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Schönborn und NGOs kritisieren geplante Asyl-Verschärfung

Schönborn: "Gott sei Dank sehr weit entfernt von einem Notstand"
Schönborn: "Gott sei Dank sehr weit entfernt von einem Notstand"
Kardinal Christoph Schönborn kritisiert in seiner wöchentlichen Kolumne in der Gratiszeitung "Heute" die Pläne der Regierung zur Verschärfung des Asylgesetzes. Österreich sei "Gott sei Dank sehr weit entfernt von einem Notstand", so Schönborn. Sechs Hilfsorganisationen versuchten unterdessen am Freitag, die Nationalratsabgeordneten vom Beschluss des verschärften Asylgesetzes abzubringen.


Zwar sei der Versuch, den Flüchtlingsansturm zu bremsen “verständlich” und “notwendig”, die Situation in Österreich sei aber “Gott sei Dank sehr weit entfernt von einem Notstand”, meinte Kardinal Schönborn bezüglich des geplanten Notverordnungsrechts. Der Wiener römisch-katholische Erzbischof nahm den kommenden Papstbesuches der griechischen Insel Lesbos, die zum “Symbol der Flüchtlingskrise” geworden sei, zum Anlass, die Position der Katholischen Kirche zu untermauern. Berechtigte Sorge um das eigene Land dürfe demnach nicht zu Unrecht gegenüber Menschen in Not führen.

Sechs Hilfsorganisationen versuchten unterdessen am Freitag in einem gemeinsamen Brief , die Nationalratsabgeordneten doch noch vom Beschluss des verschärften Asylgesetzes abzubringen. Sie appellieren an das Gewissen der Mandatare und fordern sie auf, ihr freies Mandat zu nutzen und das Parlament nicht zur “Abstimmungsmaschine für unausgegorene Regierungsvorlagen” zu degradieren.

Unterzeichnet wurde das Schreiben von Caritas, Diakonie, Rotem Kreuz, Samariterbund, Amnesty International und Volkshilfe. Sie wollen die Abgeordneten damit vom Beschluss des neuen Asylgesetzes abbringen, das derzeit einer kurzen Ausschussbegutachtung unterzogen wird und bereits Ende April beschlossen werden soll. Die NGOs appellieren in dem Brief an die Mandatare: “Nehmen Sie sich die Zeit, erforschen Sie Ihr Gewissen!”

“Österreich befindet sich derzeit weder in einer Not-, noch in einer Katastrophensituation, die das Ausrufen eines nationalen Notstandes rechtfertigen würde”, kritisieren die NGOs die Pläne der Regierung, den Zugang zum Asylverfahren unter Rückgriff auf eine EU-Notfallbestimmung massiv einzuschränken. Das geplante Gesetz bringe keine Verschärfung des Asylrechts, “sondern dessen Abschaffung für den Großteil der Schutzsuchenden”. Es widerspreche der EU-Grundrechtecharta, der Genfer Flüchtlingskonvention und dem gemeinsamen Europäischen Asylsystem und werde zu einer “Entsolidarisierung innerhalb der EU führen”.

Die Organisationen fordern die Abgeordneten daher auf, ihr freies Mandat zu nutzen einen Beschluss im “Schnellverfahren” zu verhindern: “Lassen Sie nicht zu, dass die Gewaltenteilung immer mehr außer Kraft gesetzt und das Parlament zu einer Abstimmungsmaschine für unausgegorene Regierungsvorlagen wird, bei denen zum Zeitpunkt der Beschlussfassung schon Gewissheit herrscht, dass sie einer Prüfung durch die Höchstgerichte nicht standhalten werden.”

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