Scheidender Präsident Windtner sieht ÖFB "gut aufgestellt"

Windtner (r.) übergibt als ÖFB-Chef nach zwölf Jahren an Milletich
Windtner (r.) übergibt als ÖFB-Chef nach zwölf Jahren an Milletich ©APA/HERBERT NEUBAUER
In Velden geht am Sonntag eine Ära zu Ende. Leo Windtner verabschiedet sich nach mehr als zwölf Jahren aus dem Amt des ÖFB-Präsidenten. Bei der Bundeshauptversammlung wird der Burgenländer Gerhard Milletich als sein Nachfolger inthronisiert. Windtner hinterlässt nach eigener Ansicht ein gut bestelltes Haus. "Der ÖFB ist gut aufgestellt - wirtschaftlich, organisatorisch und zukunftsorientiert", meinte der 71-jährige Oberösterreicher im Gespräch mit der APA.

Beim Aushängeschild A-Team habe es zuletzt eine sportliche Delle gegeben, gestand Windtner. "Es ist das Wichtigste, Contenance zu wahren", sagte der scheidende Verbandschef nach dem jüngsten 0:1 am Dienstag in Dänemark. "Ich bin davon überzeugt, dass das Nationalteam rasch wieder zur Erfolgsspur zurückkehren wird."

Als erste Amtshandlung nach seiner Bestellung Ende Februar 2009 hatte sich Windtner vom damaligen Teamchef Karel Brückner getrennt. Wie sein Nachfolger die aktuelle Personalfrage mit Franco Foda handhabt, will er ganz Milletich überlassen. 2009 sei die Sache klar auf der Hand gelegen, das sei nun nicht der Fall. Windtner: "Jetzt ist die Situation ganz nüchtern abzuwiegen und zu analysieren. Ein Schnellschuss bringt sicherlich nie etwas, speziell auf der Nationalteam-Ebene."

Der scheidende ÖFB-Chef sieht weiterhin große Herausforderungen auf den Verband zukommen. Im Mädchen- und Frauenfußball müssten speziell in der Fläche und Breite weitere Schritte gesetzt werden. "Dazu ist wichtig, dass aus der ganzen Corona-Epoche kein langfristiger Schaden im Amateur- und Nachwuchsbereich zurückbleibt." Das Thema Digitalisierung müsse ebenso vorangetrieben werden wie jenes der Schiedsrichter, bei denen Österreich im europäischen Spitzenbereich seit Jahren kaum vertreten ist.

Wichtigstes Infrastrukturprojekt ist die Schaffung eines neuen Trainingszentrum des Verbandes samt Geschäftsstelle. "Es ist wichtig, dass das realisiert wird", betonte Windtner. "Wir sind in Österreich am Ende der Tabelle der Infrastruktur in der UEFA." Die sogenannte Hattrick-Kommission des europäischen Verbandes, der er selbst angehört, hätte bisher die Entstehung 34 nationaler Trainingszentren gefördert.

Windtner bevorzugt den Standort Wien-Aspern. Die Kosten von rund 60 Millionen Euro sollen sich Bund, Stadt und der ÖFB zu je einem Drittel teilen. "Das Projekt ist sehr weit gediegen - auch von Konzept und Finanzierung", sagte Windtner. "Es wäre höchstnotwendig, in die Umsetzung zu gehen." Ein Beschluss scheint bereits in der Präsidiumssitzung vor den Neuwahlen am Samstag denkbar.

Seine letzte Auslandsdienstreise absolvierte Windtner diese Woche in Dänemark. "Grundsätzlich war die Herangehensweise und der Auftritt des Teams in Ordnung", urteilte der Verbandschef, verwies aber auch auf das Fehlen fast der gesamten Offensivformation von Christoph Baumgartner über Sasa Kalajdzic und Marko Arnautovic bis hin zu Valentino Lazaro. "Das kann fast keine Nation vorgeben, und wir schon gar nicht, das hat man gemerkt."

Nach 123 A-Länderspielen in seiner Amtszeit bleiben 58 Siege, 22 Remis und 43 Niederlagen stehen. Dass man über den Nations-League-Gruppensieg im Vorjahr ziemlich sicher im März 2022 im Play-off um einen WM-Startplatz spielen kann, sei laut Windtner "eine große Chance, in die man alle Kräfte hineinlegen muss". Die Nicht-Teilnahme an großen Turnieren soll in Zukunft die Ausnahme sein, nicht die Regel, lautet sein lange gehegter Wunsch.

"In Summe werden wir auch in den nächsten Jahren mit den Nationalteams wieder viel Freude haben", meinte Windtner. Als besten Tag seiner Präsidentschaft bezeichnete er den 8. September 2015, als das ÖFB-Team mit einem 4:1-Auswärtssieg in Schweden die EM-Teilnahme fixierte. Die größte Enttäuschung sei die nachfolgende EURO 2016 gewesen. "Da haben wir unwahrscheinlich hochgesteckte Erwartungen nicht erfüllt."

Mit den Nationalspielern ist Windtner dennoch zusammengewachsen. Zum Abschied bekam er eine Fotocollage mit Erinnerungen aus den vergangenen Jahren geschenkt, Sportdirektor Peter Schöttel, Foda und Kapitän David Alaba hielten beim Abendessen am Vorabend des Dänemark-Spiels Ansprachen. "Es ist unwahrscheinlich viel an Dankbarkeit und Wertschätzung von allen gekommen."

Einen gewissen Wehmut wollte Windtner nicht abstreiten. "Ich habe aber keine Angst, dass mich der Beschäftigungsmangel erfassen wird." Die eine oder andere wirtschaftliche Funktion übe er noch aus. Dazu komme seine Obstwirtschaft in St. Florian. Die neu gewonnene Freizeit will der Pensionist für Reisen nutzen. Besonders Südafrika schwebt ihm vor. Dort, genauer im heutigen Namibia, hatte der junge Windtner 1974 für vier Monate gearbeitet - und daneben natürlich auch Fußball gespielt.

(APA)

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