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Sonnenfinsternis über der Berufsausbildung

Hohenems - Stadtrat Bernhard Amann kritisiert in einer Aussendung am Mittwoch die mangelnde Effizienz der Vorarlberger Berufsausbildung, die sowohl durch eine unvertretbar hohe Dropout-Rate als auch durch österreichweit schlechteste Prüfungseregnisse gekennzeichnet ist.

Bernhard Amann regt deshalb als Sofortmaßnahme die Einführung eines zweiten Berufsschultages und die augenblickliche Etablierung von Fördermaßnahmen für Lehrlinge an. 

60,2 Prozent der Burschen, und 34,4 Prozent der Mädchen. Vorarlberg sei damit weiterhin das Bundesland mit der weitaus höchsten Lehrlingsquote in Österreich. Das was die Poltitik als besonder Vorarlberger Höchstleistung verkaufe, sei in Wirklichkeit die völlige Kapitulation vor einer veränderten Wirtschaft und Gesellschaft, die ganz andere Ausbildungsschwerpunkte  brauchen würde. 

Während anderswo die Tendenz dazu gehe, zwei von drei Jugendlichen zu einem Studium oder einer weiteren höheren Bildung im tertiären Bildungssektor zu bewegen, würden Vorarlbergs Burschen buchstäblich in die Lehre gedrängt: International völlig unvergleichlich schickt man hier zwei von drei männlichen Jugendlichen in eine Lehre.

Leere statt Lehre: Dropout und Prüfungsversagen als Indikatoren

Dass dies dann nicht nur Lehre sondern sehr häufig auch Leere bedeute, das zeige eine eben veröffentlichte Zahl. Im Durchschnitt brechen jährlich 1.100 Lehrlinge die Lehre vorzeitig ab: Das bedeute, dass die Drop-out-Rate bei einem Drittel der jährlich eintretenden Auszubildenden liege. 

Dies sei de facto eine Bankrotterklärung der Vorarlberger Jugend- und Schulpolitik. Die Situation sei für Insider nämlich keineswegs neu oder gar überraschend. Dazu komme eben auch, der seit Jahrzehnten bestehende Skandal, auf den Amann schon seit Jahren immer wieder hingewiesen hätte, dass rund ein Fünftel der Vorarlberger Lehrlinge Jahr für Jahr die Lehrabschlussprüfung nicht bestünden. Hier lege Vorarlberg seit vier Jahrzehnten ununterbrochen am Ende der Tabelle ohne dass die Politik irgendetwas daraus gelernt oder gegengesteuert hätte. Diese fortgesetzte Lernverweigerung koste vielen hoffnungsvollen Jugendlichen Chancen und dem Wirtschaftsstandort Vorarlberg die Zukunft. Die Bedeutung dieses Misstandes werde deutlich, wenn man sich dabei vor Augen hielte, dass ungefähr alle fünf Jahre ein ganzer Lehrlingsjahrgang ohne abgeschlossene Ausbildung entstehe, wiewohl sie drei und mehr Jahre für eine Lehrausbildung aufgewendet hätten.

Wenn ein Drittel der Lehrlinge die Lehre vorzeitig abbreche und ein Fünftel der Lehrlinge durch die Lehrausbildung nicht einmal für eine positive Prüfung vorbereitet werden könne, dann sei die Vorarlberger Lehre ein Weg zur Hilfsarbieteraquisite. Tatsächlich sei es ja auch so, dass Vorarlberg den größten Bevölkerungsanteil an Personen habe, deren höchster Ausbildungsabschluss die Pflichtschule sei. Dabei sei es eine arbeitsmarktpolitische Binsenweisheit, dass gerade diese Personengruppe am ärgsten von den Bewegungen am Arbeitsmarkt betroffen sei und am ehesten arbeitslos werde, sagt Amann abschließend.

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