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Sir David Lindsay

Ulrich Gabriel
Ulrich Gabriel

Wir vom Zanzenberg wollen nicht verschweigen, dass wir auf unserem Ritt durch das politisch verseuchte Virus-Reich Absurdistan nicht allzuselten von anonymen Latrinenbloggern an den Marterpfahl gewünscht werden. Umgeben von derlei Ano-Gesindel, verfolgt von türkisgrün Maskierten und schwarzen Quarantänern, freuen wir uns königlich1), wenn uns ein Brief erreicht wie der folgende, dessen Signatur von Kara Ben Nemsi trotz nahezu unleserlicher Schrift ohne große Anstrengung entziffert werden konnte. Der Schreiber war kein Geringerer als Sir David Lindsay2). Er schreibt:

„Bergheil Baron! (…) Ja, der von Ihnen mit soviel Ungeduld bedachte Volk . . . solange er sein Schnitzel mit Pomfriz gesichert weiß, solange die Wichtigkeit seiner fortpflanzenden Liegestütze im Boxspringbett nicht bezweifelt sieht, solange wird er sich die Bürde des Selberdenkens nicht auferlegen. Diese geistige Trägheit ist aber gleichwohl auch ein schützender Garant für Sie. Denn wäre er sich der Brisanz Ihrer Berichte bewusst, der aufge-scheuchte und verärgerte Volk würde Sie - geteert und gefedert - durchs Dorf tragen. Die allgemeine Gesinnung ist auf dem Niveau, dass ein künftiger Diktator nicht besorgt sein muss, ob seine Unterta¬nen wie erwartet spuren. Selbst die Rekrutierung von Blockwarten wird ein Selbstläufer bleiben.

Natürlich, die Menschen werden sich weiterhin erfolgreich behaupten, mit ihren im täglichen Überlegenskampf erworbenen Instinkten. Und wir? wir verwegenen Kopfschüttler? Wir werden in der großen Weltgeschichte, wenn überhaupt, nur als Randnotitz aufscheinen. Baron, ich empfinde es als wohltuend, einige Gefährten zu haben auf einer gewitterten Spur, auf den Nebenpfaden durchs wilde Absurdistan.“

Signiert war die Nachricht mit Sir David Lindsay, z. Zt. Esparance Bay, Australien. Dem Brief beigegeben war getrocknetes Gras.

Kaum war der schöne Brief zusammengefaltet und alles in den Satteltaschen verstaut, sprengte eine wüste Horde stinkender Latrinenblogger vom Gechelbach her, dahinter hundert regierungtreue Lohnschwätzer mit Pflichtspritzen. Wir schickten dem Gesindel unseren elektronischen Drachen Theobald entgegen, der sie mit Desinfektionsmittel bespuckte. „Pschtzüts! Pschtzüts!“ So spuckt der Draceh. Die Oberdorfer Kirchenglocken begannen ob der Erschütterungen zu bimmeln. „Kling, kläng klong, d‘Hex isch am Bomm!“ Unsere Bogenschützen schossen daraufhin tausende Impfgiftpfeile nach den vermaledeiten Coronastrebern, sodass in kürzester Zeit ihre Beine lahmten, sie zu Boden sanken und greulend den Abhang hinunterkugelten. Unten wurden sie vor der Vorderachmühler Kapelle von der schnabelmaskierten Impfbrigade sofort verhaftet, da sie sich nach 20 Uhr auf der Straße befanden. Wir rauchten die Desinfektionspfeife. So schützen wir uns. Am Himmel brunzte GAFAM3): die große Verpissung der Welt hatte in diesem Moment begonnen.

  1. ) Gemeint ist der König aus dem Kanon „Froh zu sein bedarf es wenig“
  2. ) Lindsay führt seit Mai 1891 die Elder Scientific Exploring Expedition mit 44 Kamelen an.
  3. ) GAFAM ist die Abkürzung für die Big Five: Google, Amazon, Facebook, Apple und Microsoft.
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