Schließung des PFZ Feldkirch - "Hier geht es um unsere Kinder!"

Sara und Kaan können nicht fassen, das ihre Schule vor dem Aus steht.
Sara und Kaan können nicht fassen, das ihre Schule vor dem Aus steht. ©Sams
Feldkirch: Die drohende Schließung des Pädagogischen Förderzentrums stößt vielen sauer auf. WANN & WO sprach mit betroffenen Eltern.
VS Altenstadt nimmt PFZ unter ihre Fittiche

Von Joachim Mangard/Wann&Wo

Ähnlich wie das graue Herbstwetter ist auch die Stimmungslage bei Familie Stribl. Ihre Tochter Sarah (8) leidet an Autismus und besucht seit rund zwei Jahren das PFZ in Feldkirch. Dunkle Wolken hängen über der Schule, droht doch die Schließung und eine Auslagerung der Sonderschulklassen in andere Einrichtungen, teilweise mit dem Anspruch, betroffene Kinder in Inklusionsklassen, z.B. in Rankweil, unterzubringen.

Auch der 16-jährige Kaan, der im Kleinkindalter von komplizierten Fieberkrampfanfällen heimgesucht wurde, ist wie vor den Kopf gestoßen. Besonders ärgerlich sei die mangelnde Informationspolitik der Verantwortlichen, bemängelt auch seine Mutter Gülcan. „Bis vor wenigen Wochen waren wir der Meinung, dass die Sonderschule fixer Bestandteil des anvisierten Neubaus der VS Altenstadt wird. Diese Möglichkeit war von heute auf morgen vom Tisch, viel eher wurden wir von Seiten des Landes mit Zahlen konfrontiert, die belegen würden, dass unsere Kinder in den jetzt bestehenden Einrichtungen in Schlins oder Rankweil Platz finden würden“, zeigt sich Camelia Stribl konsterniert.

Die Mutter von Sarah, die übrigens auch ein WANN & WO-Patenkind ist, kann nicht verstehen, dass man die Eltern erst so spät von den massiven, bevorstehenden Änderungen informiert habe. Bis zum endgültigen Grundsatzbeschluss der Stadtvertretung am 10. Dezember wollen die Eltern auf jeden Fall nichts unversucht lassen, eine akzeptable Lösung zu finden – im Sinne ihrer Kinder.

Stimmen der Eltern

Gülcan Tepeli, 46, Feldkirch: "Die drohende Schließung der Schule hat meinen Sohn schwer getroffen. Er fand keinen Schlaf und ließ sich kaum beruhigen, weil er Angst um die ganzen Kinder hat. Für ihn ist das PFZ viel mehr als nur Schule. Dort hat er seine Freunde und ein ihm bekanntes Umfeld. Die Beziehung zum Lehrkörper und den Betreuern ist viel enger als in einer herkömmlichen Einrichtung. Dieses Vertrauen spüren wir Eltern schon seit Jahren. Es wäre unheimlich schade, wenn dieses bestehende Know-how verloren gehen würde. Kritisch stehe ich der mangelnden Informationsausgabe von Seiten der Verantwortlichen gegenüber. Ich fordere wesentlich intensivere Gespräche unter Miteinbezug der betroffenen Eltern. Denn letztlich geht es um unsere Kinder und nicht um irgendwelche Statistiken!“

Camelia Stribl, 37, Feldkirch: „Unsere Tochter leidet an Autismus. Tägliche Routinen sind für Kinder mit dieser Diagnose besonders wichtig. In ihrer Zeit im PFZ hat Sarah große Fortschritte gemacht. Sie fühlt sich wohl, hat Vertrauen in ihre Betreuer und Freunde gefunden. Anfangs tat sich Sarah schwer zu sprechen. Das hat sich stark verbessert und sie freut sich jeden Tag auf die Schule. Wenn sie aus diesem Umfeld gerissen würde, käme das einem Schock gleich. Autisten ziehen sich dann gern wieder zurück oder werden aggressiv – schon kleinste Veränderungen können die Kinder in Stresssituationen bringen, mit denen sie schwer umgehen können. Wie würde sie wohl auf einen bevorstehenden Schultypwechsel reagieren, zumal die Ganztagesbetreuung nicht sicher gewährleistet ist?“

(Text: Joachim Mangard/Wann&Wo)

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