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Schwarzachs neue "Wohnstube"

Die City im Dorf - eigentlich gibt's so was gar nicht. Doch was in Schwarzach derzeit gebaut wird, gleicht einer Herzverpflanzung: Ab Juni 2007 soll ein kleines urbanes Zentrum im Dorf pulsieren.

Wer auf der Restaurantterrasse des neuen Hofsteigers sitzt und seinen Blick über den noch nicht fertigen Dorfplatz schweifen lässt, staunt ob des futuristischen Ambientes. Wüsste der Betrachter nicht, dass er sich gerade in der 3500-Seelengemeinde Schwarzach aufhält – er könnte auch glauben, sich auf eine Piazza auf dem Potsdamer Platz in Berlin verirrt zu haben.

Es mutet in der Tat gigantisch an, was in Schwarzach derzeit zum Preis für fünf Millionen Euro aus dem Boden gestampft wird. Eine Art urbane Quadratur des Kreises. Denn im Dorf Schwarzach soll nächsten Sommer rund um den neuen Dorfplatz das Leben pulsieren: Shoppen, Schlemmen, Siesta.

„Wir-Gefühl beleben“

„Ich möchte mit dem neuen Dorfzentrum vor allem das Wir-Gefühl in unserer Gemeinde beleben“, bekräftigt Bürgermeister Helmut Leite. Schwarzach sei eine Gemeinde mit starkem Zuzug von Nichtschwarzachern. Zudem sei das Dorfleben lange Jahre über durch den Wegfall der beiden Traditionsgasthäuser „Engel“ und „Hofsteiger“ in eine Art Dornröschenschlaf verfallen. Auf dem Dorfplatz sollen sich alle BürgerInnen begegnen und wohlfühlen können – „wie in einer Wohnstube“.

„Hätten wir nichts gemacht, wäre Schwarzach vollends zur Schlafgemeinde von Dornbirn und Bregenz geworden“, beteuert Leite. Schwarzachs Bürgermeister schwebt vor allem vor, dass viele der durchaus betuchten Schwarzacher künftig ihr Geld im Dorf ausgeben.

„Laut einer jüngsten Studie wandert 74 Prozent der Schwarzacher Kaufkraft nach Dornbirn ab“, beschreibt das Gemeindeoberhaupt sein Dilemma. Nur Lebensmittel kaufen die Schwarzacher überwiegend im Dorf ein.

Deshalb will Leite möglichst viele kleinteilige Frequenzbringer in die rund 300 Quadratmeter großen Ladenflächen der neuen Wohn-, Büro- und Geschäftshäuser an der Hofsteigstraße (Haus A und B, siehe Plan) lotsen. Ideal wären Boutiquen.

Einzelhandel ins Dorf bringen

„Wir versuchen es, den Einzelhandel ins Schwarzacher Zentrum zu bringen“, ist sich Bürgermeister Leite in Anbetracht des großen Risikos für künftige Pächter bewusst. Denn der nahe Messepark ist eine Dauerkonkurrenz für Geschäfte jeglicher Art. Außerdem wird im benachbarten Wolfurt gerade eine Mode-Boutique dicht gemacht – wegen zu wenig Umsatz. Damit der Start für interessierte Ladeninhaber nicht allzu schwer fällt, sind zumindest die Mieten mit zwölf Euro pro Quadratmeter niedrig angesiedelt.

Im Fall des neuen Hofsteigers mit Restaurant, Bodega-Bar, urigem Bräukeller und einem Saal für Familienfeiern mit 150 Plätzen hat die Gemeinde von Anfang an einen ungewöhnlichen Weg beschritten – indem Schwarzach das neue Gasthaus gekauft hat. Der Bürgermeister ist quasi der Wirt.

„Es wird sicherlich eine gewisse Zeit brauchen, bis der neue Platz funktioniert“, räumt Leite ein. Ein Denkmal will er sich mit diesem Großprojekt nicht setzen. „Ich halte mich strikt an den Willen des Volkes!“ Einen Preis erhalten hat die Schwarzacher „Wohnstube“ bereits: den Europäischen Dorferneuerungspreis für nachhaltige Dorfentwicklung von herausragender Qualität.

DETAILS

Tiefgarage: Die Tiefgarage mit Abstellplätzen für 53 Autos und mit Aufgängen zu Dorfplatz und Hofsteiger, aber auch zu den beiden weiteren Gebäuden ist bald benützbar.

Bäckerei Mangold fix: In eine der Ladenflächen im Haus A soll die Wolfurter Bäckerei Mangold einziehen. Weitere Vertragsabschlüsse stehen noch nicht fest. Im Gespräch für die Büroflächen ist unter anderem ein Arzt. Für die Ladenflächen hat sich neben anderen Interessenten bereits ein Versicherer beworben.

Wohnungen verkauft: Die vier Wohnungen in Haus A und B sind laut Aussage von Bürgermeister Helmut Leite bereits verkauft.

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