Schießerei in voll besetztem Zug im Allgäu: Lebenslange Haft für 45-Jährigen

Kempten: Schießerei in vollbesetztem Zug hielt Polizei im März 2014 in Atem.
Kempten: Schießerei in vollbesetztem Zug hielt Polizei im März 2014 in Atem. ©VOL.AT/ Pletsch
Kempten. Weil er in einem voll besetzten Zug mehrmals auf Polizeibeamte geschossen hat, ist ein 45 Jahre alter Mann zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Sein 20-jähriger Komplize hatte einen Sprung aus dem mit Hochgeschwindigkeit fahrenden Zug mit dem Leben bezahlt.
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Stellungnahme der Polizei
Durch den Geisterbahnhof

Das Landgericht Kempten sprach den Augsburger am Mittwoch des versuchten Mordes in zwei Fällen schuldig.

Richter: “Völlig sinnlose Tat”

Als “völlig sinnlose Tat” bezeichnete der Vorsitzende Richter die Schießerei in der Regionalbahn im Allgäu, zu der es vor einem Jahr nach einer Routinekontrolle gekommen war. Zwei Bundespolizisten wollten den per Haftbefehl gesuchten Begleiter des 45-Jährigen festnehmen. Der 20-Jährige starb beim Sprung aus dem mit Hochgeschwindigkeit fahrenden Zug. Der Angeklagte und die beiden Beamten wurden schwer verletzt.

Mit 80 bis 100 Stundenkilometern war der Regionalzug unterwegs, als die beiden Männer nach der Schießerei aus dem fahrenden Zug zu entkommen versuchten. Das Öffnen der Türen hatte eine Notbremsung ausgelöst, der mit rund 300 Menschen besetzte Zug bei Günzach kam zum Stehen.

Dramatische Szenen in vollbesetztem Zug

Zuvor hatten sich in dem Zug dramatische Szenen abgespielt: Zwei Bundespolizisten war aufgefallen, dass ein Passagier zur Fahndung ausgeschrieben war. Gegen den Mann lag ein Haftbefehl zur Vollstreckung einer Haftstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten wegen räuberischen Diebstahls vor. Plötzlich habe einer der beiden Männer ohne Vorwarnung auf die Beamten geschossen – “vermutlich mit einer nicht als solche erkennbaren Schreckschusspistole”.

Schutzweste rettet Polizist vermutlich das Leben

Als die Polizisten flüchteten, habe das Duo nachgesetzt, einen der beiden Beamten niedergeschlagen und dessen Dienstwaffe an sich genommen. Mit dieser Waffe sei dann zweimal auf den zweiten Polizisten geschossen worden: Er erlitt einen Beinschuss, ein zweites Projektil traf die Schutzweste, die ihn vor einer “möglicherweise tödlichen Verletzung” bewahrt habe.

Zugführer entdeckt Leiche eines Täters

Ein zufällig anwesender LKA-Beamter eilte seinen Kollegen zur Hilfe und feuerte mit seiner Waffe auf die beiden Täter. Daraufhin habe das Duo versucht, durch den Sprung aus dem fahrenden Zug zu entkommen. Der Zugführer eines entgegenkommenden Zuges habe den Leichnam des Getöteten entdeckt und die Einsatzkräfte alarmiert, hieß es weiter.

Panik und Chaos – Fahrgäste flüchten in Wald

In dem Regionalzug kam es nach Zeugenaussagen angesichts des dramatischen Geschehens zu panikartigen Situationen. Ein Zugbegleiter hatte die Fahrgäste über Lautsprecher aufgefordert, sich im hinteren Zugteil in Sicherheit zu bringen, so ein Augenzeuge. Als der Zug bei Günzach zum Stehen kam, flüchteten zahlreiche Fahrgäste in einen nahe gelegenen Wald. (red/dpa)

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