Schon seit 150 Jahren: Heil!

Mit "Heil" hat der Abgeordnete der rechtspopulistischen FPÖ, Walter Sucher, am Wochenende eine Rede am Parteitag der FPÖ beendet. Wie grüßen Sie eigentlich?

Unisono verurteilten alle Parteien diesen Gruß, der – ausgerechnet am Gedenktag der Befreiung des KZ Mauthausen – als eine Ungeheuerlichkeit“ bezeichnet wurde.FPÖ-Chef Strache berief sich auf das Vorarlberger Grußwort „Heil“. Der Historiker Wolfgang Weber vom Institut für Zeitgeschichte in Innsbruck korrigiert, dass das Wort „Heil“ schon 150 Jahre vor dem Nationalsozialismus unter Turnvater Jahn gebraucht wurde.

Weiter Debatte um „Heil“-Sager bei FPÖ-Parteitag

Das kräftige „Heil“ des Delegierten Walter Sucher am gestrigen Wiener FPÖ-Landesparteitag hat am Montag weiter für Diskussionen gesorgt. Für das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW) ist Sucher „einer der führenden Rechtsextremisten in Wien“, sein Auftritt ein „Zeichen für den Rechtsruck in der FP֓. SPÖ, ÖVP und Grüne übten Kritik an den Freiheitlichen, diese orteten künstliche Aufregung.

Für Heribert Schiedel vom DÖW ist der „Heil“-Sager für sich genommen „relativ belanglos“ und auch kein Akt der nationalsozialistischen Wiederbetätigung. Das Problem entstehe durch Suchers Hintergrund als Mitglied der Burschenschaft „Olympia“ und Obmann des „Rings Volkstreuer Verbände“ (RVV). Im „rechtsextremen, deutschnationalen, burschenschaftlichen Milieu, dem der Herr Sucher entstammt“, sei es üblich, mit „Heil“ zu grüßen. Vertreter dieses Milieus hätten in der FPÖ nun das Heft in der Hand.

Für die FPÖ gingen die Generalsekretäre Harald Vilimsky und Herbert Kickl zur Verteidigung in Stellung. Es handle sich um einen in weiten Teilen Österreichs – vor allem in Tirol und Vorarlberg – gebräuchlichen Gruß, schloss sich Vilimsky der gestrigen Argumentation von FP-Chef Heinz-Christian Strache an. Er verwies auf Formeln wie „Schi-Heil“ und „Gut-Heil“ bei Schifahrern und Turnern. In diesem Sinne sei auch Suchers Wortmeldung zu verstehen gewesen. Jegliche „bösartige Verdrehung“ dieser Intention sei „eine miese, parteipolitisch motivierte Vorgangsweise“.

Bei SPÖ, ÖVP und Grünen sah man das anders. „Die FPÖ sendet gezielt ewiggestrige Signale“, meinte der Wiener SP-Klubobmann Christian Oxonitsch. Diese vermeintlichen „Ausrutscher“ würden der FPÖ keineswegs zufällig passieren, sondern wie bereits unter „Straches Ziehvater“ Jörg Haider regelmäßig vorgenommen.

Für die Wiener ÖVP äußerte Landesparteichef Johannes Hahn eine klare Ablehnung des „Heil“-Grußes. „So etwas kann man zu keiner Zeit akzeptieren“, sagte er: „Es ist ein eindeutiges Signal, das an eine längst vergangene Zeit erinnert, an den Nationalsozialismus.“ Zuvor hatte schon VP-Landesgeschäftsführer Norbert Walter, ein gebürtiger Tiroler, gemeint: „Außer bei den Ewiggestrigen ist dieser Gruß auch in Westösterreich in diesem Zusammenhang nicht gebräuchlich“

Ganz ungeschoren kam jedoch auch die ÖVP nicht davon. Grünen-Bundessprecher Alexander Van der Bellen verwies darauf, dass Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) eine Koalition mit der FPÖ unter Heinz-Christian Strache bis heute nicht ausschließen wolle. Auch für SPÖ-Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos ist es „eigentlich unfassbar“, dass für Schüssel eine derartige Gesinnung Platz in einer Bundesregierung habe, wie er am Montag meinte.

Der gestrige „Heil“-Sager ist nicht die erste Wortmeldung bei einem FPÖ-Parteitag, die für Aufregung sorgt. Exakt sechs Jahre zuvor – am 7. Mai 2000 – hat der damalige Wiener FPÖ-Obmann Hilmar Kabas bei einem Landesparteitag Bundespräsident Thomas Klestil als „Lump“ bezeichnet, was er später als „Hump“ oder „Dump“ relativierte. Auch der Fahnenspruch der Waffen-SS „Unsere Ehre heißt Treue“, geäußert von Ernest Windholz, fiel im Jahr 2000 auf einem Landesparteitag, und zwar in Niederösterreich.

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