alles in nie da gewesenem Tempo verändere, laute die wichtigste Strategie, „auf neue Situationen blitzartig zu reagieren und möglichst richtig zu reagieren“ (Monz). Auch die EHG selbst befleißigt sich als Händler dieser Strategie: Einerseits hat sie 25.000 Tonnen eingelagert, um über Vorräte zu verfügen – andererseits wäre bei dieser Menge viel Geld vernichtet, sollte entgegen aller Erwartung ein Preiseinbruch erfolgen. Fürs dritte Quartal hat die EHG ihre Orders bei Stahlwerken in ganz Europa vorerst um über 50 Prozent zurück gefahren.

„Wir verfolgen das Marktgeschehen natürlich mit Argusaugen“, bestätigte auch Doppelmayr- Öffentlichkeitschef Mag. Ekkehard Aasmann. Der Bedarf für 2008 sei von der Menge her gesichert, doch sei „über den Quartalshorizont hinaus unmöglich, Prognosen hinsichtlich der Preisentwicklung anzustellen“. In der Doppelmayr-Gruppe, die weltweit 40.000 Tonnen Stahl pro Jahr verarbeitet, versucht man nicht zuletzt über laufende Produktivitätssteigerung, der Stahlpreiskapriolen Herr zu werden. Denn an Kunden lasse sich nur sehr wenig überwälzen.

Harald Bitschnau, Chef des gleichnamigen Nenzinger Stahlbauunternehmens, wehrt sich gegen unliebsame Stahlpreisüberraschungen, indem z. B. versucht wird, die Stahlmengen zu drücken, also etwa eine Fachwerk- statt einer Walzträgerkonstruktion umzusetzen. Wo dies möglich ist, weiche man auch auf das preisstabilere Aluminium aus. „Und auch das Forcieren von Stählen, die nicht hohen Legierungszuschlägen unterliegen – in erster Linie also Bleche –hat sich bisher als Anti-Hochpreis-Strategie bei uns durchaus bewährt“, berichtete Bitschnau.

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