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Stadt Dornbirn innovativ gestalten

Konzet über die Baumaßnahmen in der Dornbirner Innenstadt: "Dornbirn wird städtischer und das ist auch gut so".
Konzet über die Baumaßnahmen in der Dornbirner Innenstadt: "Dornbirn wird städtischer und das ist auch gut so". ©Bernhard Tost

Dornbirn. 100 Tage im Amt: Martin Konzet (Grüne) über die Zukunfts-Chancen für Dornbirn.

DI Martin Konzet von den Grünen gibt der Stadt gute Chancen für die kommenden Jahrzehnte, wie er im VN-Interview erläutert.

Welche Beweggründe führten Sie in die Stadtpolitik?

Konzet: Grundsätzlich würde ich mich einfach als “politischen Menschen” bezeichnen. Ich kann mein Umfeld, meine Umwelt, meine Lebensumstände nicht unkommentiert lassen. Genügend Gründe, diese meine Umgebung aktiv zu verbessern gibt es als Vater von zwei Kleinkindern zur Genüge. Und nach fünf Jahren politischer Arbeit in Dornbirn weiß ich mittlerweile mit Bestimmtheit, dass man selbst als kleiner grüner Stadtpolitiker einiges zum Positiven verändern kann.

Nennen Sie die Faktoren, die Dornbirn als Wirtschaftsstandort auszeichnen?

Konzet: Dornbirn ist die größte Stadt im Rheintal. In unserer konsumorientierten Wirtschaftswelt ein wichtiger Faktor, wenn nicht sogar der wichtigste. Dadurch sind wir Anziehungspunkt für viele Unternehmen. Neben der Größe spielen auch andere Faktoren eine wichtige Rolle: die Stadt geht mit dem Standort- und Gründerzentrum aktiv auf Unternehmen zu, erleichtert bürokratische Hürden und hilft bei der Standortsuche. Als größte Grundeigentümerin hält man sozusagen alle Trümpfe in der Hand, und ist auch gewillt, sie auszuspielen. Gartenstadt ist Dornbirn in meinen Augen leider keine mehr, aber dennoch ist die naturräumliche Lage ein wichtiger Faktor für die Wirtschaft. Wer Anziehungspunkt für hochqualifizierte Arbeit sein will, muss die entsprechenden Arbeitnehmer auch mit höchster Qualität umsorgen: ganztägige Kinderbetreuung, Erholungsräume im Nahbereich, ausgezeichnete Bildungsmöglichkeiten, keine nennenswerte (international vergleichbare) Kriminalität sind nur einige der Punkte.

Der Straßenverkehr ist ein drängendes Problem. Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten verkehrspolitischen Vorhaben?

Konzet: Der Straßenverkehr ist mit Sicherheit nicht das größte Problem Dornbirns. Als Auto-, Fahrrad-, Busfahrer oder Fußgänger meinen viele, exakt beurteilen zu können, was vor ihrer Haustüre am besten wäre. Das stimmt sogar in vielen Fällen. Und dennoch brauchen wir einen Blick für das große Ganze. Ein autofreier Marktplatz wäre demokratisch nie zu erreichen gewesen – und doch sind heute vermutlich 99% der Dornbirner davon überzeugt, dass diese Fußgängerzone bestehen bleibt. Das Gleiche gilt heute für das recht ambitionierte Verkehrskonzept Innenstadt. Ein autofreier Bezirk Markt? Keine Durchfahrt durch das Zentrum für Kfz? In zehn Jahren wird man es sich nicht mehr wegdenken können.

In der Innenstadt wird in großem Maßstab gebaut. Wie beurteilen Sie die Situation?

Konzet: Dornbirn wird städtischer, und das ist gut so. Was in den letzten Jahren rund um den Bahnhof passiert ist, darf man als Glücksfall bezeichnen. In der Architektur unterscheiden wir zwischen städtisch und ländlich geprägten Menschen, die unterschiedliche Lebenswelten bevorzugen. Familien ziehen oft das Leben im Grünen vor, aber für Jugendliche und ältere Menschen ist die dichter besiedelte Stadt Garant für mehr Lebensqualität. Dornbirn ist in der glücklichen Lage, beiden Lebenswelten Raum geben zu können. Dabei ist es enorm wichtig, eine weitere Zersiedlung zu vermeiden. Die Verdichtungspotenziale im Zentrum müssen auf jeden Fall genutzt werden, bevor eine weitere Ausdehnung des Siedlungsgebietes überhaupt angedacht wird.

In welchen Bereichen soll mehr/weniger Geld ausgegeben – wo soll besonders gespart werden und worauf müssen sich Bürger und Vereine einstellen?

Konzet: Wer bei der Jugend spart, spart am falschen Ort. Kindergärten, Schulen, offene Jugendarbeit, Vereine mit Jugendgruppen – ob Sport, Kultur oder ganz allgemein Bildung, wir müssen in die Zukunft investieren und sind es gerade unseren Jüngsten schuldig, dass wir in Zeiten der Krise nicht auf sie vergessen. Diese Generation wird ungefragt die Hauptlast der heutigen Schuldenpolitik tragen müssen. Sparen können wir ganz sicherlich beim Straßenbau. Wobei durchaus mehr Geld zu den Öffis umgeleitet werden sollte. Die Dornbirner Bevölkerung wird meiner Ansicht nach nicht allzu viel von den Einsparungen bemerken. Am ehesten werden uns allen die städtischen Gebühren auffallen, die trotz sinkendem Budget in die Höhe gehen werden.

Nennen Sie ein Projekt, das Ihnen am Herzen liegt und das Sie besonders gern umsetzen würden?

Konzet: Ein Mädchencafé in Dornbirn. Ein Ergebnis der Sozialkapitalstudie war die dramatische Vereinsamung junger Mädchen, insbesondere jener mit migrantischem Hintergrund. Das sind über kurz oder lang die Mütter einer neuen Generation – und wenn wir nichts dagegen unternehmen, schaffen wir uns heute die Integrationsprobleme der Zukunft. Als Jugendstadtrat habe ich mich jahrelang für so einen Treffpunkt eingesetzt. Im Neubau des SPZ konnte ein Raum dafür “reserviert” werden, doch die momentanen Budgetnöte und ein wenig enthusiastischer neuer Jugendstadtrat scheinen dieses Projekt kurz vor der Realisierung zu Fall zu bringen.

Zur Perso:DI Martin Konzet
Wohnort: Dornbirn
Beruf: Architekt, selbstständig
Familie: verheiratet, zwei Kinder (3 und 4 Jahre)
Lebensmotto: “Wer nicht wählt, hat seine Wahl schon getroffen: er unterstützt die herrschende Mehrheit”
Vorbild: Habe mir eigentlich noch nie Gedanken darüber gemacht.

Text und Foto: Bernhard Tost

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