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Sprit im Ländle zu teuer

Schwarzach - Verwirrspiel um Spritpreise: Sprit ist in Vorarlberg bei weitem teurer als in anderen Bundesländern.

Mario Aberer aus Lustenau staunte nicht schlecht, als er am vergangen Montag in der Nähe von Klagenfurt seinen Wagen auftankte. 0,779 Euro pro Liter standen für Diesel zu Buche, Super-Benzin war an der Marken-Tankstelle für 0,849 Euro pro Liter zu haben. Zum Vergleich: In Vorarlberg kostete ein Liter Diesel am Montag bereits deutlich mehr als ein Euro. „Seit die Sprit-Preise so angezogen haben, vergleiche ich ständig“, erklärt Aberer im „VN“-Gespräch. Ein so eklatanter Spritpreis-Unterschied sei ihm jedoch noch nie untergekommen.

„Das ist einfach nicht mehr nachvollziehbar“, ärgert er sich. Den tausenden Vorarlberger Autofahrern geht es ähnlich. Denn nicht nur in Kärnten ist der Spritpreis deutlich niedriger als hierzulande. Die „VN“ machten am Mittwoch um exakt 15 Uhr an je einer Marken-Tankstelle in Vorarlberg, Salzburg und Wien den Bundesländer-Vergleich – und stellten folgende Ungerechtigkeit fest (siehe unten): Vorarlberger bezahlen für Diesel um rund 17 Cent und für Super-Benzin um 15 Cent pro Liter mehr als Salzburger. Während der Besitzer eines durchschnittlichen Kleinwagens mit einem Tankvolumen von 50 Litern für eine Tankfüllung in Vorarlberg mit 54,7 Euro zur Kassa gebeten wird, schlägt für dasselbe Auto in Salzburg „nur“ 46,2 Euro zu Buche. Auch in Wien wäre eine Tankfüllung unter 50 Euro zu haben.

Undurchsichtige Gründe

Zwei Gründe seien für diesen deutlichen Preisunterschied verantwortlich, erklärt die ÖAMTC-Verkehrswirtschaftsexpertin Elisabeth Brandau. „Die Mineralölindustrie spricht vom Wettbewerb, von der grundsätzlichen Marktsituation“, sagt sie. Und eben dieser Wettbewerb sei im Osten Österreichs größer als in Vorarlberg. Will heißen: Eine größere Tankstellendichte erhöht den Druck auf die einzelnen Ketten und zwingt diese, den Preis entsprechend niedriger zu gestalten. Neben der Dichte sind es laut der Expertin aber auch die Discount-Tankstellen, die den Preis der Marken-Tankstellen in Ostösterreich nach unten drücken – und von ebendiesen gibt es laut Brandau „nur sehr wenige“ in Vorarlberg.

„Viel Schindluder“

Und der zweite Grund? „Die Lage zu den Nachbarländern“, sagt die ÖAMTC-Fachfrau. Obwohl der Spritpreis im Österreich-Vergleich in Vorarlberg am teuersten ist, sei er kostengünstiger als in Deutschland oder der Schweiz zu haben. So argumentiert auch Egon Reiner, Obmann der Fachgruppe Energiehandel in der Wirtschaftskammer Vorarl-berg. Die Nähe zu Ungarn, Tschechien oder anderen Ländern in Osteuropa zwinge die Unternehmen zu niedrigeren Preisen. „Sonst müssten viele zusperren“, betont Reiner. Und wie erklärt er den deutlich geringeren Preis in Salzburg? Darauf weiß auch der Wirtschaftskammer-Experte keine Antwort, stellt aber zugleich klar: „Ich bin nicht der Anwalt der Mineralöl-Industrie. Da wird sicherlich viel Schindluder betrieben“, findet er klare Worte.

Pragmatischer Rat

Und was sollen die Verbraucher gegen die hohen Spritpreise unternehmen? Die ÖAMTC-Expertin hat einen pragmatischen Rat: „Vergleichen und entsprechend bewusst tanken.“

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