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Schreiduelle in Gogol-Klassiker

Der vermeintliche Revisor (Matthias Bundschuh) mit zwei skurrilen Typen der Stadt.
Der vermeintliche Revisor (Matthias Bundschuh) mit zwei skurrilen Typen der Stadt. ©SCH

Gastspiel des Zürcher Schauspielhauses mit der Gogol-Komödie “Der Revisor”.

Vaduz. Das Schauspielhaus Zürich hat europäischen Ruf, der russische Dichter Nikolaj Gogol (1809-1852) ist vor allem durch seine kritische Komödie “Der Revisor” (1836) unsterblich geworden – die Erwartungen des TaK-Publikums (diesmal im Vaduzer Saal) auf einen Spitzenabend im Theater-Abo waren berechtigt. Doch wieder einmal musste ein deutscher Regisseur, der 1960 geborene Sebastian Nübling, demonstrieren, dass subjektive Wichtigtuerei anscheinend mehr wiegt als (wenigstens annähernde) Werktreue…
“Der Revisor”: Die Granden einer verdorbenen Stadt fürchten eine erwartete Revision und geraten samt dem Stadtpräsidenten in selbstzerstörerische Panik. In dieser Hysterie wird ein zufällig durchreisender Fremder als Revisor “identifiziert”, und es beginnt eine widerliche Werbung um seine Gunst, der er erliegen wird…

Publikumsbeschimpfung

Nicht von Handke ist die Rede. Die Inszenierung besteht in beweglichen Wänden zu einem Gutteil aus ordinären Schreiduellen in breitestem Zürcherdeutsch zwischen dem Stadtpräsidenten und den einzelnen Gaunern seines Stadtrates, die im Publikum verstreut sind. Die russischen Namen bei Gogol sind geblieben, das Szenario spielt aber in einem schweizerischen, Dürrenmatts Güllen ähnlichen Unmoral-Ambiente. Das Ensemble hat bizarr zu agieren, in die gegenseitigen unflätigen Beschimpfungen wird das Publikum einbezogen. Wir sind ja alle auch nicht besser, bravo. Eine phantastische schauspielerische Leistung bietet eigentlich nur Matthias Bundschuh als vermeintlicher Revisor, der vom unbedarften Reisenden bald zum Mammon-Sklaven wird. SCH

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