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Schmusen, tanzen und trinken

Lustenau - David und Leo trotzen der eisigen Kälte mit männlicher Gleichgültigkeit. Vor dem Eingangstor der "Blauen Sau" warten die Jugendlichen gegen 23 Uhr auf den Bus, der sie zurück nach Lauterach bringt.

Leo, 16, hatte zuvor „etwas Stress“ mit einem Security. David, 15, räumt ein, „ein paar Bierchen“ getrunken zu haben. Man habe beim Ausschank an diesem Abend keinen Stempel (den bekommen nur jene, die 16 und älter sind) verlangt. „Was sie normalerweise aber tun. Nur bin ich halt ein bisschen größer und schaue auch älter aus.“ Das ist im Falle von David nicht gelogen. „Blaue Sau“-Besitzer Johann König steht daneben und zuckt mit den Achseln. „Was soll ich sagen? Das kommt schon mal vor bei so vielen Besuchern.“ „Krankenparty“

Am Eingang des Lokals geht nichts ohne den Einlasswink eines Securitys. Zu zweit stehen sie da, mustern Personen und Stempel. An der Wand hängt ein Schild. „Kein Alkohol für Jugendliche unter 16.“ In den weitläufigen Räumlichkeiten der Jugenddisko wird die „Krankenparty“ abgefeiert. „Und dieses Motto haben Medien einfach schon in ihrem Sinne abgewandelt. Nämlich dass hier gesoffen wird, bis der Doktor kommt“, schüttelt Johann König den Kopf. Beim „VN“-Streifzug durch das Teenager-Eldorado (ohne Besitzer) offenbart sich nichts Außergewöhnliches. Es wird geflirtet, geschmust, Tischfußball gespielt, gelacht, getrunken und vor allem getanzt. Stempel zeigen An einer der Theken bedient „Krankenschwester“ Manu. Sie lässt sich Stempel zeigen, bevor sie Alkohol ausschenkt. Nicht von allen, aber von den meisten. Warum er keinen Stempel vorzeigen musste, wollen wir von einem Jugendlichen wissen, der sich ein alkoholisches Getränk geholt hat. „Weil ich 19 bin, Manu mich kennt und deswegen darauf verzichten kann“, erwidert Alexander flink. Ein eher schmächtiger Bursche wackelt vorbei. Auf null Komma null ist der nicht. „Bist du schon 16?“ „Hey, hör zu. Ich werde im kommenden Februar 18, okay?“. Ein Jugendlicher wird von einem Security sanft, aber bestimmt zum Ausgang eskortiert. Bilder dieser Art sind allerdings selten. Insgesamt ist an diesem Freitagabend in der „Blauen Sau“ weder die Musik zu laut noch stechen bei den zirka 200 Besuchern „b’soffene Geschichten“ ins Auge.

Vereinbarung

Die 17-jährige Sarah macht sich gar stark für genaue Stempelkontrollen. „Ich hatte mit 13 mal eine Alk-Vergiftung. Jetzt arbeite ich im Handel und kontrolliere dort jeden Jugendlichen genau, der Alkohol kaufen will.“ Johannes König stößt wieder zu uns. „Und, irgend etwas Schlimmes gefunden?“ Nein. „Die Ein-Euro-Aktion haben wir übrigens abgewandelt. Es gibt sie noch, aber nur für antialkoholische Getränke“, sagt König. In seinem Büro zeigt er bereitwillig behördliche Papiere. Das wichtigste davon ist eine Vereinbarung, in der sich König verpflichtet hat, u. a. genaue Alterskontrollen durchzuführen, anonyme Prüfungen des Betriebes zuzulassen, kein Alkohol an offensichtlich betrunkene Gäste auszuschenken. „All das machen wir.“ Beim abschließenden Rundgang im Freien hebt König eine leere Alkopop-Flasche in einer Ecke auf. „Gegen so etwas sind wir freilich machtlos.“

„Blaue Sau“ schaffte es bis in den Landtag

Die Jugenddisko „Blaue Sau“ war im Landtag Gegenstand von Diskussionen und dabei im Zusammenhang mit jugendlichem Alkoholkonsum als negatives Beispiel vom Lustenauer Landtagsabgeordneten Kurt Fischer erwähnt worden. Das führte am 20. November zu einer Besprechung auf der Bezirkshauptmannschaft Dornbirn mit Vertretern von Polizei, Gemeinde Lustenau, Behörde, Öffentlichem Verkehr, Betreiber und der Suchtprophylaxe. „Die daraus resultierende Vereinbarung hat Betreiber Johannes König sehr konstruktiv mitgestaltet“, äußerte sich Rudolf Salzgeber vom Bezirkspolizeikommando Dornbirn gegenüber den „VN“. Man wolle dem Betreiber jetzt ein bisschen Zeit lassen, die vereinbarten Maßnahmen umzusetzen, so Salzgeber. „Aber im neuen Jahr werden wir sicher wieder Schwerpunktkontrollen auch bei der „Blauen Sau“ durchführen.“

Grundsätzlich positiv beurteilt auch SUPRO-Geschäftsführer Andreas Prenn die getroffene Vereinbarung und den Willen des „Blaue Sau“-Besitzers Johannes König zur Kooperation. Vollkommen zufrieden ist Prenn trotzdem noch nicht. „Weil er die Anti-Alkohol-Initiative natürlich auch entsprechend bewerben könnte und damit offensiv gegen das Alkoholproblem vorginge.“

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