Schon wieder Haftstrafe für besten Gefängniskoch

„Sie haben mehr Erfahrung als alle Anwälte zusammen“, sagte der Richter.
„Sie haben mehr Erfahrung als alle Anwälte zusammen“, sagte der Richter. ©VOL.AT/Sascha Schmidt
Dieses Mal ein Jahr Gefängnis für den mit 20 Vorstrafen belasteten 52-Jährigen, der bei einem Einbruchsdiebstahl 150 Euro erbeutet hat.

“Auf den besten Koch in der Kantine der Justizanstalt können wir nicht verzichten“, sagte Richter Norbert Melter im Scherz zum geständigen Angeklagten. Der Strafrichter verurteilte den mit 20 Vorstrafen belasteten 52-Jährigen zu einem Jahr Gefängnis. Das Urteil des Landesgerichts Feldkirch, das wegen eines Einbruchsdiebstahls mit einer Beute von 150 Euro erging, ist nicht rechtskräftig.

Der Arbeitslose hatte bei einer Autowaschanlage einen Einbruch verübt. Dabei entstand ein Sachschaden von 50 Euro. Der Gesamtschaden, den er zu begleichen hat, beträgt damit 200 Euro. „Wegen 200 Euro ein Jahr, das ist brutal“, so kommentierte der Angeklagte das Strafmaß. Der Richter hingegen meinte, die Strafe sei „ein Geschenk des Himmels“.

Denn für den Angeklagten galt ein erhöhter Strafrahmen von sechs Monaten bis siebeneinhalb Jahren Haft. Diese „Strafschärfung bei Rückfall“ nach Paragraf 39 des Strafgesetzbuches trat ein, weil er in den letzten fünf Jahren bereits zu zumindest zwei Freiheitsstrafen nach ähnlichen Straftaten verurteilt worden war. 19 seiner 20 Vorstrafen sind einschlägiger Natur und entstammen Vermögensdelikten. Ansonsten beläuft sich die Strafdrohung für Diebstahl durch Einbruch auf sechs Monate bis fünf Jahre Gefängnis.

Kein Verfahrenshelfer

Für den Prozess hatte der geständige Beschuldigte keinen Verfahrenshelfer als kostenlosen Verteidiger zur Seite gestellt bekommen. Denn „Sie haben mehr Erfahrung als alle Anwälte zusammen“, sagte der Richter. Für einen Berufungsprozess am Oberlandesgericht Innsbruck würde er einen Verfahrenshelfer erhalten. Der Angeklagte befürchtet aber, dass in der zweiten Instanz die Strafe erhöht werden würde: „Dann wird’s eh mehr.“

„Profimäßig war’s nicht“, sagte der Richter zum Tathergang. Mit seinem Moped sei der Angeklagte zum Tatort gefahren, mit einem auffälligen Helm und in Birkenstocksandalen. Vor der Polizei, die bei ihm Moped, Helm und Birkenstocksandalen sicherstellte, hatte der Beschuldigte den Tatvorwurf noch bestritten. Bilder der Überwachungskamera zeigten ihn aber beim Tatort. Zudem hatte sich jemand das Kennzeichen des Mopeds notiert.

In der Hauptverhandlung gab der Angeklagte alles zu: „Es war ein Scheiß, Herr Richter“, er habe eine Kurzschlusshandlung begangen. Der Feldkircher Gefängniskoch bat um einen Haftaufschub zur Fortführung seiner Psychotherapie.

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