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"Sind nicht Paris und London"

Neuer Bahnhof samt Hochhaus, Seestadt, Türme am Stadteingang.
Neuer Bahnhof samt Hochhaus, Seestadt, Türme am Stadteingang.
Bregenz - Seestadt, Seequartier, Kornmarkt: Linhart nimmt zu Bregenzer Großprojekten Stellung.

In Bregenz entstehen mitten im Zentrum ab dem kommenden Jahr mit Seestadt und Seequartier zwei große Bauprojekte. Gestaltung und Auswirkungen auf den Verkehr beschäftigen die Bregenzer. Bürgermeister Markus Linhart sieht die Planungen positiv. Entscheidungen zu etwaigen Änderungen am Masterplan, um Türme am Stadteingang zu ermöglichen, will er hintanstellen. Erst komme der Bahnhof. Nicht zufrieden ist er dort mit den jetzigen Planungen zur Abwicklung des öffentlichen Verkehrs.

Der Kornmarktplatz wird ab Jänner umgebaut. In einem Jahr soll er eröffnet werden.

Die Bregenzer erwartet eine jahrelange Baustelle im Zentrum der Stadt, an einem Nadelöhr. Ist Chaos vorprogrammiert?

Linhart: Das ist das größte Projekt – wenn es so kommt, wie es kommen soll – das Bregenz je gesehen hat. Das wird ein riesiger Eingriff an einem Nadelöhr und an Bregenz nicht spurlos vorbeigehen. Ich fürchte, dass man diesen Eingriff mit Blick auf das, was nachher ist, ertragen wird müssen. Wir werden auf die Probe gestellt. So ist das halt. Wir werden alles daran setzen, den Eingriff schonend zu gestalten. Aber Baustelle ist Baustelle. Operation ist Operation. Die macht man darum, weil man glaubt, dass es einem danach besser geht.

Wie will man es schonend gestalten?

Linhart: Wir sind dran, bei Verkehrsführung und Parkplätzen Abhilfe zu schaffen. Aber wir werden nicht jeden Quadratzentimeter zuparken lassen. Die Alternative zum Seestadtparkplatz gibt es nicht. Bregenz hat viele öffentliche Stellplätze. Aber klar ist: Hier fallen 300 weg.

Die Projekte sollen mehr Leute in die Stadt bringen. Viele befürchten, dass die Verkehrsprobleme noch verstärkt werden. Planer sagen hingegen, Seestadt und Seequartier werden das Verkehrsvolumen nur leicht steigern. Wie passt das zusammen?

Linhart: Der Hauptverkehr in Bregenz ist Ziel- und Quellverkehr. Das heißt: 85 Prozent fahren sowieso. Ob sie noch zusätzlich hier einkaufen, erzeugt keinen Mehrverkehr. Wenn es uns aber gelingt, dass jene Bregenzer, die jetzt zum Einkaufen woandershin fahren, hier bleiben, könnte es sein, dass sie jene kompensieren, die wir aus der umliegenden Region zusätzlich gewinnen.

Zuletzt wurden die Turm-Entwürfe in Bregenz heftig diskutiert. Was spricht dagegen?

Linhart: Höhenakzente haben durchaus ihren Platz. Die Experten – ich bin kein Experte, ich bin nur Bürgermeister – waren der Meinung, dass der Akzent zum Bahnhof gehört, um die Bedeutung dieses Ortes zu unterstreichen. Dort wird auch ein Hochhaus kommen. Der Masterplan wurde mit den Bürgern auf Herz und Nieren geprüft. Alle Beschlüsse wurden einstimmig gefasst.

Die Jury beim Seequartier-Wettbewerb sah das beim Baufeld der Türme anders.

Linhart: Bei allen Bereichen war der Wettbewerb eindeutig. Bei den Türmen gab es nur eine Stimme Mehrheit. Wenn sich die Fachleute so uneinig sind, dann kann etwas nicht stimmen. Für so einen Eingriff im öffentlichen Raum brauche ich eine klare Botschaft.

Der Masterplan bleibt damit unumstößlich?

