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Schotten zu historischem Referendum über Unabhängigkeit aufgerufen

Für das Referendum um Schottlands Unabhängigkeit wird eine hohe Wahlbeteiligung erwartet.
Für das Referendum um Schottlands Unabhängigkeit wird eine hohe Wahlbeteiligung erwartet. ©AP
In einem historischen Referendum stimmen die Schotten am Donnerstag über eine Unabhängigkeit von Großbritannien ab. Ein letztes Mal wandte sich der schottische Regierungschef Alex Salmond am Mittwochabend öffentlich in Perth nördlich von Edinburgh an seine Landsleute und schwor sie auf ihre "Chance des Lebens" ein. US-Präsident Barack Obama plädierte am Vorabend der Volksabstimmung noch einmal für die Einheit Großbritanniens.
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“Das ist unsere Chance des Lebens und wir müssen sie mit beiden Händen ergreifen”, rief der Unabhängigkeitsbefürworter Salmond seinen Anhängern zu. Die Menge schwenkte schottische Flaggen und rief immer wieder “Yes, we can” – in Anlehnung an Obamas einstigen Wahlkampfslogan. Mit emotionalen Worten führte Salmond den Schotten die Chance vor Augen, die Zukunft ihrer Nation zu gestalten. “Das ist der größte, mächtigste Moment, den jeder von uns je haben wird.”

In den letzten Umfragen vor dem großen Tag lagen die Gegner einer schottischen Unabhängigkeit erneut knapp vor dem “Ja”-Lager. Allerdings könnten die bis zuletzt unentschiedenen Wähler letztlich von Bedeutung sein. Salmond sicherte indes zu, das Ergebnis mit Würde zu tragen und zu akzeptieren, sollte es nicht zu seinen Gunsten ausgehen.

Obama baut auf vereintes Großbritannien

Obama schickte am Mittwoch einen letzten Appell nach Großbritannien: Das Vereinigte Königreich sei ein “außergewöhnlicher Partner” der USA und eine zuverlässige Kraft in einer instabilen Welt, schrieb er im offiziellen Twitter-Profil des Weißen Hauses. “Ich hoffe, es bleibt stark, robust und vereint.” Unterzeichnet war der Eintrag mit der Abkürzung “bo”, die immer dann verwendet wird, wenn die Äußerung vom US-Präsidenten selbst und nicht von seinem Presseteam stammt.

Die US-Regierung hatte bereits in den vergangenen Tagen ihre Unterstützung für einen Verbleib Schottlands in Großbritannien erkennen lassen. Gleichzeitig betonte sie aber, die Schotten hätten das Recht, darüber abzustimmen. Die USA und Großbritannien pflegen eine Sonderbeziehung. Washington befürchtet bei einer schottischen Unabhängigkeit aber, dass dann einer seiner wichtigsten Verbündeten militärisch und wirtschaftlich an Einfluss verlieren könnte.

Auch das “Nein”-Lager hatte am Mittwoch noch einmal eindringlich an die Schotten appelliert, im Königreich zu bleiben. So sagte der frühere britische Premierminister Gordon Brown bei einer Veranstaltung in Glasgow: “Wir haben gemeinsam zwei Weltkriege ausgefochten.” Es gebe keinen Friedhof in Europa, auf dem Schotten, Engländer, Waliser und Iren nicht Seite an Seite liegen würden. Im Kampf sei die Herkunft auch nicht entscheidend gewesen.

Mehr als vier Millionen Schotten sind am Donnerstag aufgerufen, für oder gegen die Unabhängigkeit zu stimmen. Die Wahlbüros öffnen um 8.00 Uhr und schließen um 23.00 Uhr. Es wird mit einer sehr hohen Wahlbeteiligung gerechnet.

Viele Staaten der Welt sehen schottische Unabhängigkeit skeptisch

Viele Regierungen der Welt warten mit Spannung auf den Ausgang des Unabhängigkeitsreferendums in Schottland – und mancherorts hofft man im Stillen auf ein Nein. Aus nationalen und geostrategischen Interessen wünschen die großen Mächte von Peking und Washington über Moskau bis Neu-Delhi, dass Großbritannien sich nicht auflöst und damit einen Präzedenzfall für andere Gebiete schafft.Edinburgh. Unter den britischen Partnerstaaten in Europa tritt etwa das mächtige Deutschland explizit gegen eine Unabhängigkeit der Schotten auf. In Spanien, Belgien und Italien hofft man, dass eigene Probleme mit Unabhängigkeitsforderungen von Regionen nicht verstärkt werden. Russland und China vertreten im UNO-Sicherheitsrat oft konträre Positionen zu Großbritannien, wollen aber eine ähnliche Situation zuhause durch den Aufstieg separatistischer Kräfte vermeiden.

