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Schau zu den jüdischen Wurzeln der Salzburger Festspiele

Salzburg-Impresario Max Reinhardt 1935 in Schloss Leopoldskron
Salzburg-Impresario Max Reinhardt 1935 in Schloss Leopoldskron ©APA/ASF_PhotoEllinger
Nicht nur in Salzburg würdigt man auch im Jahr 101 nach Gründung der Festspiele die kulturelle Großinstitution weiterhin mit einer Jubiläumsausstellung. Auch Wien reiht sich heuer in die Feierlichkeiten ein: So hebt das Jüdische Museum mit "Jedermanns Juden" die großen jüdischen Gründerväter der Festspiele wie Hugo von Hofmannsthal und allen voran Max Reinhardt aufs Podest und würdigt diese in einer multimedialen, bunten Schau, die am Dienstag präsentiert wurde.

"Ohne ihre Vision wäre Salzburg heute wohl noch eine Provinzstadt", hob Danielle Spera als Direktorin des Jüdischen Museums die zentrale Rolle von Reinhardt und von Hofmannsthal hervor, die mit Richard Strauss das Triumvirat der Festspielidee bildeten. Aber es waren nicht nur die Überväter hinter der Idee Salzburg, die teils jüdischen Ursprung hatten.

Auch viele der prominentesten Künstlerinnen und Künstler waren bis zur NS-Machtübernahme 1938 prägend für die Festspiele. Hierzu gehörten etwa der Architekt Oscar Strnad, der für die Festspiele Bühnenbilder schuf, Bruno Walter, der am Pult seine Akzente setzte oder Arnold Rosé als Konzertmeister der Wiener Philharmoniker. Und doch sei die Willkommenskultur für die Vertriebenen nach Ende der NS-Zeit ausgeblieben, bedauerte Spera.

Immerhin würdigt nun die neue Ausstellung die Proponenten. Die Idee zur Ausstellung sei einst aus einem Gespräch mit Salzburgs Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler entstanden, erinnerte sich Spera. Man habe damals über das letztlich unwürdige Grab Reinhardts in einem gemeinsam genutzten Mausoleum außerhalb New Yorks gesprochen. "Es ist ein Symbol, wie Österreich auch in der Nachkriegszeit umgegangen ist mit einem Theatergenie wie Max Reinhardt."

Nun durchzieht der Theatervisionär gleichsam als Roter Faden die Schau, die sich auch aus Objekten aus seinem Nachlass, nicht zuletzt aus dem Besitz seiner Witwe Helene Thimig respektive ihres Vertrauten Michael Heltau, speist. Vielstimmig und vielgestaltig präsentiert sich die von Marcus G. Patka und Sabine Fellner kuratierte Ausstellung, in der sich die kaiserliche Erhebung der Familie von Hofmannsthal in den Adelsstand ebenso findet wie Plakate der Festspielgeschichte, Lebend- und Totenmasken zentraler Vertreter, Aufführungs- und Werbefilme, Kostüme und von der Decke schwebende Figurinen, digitalisierte Fotoalben und Entwurfszeichnungen.

Man zeichnet die Blüte in der Zwischenkriegszeit zwischen 1926 und 1933 mit Reinhardts Shakespeare- und Goldoni-Inszenierungen ebenso nach wie die anfänglichen Konflikte um die vermeintliche katholische Aneignung der Juden Reinhardt und Hofmannsthal mit ihren Stücken "Jedermann" und "Das Salzburger große Welttheater". Und auch die schnelle Wiederaufnahme von NS-belasteten Künstlerinnen und Künstler wie Karl Böhm, Herbert von Karajan oder Paula Wessely bei den Festspielen wird nicht ausgespart.

Auch der ORF begleitet die Ausstellung durch eine Aufstockung seines seit 2011 bestehenden Medienarchivs Judentum im Rahmen der TvThek. Der zuständige ORF-Direktor Thomas Prantner präsentierte das Tool, das mittlerweile 115 Videos umfasst, darunter nun die Dokumentation "Die Künstler, die Antisemiten und die Salzburger Festspiele".

(S E R V I V E - "Jedermanns Juden" im Jüdischen Museum Wien, Dorotheergasse 11, 1010 Wien von 14. Juli bis 21. November. Dazu erschienen der gleichnamige Katalog, hrsg. von Marcus G. Patka und Sabine Fellner, Residenz Verlag, 308 Seiten, 29,90 Euro, ISBN 9783701735037. )

(APA)

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