Linhart: Das Projekt Seestadt/Seequartier soll von innen nach außen wachsen. Deshalb ist der Bahnhof so wichtig. Dann kommt das Baufeld bis zur Mehrerauer Brücke. Und dann, irgendwann, kommt das Baufeld 4. Und wenn man dann der Meinung ist, dass man dort zwei, drei oder sechs Türme bauen will, dann werden wir das diskutieren. Aber dann machen wir das sauber, holen uns Fachleute und binden die Bürger ein. Niemand hat etwas gegen Türme. Wir wollen, dass das Projekt funktioniert, und dazu brauchen wir in erster Linie den Bahnhof. Für alles andere müssen wir uns jetzt noch keine grauen Haare wachsen lassen.

Wie groß ist der Druck, Adaptierungen am Masterplan vorzunehmen? Begehrlichkeiten gibt es ja bei beiden Projekten. Beim Seequartier soll im Bahnhofsgebäude etwa die Höhe adaptiert werden, um ein Kino unterzubringen.

Linhart: Die Seestadt entspricht dem Bebauungsplan sehr gut. Die nötigen Anpassungen sind klein. Das ist normal. Hier ein Stockwerk hinauf, dort ein Stockwerk hinunter. Beim Seequartier gibt es bei der Höhenentwicklung größere Abweichungen vom Masterplan. Da arbeiten wir daran. Ich bin aber überzeugt, dass man sich finden wird. Wichtig ist auch, dass die Verbindungen zwischen Zug, Bussen und Fußgängern funktionieren. Da ist die Planung derzeit nicht optimal.

Wollen Sie ein Kino im Zentrum?

Linhart: Die Idee finde ich gut. In den ersten Plänen passt es aber in den Dimensionen nicht so ganz. Woran mir sehr viel liegen würde, und das gestaltet sich offenbar als sehr schwierig, ist ein Hotel am Bahnhof. Das wäre für Bregenz wichtig. Wir haben zu wenig Betten.

Wieso ist es dann schwierig?

Linhart: Wir sind halt nicht Paris und London. Ein Hotel mit einer gewissen Größe jahresdurchgängig zu betreiben, ist nicht so einfach.

Ein weiteres Projekt steht an: der Umbau des Kornmarkts.

Linhart: Ja, das ist die einfachere Geschichte. Dort sind alle Beschlüsse unter Dach und Fach. Das muss „nur“ mehr gebaut werden.

Wann wird das sein?

Linhart: Wir werden im Jänner 2013 mit dem Bau beginnen und den Kornmarkt dann am 15. Mai 2013 eröffnen, das Museum folgt einen Monat später. Der Kornmarkt ist für Bregenz eine wichtige Baustelle, weil die Stadt nach vielen Jahren wieder ein Zentrum bekommt.

In den Schubladen verstauben Pläne: Zur Verlegung der Eisenbahnen in den Untergrund, für Eisenbahntunnel, zu Straßenbahnen. Was ist realistisch?

Linhart: Das wird heute und morgen nicht passieren. Wichtig ist aber, dass man sich die Perspektive nicht verbaut. Wenn man weiter in die Zukunft denkt, gehört der Güterverkehr in einem Paralleltunnel durch den Pfänder und der Personenverkehr unter den Boden.

Werden Sie das noch erleben?

Linhart: Da bin ich mir nicht so sicher. Man muss Realist bleiben: Vorzugaukeln, dass das in absehbarer Zeit kommt, wäre verantwortungslos. Unsere Verantwortung ist, diese Möglichkeiten in den Planungen nicht zu übersehen.

Sie haben in Ihrer Neujahrsansprache angekündigt, die Pipeline weiter zu sanieren.

Linhart: Das ist mein persönlicher Ehrgeiz, dass die Verbesserung der Pipeline fortgesetzt wird. Das will ich noch machen.

Wann kommt das nächste Stück?

Linhart: Heuer nicht mehr. Das ist ein budgetäres Problem. In der jetzigen Situation wird es schwer zu vertreten sein, dafür explizit Geld locker zu machen. Wenn wir aber die Gelegenheit bekommen, wie beim ersten Abschnitt – wo Kies vom Kaiserstrand vorhanden war –, es aufgrund von Rahmenbedingungen so günstig zu machen, wie wir es nicht mehr bekommen, dann macht es Sinn, wieder ein Stück zu machen. Bei der Seestadt wird es einen gewaltigen Aushub geben. Es wäre denkbar, dass irgendjemand darüber nachdenkt, was man damit macht.

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