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Situation für Geflüchtete in Bosnien-Herzegowina dramatisch

Geflüchtete fordern Hilfe Europas
Geflüchtete fordern Hilfe Europas ©APA/SOS Bihac
Die Grünen und die Caritas haben am Freitag erneut auf die dramatische Situation geflüchteter Menschen in Bosnien-Herzegowina aufmerksam gemacht. Knapp 2.500 Menschen müssten bei Temperaturen unter null Grad teils im Freien oder in unzureichend ausgestatteten Camps ohne Wasser, Strom, Toiletten, Duschen und Heizung ausharren. Auch der EU-Sonderbeauftragte in Bosnien-Herzegowina, Johann Sattler, kritisierte am Freitag den Umgang Bosniens mit Flüchtlingen.

Ewa Ernst-Dziedzic, die außenpolitische und Menschenrechtssprecherin der Grünen, kündigte an, im Februar nach Bosnien-Herzegowina reisen zu wollen. "Wir können nicht zuschauen, wenn 515 km von Wien entfernt tausende Menschen ohne Obdach bei winterlichen Verhältnissen dahinvegetieren. Wir schlittern sehenden Auges immer tiefer in eine menschliche Katastrophe", erklärte Ewa Ernst-Dziedzic. Daher unterstütze sie sowohl den jüngsten Aufruf der Caritas zur Nothilfe für die Menschen, als auch die Forderung nach einer langfristigen politischen Lösung für die Geflüchteten in der Region.

Nun gelte es die Menschen von der Straße zu holen und zu versorgen, bevor es Tote gebe. Bei der Flüchtlingssituation im kroatisch-bosnischen Grenzgebiet liege schon lange vieles im Argen, betonte Ernst-Dziedzic. So seien abgesehen von den nicht abreißen wollenden Berichten über Misshandlungen durch die kroatische Polizei auch die für die Betroffenen vorgesehen Hilfsgelder nicht an Ort und Stelle anzukommen. So habe der Bürgermeister von Bihac laut eigenen Angaben noch keinen Euro an Hilfsgeldern gesehen. "Es kann nicht sein, dass bürokratische Hürden und intransparentes Handling die so dringend benötigte Hilfe verhindern", so Ernst-Dziedzic.

"Es ist bereits der dritte Winter, in dem sich die Situation in Bosnien-Herzegowina dramatisch zuspitzt", erklärte Andreas Knapp, Auslandshilfe-Generalsekretär der Caritas Österreich. Komplizierte politische und bürokratische Prozesse würden weiterhin jede Lösung verhindern. Hilfsorganisationen hätten mit wenigen Ausnahmen keinen Zugang zu den Lagern, was die Hilfe vor immense Herausforderungen stelle, so Knapp. "Es handelt sich hier um eine humanitäre Krise, die keineswegs überraschend gekommen ist."

Caritas Österreich sei seit 2015 entlang der Balkanroute bei der Unterstützung geflüchteter Menschen aktiv, seit fast 30 Jahren unterstütze man die lokale Bevölkerung in Bosnien-Herzegowina. Die Situation sei auch für sie enorm belastend, so Knapp: "Ein Fünftel der Bevölkerung lebt selbst in Armut, das Land ist mit der Situation massiv überfordert." Daher fordere die Caritas gemeinsam mit anderen Hilfsorganisationen eine politische Lösung. Europa dürfe die Verantwortung für die mitverursachte Situation nicht länger von sich schieben, betonte Knapp.

Die aktuellen Flüchtlingsunterbringungen seien "keine Luxusunterkünfte, das sind beheizte Armeezelte, mit allem Notwendigen, was man braucht. Das ist ein guter Schritt vorwärts", erläuterte indes Sattler laut Kathpress am Freitag im Bayrischen Rundfunk. Dennoch seien rund um Lipa noch mehrere hundert Menschen unversorgt. Für diese Leute brauche es jetzt eine Lösung, so der EU-Sonderbeauftragte.

"Ich glaube, das Problem ist hier vor Ort lösbar. Insgesamt sprechen wir von circa 8.000 Flüchtlingen, die sich zur Zeit in Bosnien und Herzegowina befinden. Und Bosnien ist ein nicht so kleines Land." Es gebe große finanzielle Unterstützung der EU. Insofern gehe es mehr um den politischen Willen der Verantwortlichen, zu einer Lösung zu kommen.

(APA)

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