Katalanen blicken nach Schottland

Unterstützung für die schottische Nationalbewegung gibt es vor allem von Volksgruppen ohne eigenen Staat, von den Katalanen angefangen über die Bewohner Kaschmirs in Indien sowie die Kurden, die über die Türkei, Syrien, den Irak und den Iran verteilt sind. In Katalonien soll bereits am 9. November ein eigenes Referendum über die Loslösung von Spanien abgehalten werden, das aber von der Regierung in Madrid nicht anerkannt wird. Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy sprach von einem “Torpedo” gegen die EU durch die Referenden in Schottland und Katalonien.

Die USA stellten indes klar, dass sie sich Großbritannien als “starken, robusten, geeinten und effektiven Partner” wünschen, wie Präsident Barack Obama erklärte. Es liege aber an den Schotten, sich zu entscheiden. “Die USA hatten wirklich gehofft, dass sie keine politische Haltung in dieser Frage brauchten und die Unabhängigkeits-Frage sich von selbst löse”, sagte Fiona Hill, eine Expertin für US-Außenpolitik. Bis zu den vergangenen Wochen habe niemand gedacht, dass es eine ernst zunehmende Option sei. “Nun müssen sie wirklich anfangen, darüber nachzudenken.” Die USA sollte auf eine Mitgliedschaft Schottlands in EU und NATO drängen.

Schottland und das britische Militär

Großbritannien ist im Verteidigungsbündnis NATO traditionell ein wichtiger Partner für die USA. Amerikanische Verteidigungsexperten äußerten zuletzt ihre Sorgen um die Zukunft der britischen Landesverteidigung, da bisher in Schottland britische Flugzeugträger gebaut werden und die schottische Regierung angekündigt hat, nach der Unabhängigkeit die in schottischen Häfen basierten britischen Atomwaffen nicht mehr im Land haben zu wollen. Auch wird in Washington befürchtet, nach der Unabhängigkeit Schottlands werde ein EU-Austritt des wichtigen Verbündeten Großbritannien wahrscheinlicher und der Einfluss der USA in der Europäischen Union geringer.

Welt schaut mit Sorge nach Schottland

Außerhalb des Westens gibt es ebenfalls Besorgnis. In der britischen Ex-Kolonie Indien gibt es wenig Sympathie für die Bestrebungen der schottischen Nationalisten. “Eine Auflösung des Vereinten Königreiches? Himmelherrgott!”, sagte die indische Außenministerin Sushma Swaraj auf die Frage eines Journalisten. “Ich denke nicht, dass eine solche Möglichkeit derzeit besteht.”

Auch in Russland fürchtet man “Nachahmungstäter” in lange abtrünnigen Regionen wie Tschetschenien. Noch vor der russischen Besetzung der ukrainischen Halbinsel Krim sagte Präsident Vladimir Putin, es handle sich zwar um ein inner-britisches Problem. “Aber in einem einzigen, starken Staat zu verbleiben hat gewisse Vorteile, das sollte nicht vergessen werde”, sagte er einem britischen Journalisten.

China rang sich bisher zu keiner offiziellen Linie durch. Das bevölkerungsreichste Land der Erde fürchtet Einmischung von außen in Tibet oder die Verschlechterung seiner Beziehungen mit der einstigen Provinz Taiwan. In der Übersee-Ausgabe des Parteiblattes “People’s Daily” hieß es wenige Tage vor dem schottischen Votum: “Ohne Zweifel handelt es sich um eine Situation, in der beide Seiten nur verlieren können.”

Selbst im ölreichen Norwegen, dass von schottischen Unabhängigkeitsbefürwortern als Vorbild genannt wird und das sich einst selbst von Schweden abspaltete, gab es eher warnende Äußerungen. “Ich habe keine Empfehlung für die Schotten in der Frage, aber ich sehe es als großes Projekt für sie mit einem hohen Grad an Unsicherheit”, sagte die norwegische Ministerpräsidentin Erna Solberg.

(APA)

 

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