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Schwimm-WM zu Ende

Die Schwimm-Bewerbe der WM in Montreal haben sportlich einen starken Eindruck hinterlassen. Neun Weltrekorde, fünf Europarekorde und 16 WM-Rekorde sind aber nicht zwangsläufig Grund für überschwängliche Begeisterung. 

Dennoch ist dies in einem nacholympischen Jahr bemerkenswert. Obwohl viele der ganz Großen die WM vor dem Fernseher verfolgten, war das Niveau außerordentlich hoch.

Die teilweise zweite Garnitur der US-Amerikaner und Australier hat ihre Chance genützt, hat sich vor allem bei den Damen ins Rampenlicht geschwommen. Die Australierinnen Danni Miatke und Jessicah Schipper etwa sicherten sich Delfin-Gold, die US-Amerikanerin Jessica Hardy einen Brust-Weltrekord. Der Vergleich an Medaillen ging zu Gunsten der USA aus, wobei die US-Herren und Australiens Damen mit je neun Mal Gold den Ton angaben.

Eine Fortsetzung des Kräftemessens USA-Australien wird es bereits am Dienstag bei der zweiten Auflage des „Duel in the Pool“ geben. In Irvine in Südkalifornien trifft sich die Elite der beiden Schwimm-Großmächte, der Prestige-Faktor des Sieges ist hoch. Ihre beiden derzeit besten Protagonisten, haben sich schon in Montreal um den Status des erfolgreichsten Schwimmers beworben. Michael Phelps gewann fünf Mal Gold, Grant Hackett drei Mal.

Bei Phelps sind allerdings drei Staffel-Titel mit dabei, einer davon gar nur für sein Vorlauf-Antreten im US-Lagen-Quartett. Das Experiment des 20-Jährigen, drei Kraul-Strecken ins Programm zu nehmen, lieferte nur im 200-m-Bewerb einen Höhepunkt. Trotzdem kündigte Phelps-Trainer Bob Bowman an, dass sich sein Schützling auch in Richtung Olympia 2008 in Peking vorerst weiter auf die Kraulstrecken konzentrieren wird.

Hackett profitierte im Zweikampf um den Superstar-Status dieser Titelkämpfe vom lethargischen, oft teilnahmslosen Auftreten des US-Superstars, sorgte u.a. mit einem Weltrekord bzw. seinem historischen vierten Sieg im Kraul-Marathon aber auch selbst für Schlagzeilen. Mit nunmehr 17 WM-Medaillen hält der 25-Jährige einen einsamen Rekord. Und zumindest bei seiner Heim-WM im März 2007 in Melbourne wird er versuchen, sein Konto noch weiter aufzustocken.

Auffallend war bei dieser WM, dass es kaum noch absolute Exoten in den Starterlisten gab. Sie hielten fast alle ihren Rückstand in Grenzen. 21 Länder holten Medaillen, die Spitze geht weiter in die Breite. Für Griechenland gab es sogar Gold und Simbabwe setzte sich hinter den USA und Australien sensationell auf Rang drei der Medaillen-Wertung. Schuld daran ist Kirsty Coventry, ihr gelang dieser Coup mit je zwei Mal Gold und Silber im Alleingang.

Die Rückgabe der Weltmeisterschaften an Montreal rentierte sich, wenn auch nicht aus finanzieller Sicht. Mit 160.000 Zuschauern wurde nur ein Drittel der aufgelegten Karten verkauft, es bleibt ein Defizit von umgerechnet 2,73 Millionen Euro. Die kompakt zusammen gelegten Wettkampfstätten auf den malerischen Inseln Sainte-Helene und Notre-Dame lagen aber optimal, alles war innerhalb von fünf Gehminuten zu erreichen.

In Anbetracht des äußerst dichten Programms wurden allerdings mehrfach Stimmen von Coaches und Schwimmern laut, nur noch alle vier Jahre Weltmeisterschaften auszutragen. „Wir möchten wirklich anregen, die Titelkämpfe nur noch alle vier Jahre auszutragen. Wir haben einen so dichten Kalender“, meinte u.a. US-Coach Dave Salo. Ähnliches meinte auch Phelps-Coach Bob Bowman. „Ich denke, wir sollten eine WM zwischen den Spielen haben. FINA-Präsident Mustapha Larfaoui hat diese Wünsche aber schon abgeschmettert. „Es ist genau das Gegenteil. Wir haben viele Athleten, die antreten wollen“, so Larfaoui und verwies auch auf die Rekordzahl von 143 teilnehmenden Ländern.

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