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Schule verkürzt Leben

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Dornbirn - Alternative. Harte Daten gibt es nicht. Aber Dr. Harald Geiger reichen seine mannigfaltigen Erfahrungen aus der Praxis, um eine Verbindung zwischen kranken Schülern und dem Bildungssystem herzustellen.

„Stress hat immer negative Auswirkungen“, sagte der Dornbirner Kinder- und Jugendfacharzt bei einer Pressekonferenz der ARGE „Gemeinsame Schule Vorarlberg“. Besonders die Selektion schon in der Volksschule belaste Schüler, aber auch Lehrer und Eltern. Die ARGE fordert deshalb einmal mehr „im Sinne einer gedeihlichen Entwicklung für unsere Kinder“ die Einführung der gemeinsamen Schule für 6- bis 14-Jährige.

Psychosomatische Leiden

Es sind laut Harald Geiger vor allem psychosomatische Beschwerden wie chronische Kopfschmerzen, Bauchweh und allgemeine Unlust, die Schüler plagen. Mitunter fallen sie sogar in kindliche Verhaltensmuster zurück. „Das Wiedereinnässen ist ein Warnsignal“, betonte Geiger, selbst Vater von vier Kindern. Er kritisierte vor allem, dass das derzeitige Schulsystem den individuellen Entwicklungsprozessen eines Kindes nicht gerecht werde. Die Schule habe sich an Fixwerten zu orientieren. Das führe entweder zu Unter-, öfter jedoch zu Überforderung. „Das Kind erlebt sich als Versager, verliert an Selbstwert und das beeinflusst sein späteres gesundheitliches Verhalten“, warnte der Mediziner. Mehr noch. „Alles zusammen kann die Lebenserwartung um bis zu sieben Jahre verkürzen“, zitierte Geiger neueste Studien. Er verwies außerdem darauf, dass 20 Prozent der 15-Jährigen von der Schule abgehen, ohne richtig lesen und schreiben zu können, und Vorarlberg den höchsten Anteil an Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf hat. Da erlaube er sich schon die Frage, ob dies nicht die Folge eines „etwas diskriminierenden Schulsystems“ sei.

Veraltete Lehrformen

Chancengleichheit vermisst auch Mag. Peter Fischer von der Pädagogischen Hochschule. Wobei die Mittelschule die Situation seiner Ansicht nach verschärft hat. „Sie ist kein Erfolgsmodell, sondern eine zusätzliche Selektionsmöglichkeit“, merkte der frühere Hauptschullehrer unverblümt an. Gerade jetzt, wo die Briefe über die Schulaufnahmen in die Häuser flattern, würden sich regelrechte Dramen abspielen, wenn es mit der Wunschschule, im Speziellen dem Gymnasium, nicht klappe. Fischer nahm auch die Kollegen ins Visier, von denen „immer noch viele an veralteten Lernformen festhalten“. Außerdem kränkt ihn, junge Leute auf ein System vorbereiten zu müssen, „das geändert gehört“. Dazu steige die Zahl der am Burnout leidenden Pädagogen dramatisch. „Es ist unverantwortlich von der Bildungspolitik, hier wegzuschauen“, ergänzte Peter Fischer sein flammendes Plädoyer für eine Gesamtschule.

Gemeinsames Auftreten

Martine Durig, Leiterin der VS Bludenz-Mitte, berichtete, dass sich Lehrer zum Teil schon scheuen, vierte Klassen zu übernehmen, weil der Druck der Eltern so massiv werde. Nach Ansicht von Peter Fischer sollten Eltern ihre Energie besser darauf verwenden, in der Öffentlichkeit darzustellen, was passiert, wenn ein Kind nicht von der Wunschschule angenommen wird. Auf Eltern reagiere die Politik am sensibelsten. Für Lehrerpersonalvertreter Armin Roßbacher lässt sich der Widerwille der Politik gegen eine gemeinsame Schule nur durch gemeinsames Auftreten beugen. Deshalb haben sich die Elternvereine zusammengeschlossen und demnächst soll eine Plattform eingerichtet werden, die alle diesbezüglichen Initiativen vernetzt.

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