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Serbisch-orthodoxer Patriarch muss lebenslang im Amt bleiben

Der betagte serbisch-orthodoxe Patriarch Pavle bleibt lebenslang im Amt, meldete der Belgrader Sender B-92. Die Kirchenversammlung habe bei ihrer am Dienstag begonnenen Tagung nicht über den Rücktrittsantrag des Patriarchen abgestimmt. Konflikt in serbisch-orthodoxer Kirche spitzt sich zu

Wie der Sender unter Berufung auf inoffizielle Kirchenkreise berichtete, wurde anstatt dessen nach ganztägiger Diskussion beschlossen, dass der 94-jährige Pavle an der Kirchenspitze bis zu seinem Tode bleiben soll.

Die Aufgaben und Pflichten des Patriarchen werden wie in den vergangenen Monaten von seinem Stellvertreter, dem montenegrinischen Metropoliten Amfilohije, verrichtet. Die Kirchenversammlung hat laut dem Sender seine Befugnisse einigermaßen erweitert.
Patriarch Pavle, der sich seit einem Jahr in einem Belgrader Krankenhaus aufhält, hatte im Oktober seinen Rücktrittsantrag gestellt.

Die serbisch-orthodoxen Bischöfe hatten den seit Monaten schwer erkrankten Patriarchen Pavle I. im Mai gegen seinen Willen entmachtet. Der Heilige Synod wollte alle Aufgaben des damals 93-Jährigen.
Zuvor hatte das Kirchenoberhaupt, das seit November 2007 in einem Belgrader Militärkrankenhaus liegt, jeden Rückzug verweigert. Er sei auf Lebenszeit gewählt, hatte der Patriarch gegenüber den Abgesandten der Metropoliten und Bischöfe betont.
Der im September 1914 in Slawonien geborene Gojko Stojcevic wurde im Dezember 1990 zum 44. serbischen Patriarchen gewählt. Zuvor war er 33 Jahre lang Bischof von Prizren und Raska im Kosovo gewesen. Einer seiner Brüder, Stanko, war im ehemaligen Jugoslawien ein kommunistischer Spitzenfunktionär.
Ende des Vorjahres wurde der montenegrinische Metropolit Amfilohije (Radovic), das älteste Mitglied des Heiligen Synods, zum Patriarchatsverweser gewählt. Er tritt als Sprecher des dogmatischen Flügels auf und gilt als einer der aussichtsreichsten Anwärter auf die Nachfolge von Pavle. Dieser war 1990 in einer ganz ähnlichen Situation an die Kirchenspitze gelangt. Damals hatten die Bischöfe einen Nachfolger für den amtsunfähigen Patriarchen German gewählt. Zuvor hatten dessen Ärzte bescheinigt, er werde seine Aufgaben als Kirchenoberhaupt nie mehr wahrnehmen können. Eine solche von den Bischöfen verlangte Erklärung der Ärzte Pavles hatten diese nach unbestätigten Informationen aber verweigert.
Auf der Jahrestagung der serbisch-orthodoxen Kirchenversammlung in Belgrad soll es turbulent zugegangen sein. Die beiden Lager der Dogmatiker und der Moderaten standen sich dabei unversöhnlich gegenüber. Der Metropolit von Zagreb und Ljubljana, Jovan, ist der Wunschkandidat der Gemäßigten. Gemäß der Wahlordnung soll ein neuer Patriarch unter drei Kandidaten bestimmt, die in einer Vorwahl bestimmt werden. Drei Kuverts mit den Namen der Kandidaten werden in eine Urne gegeben, aus welcher ein Name gezogen wird.
Der historische Sitz des serbischen Patriarchats hatte sich einst in Pec im Kosovo befunden. 1690 war Patriarch Arsen III. mit über einer halben Million Serben auf habsburgisches Territorium geflüchtet. Neues Zentrum der serbischen Orthodoxie wurde dann Karlowitz (Sremski Karlovci) in der heutigen Vojvodina. Im 18. Jahrhundert wurde das Patriarchat aufgelöst. 1879 erhielt die serbische Kirche vom Ökumenischen Patriarchen Joachim III. von Konstantinopel die Autokephalie verliehen, nachdem das Fürstentum Serbien unter (dem späteren König) Milan Obrenovic die staatliche Selbstständigkeit erlangt hatte. Nach der Gründung des Königreiches der Serben, Kroaten und Slowenen nahm 1920 der Metropolit von Belgrad und Karlowitz als Oberhaupt der serbisch-orthodoxen Kirche den Patriarchentitel an.

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