"Schmerzgrenze überschritten"

"Für mich ist die Schmerzgrenze beim Preis bereits überschritten", klagt Claudia Hämmerle. Die Koblacherin tankt gerade ihr Auto auf. 1,065 Euro kostet der Diesel an der ausgewiesenen "Low Cost"-Tankstelle.

„Wissen Sie, ich kann mich noch gut erinnern, als der Diesel sieben Schilling kostete. Heute kostet er mit umgerechnet 14,50 Schilling mehr als das Doppelte”, sagt die Mutter. Umsteigen auf Bus und Bahn kommt für ihre Familie aber nicht in Frage. „Wir leben in den Koblacher Straßenhäusern relativ weit vom Schuss. Die Kinder laufen gut 20 Minuten, bis sie im Dorf sind und die Wartezeiten beim Bus sind einfach zu lang. Da kommt bloß einer pro Stunde.” In Sachen Spritpreis ist für sie klar: „Wir werden abgezockt!”

Kampf um jeden Cent

Hinter der Koblacher „Low Cost”-Tankstelle steht Spritrebell Heinz Loacker. Der Bus- und Reiseunternehmer ficht seit nunmehr einem Jahr harte Kämpfe rund um seine Diesel-Tankstelle aus. „Wenn ich mit dem Preis zu tief runtergehe, versuchen die anderen Tankstellen sofort, mich zu unterbieten”, schildert der Unternehmer. Er hat es geschafft, das Preisniveau bei Diesel in und um Götzis zu drücken. „Um noch billiger sein zu können, müssten wir direkt aus Rotterdam importieren”, sagt Loacker. Doch eine arrivierte Bevorratungsvorschrift aus den Siebzigerjahren verhindere das bislang. Und so muss auch Loacker seinen Sprit bei hiesigen Mineralölfirmen einkaufen.

Der Wolfurter Gerold Mohr hat an der Götzner Jet-Tankstelle gerade seinen Firmenbus vollgetankt. In Sachen Spritpreisen hat er resigniert: „Wir können das ohnehin nicht ändern. Die Drohung Grassers wird auch nichts bringen – die Ölfirmen holen sich das Geld dann eben woanders.” Er verstehe allerdings nicht, dass die OMV ihren Gewinn innert eines Halbjahres um 148 Prozent steigern konnte – und die Spritpreise trotzdem immer weiter steigen. „Irgendwelche Spekulanten machen doch da ein Riesengeschäft”, sagt der Werbeunternehmer Mohr.

Pächter bleibt gleich viel

Soviel ist aber sicher: Auch bei den aktuellen Spritpreisen verdienen sich die Tankstellenpächter selbst keine goldene Nase. „Mir bleibt immer der gleiche Betrag, egal wie hoch die Spritpreise sind”, sagt ein Pächter, der lieber ungenannt bleiben möchte. Man spüre deutlich, dass weniger getankt werde: „Die Hälfte der Kunden tankt für Fixbeträge. Dann gibt es für einen 20-Euro-Schein eben weniger Sprit.” Und wenn weniger Treibstoff im Tank sei, werde weniger gefahren: „Volltanken können sich ohnehin nur mehr diejenigen leisten, die das Auto beruflich brauchen – oder mit der Flottenkarte des Arbeitgebers auftanken.”

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