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Sanierungsbedarf: Gasthaus Gösser soll verkauft werden

Bregenz - Braugasthof und Tanzsaal sind so traditionsreich wie in die Jahre gekommen. Zuletzt hat sich der Investitionsbedarf derart summiert, dass die Brau Union einen Verkauf ins Auge fasst. Sie lud Investoren ein, Angebote zu legen. Eines liegt inzwischen vor. Umfrage zum Verkauf des Gösserbräu

Pächter hätte Pläne

 

Pächter Caspar Greber würde ja gern weitermachen. Und die Brau Union will die Bierwirtschaft unbedingt erhalten, beteuert Pressesprecherin Veronika Friereder. Doch praktische Geldsorgen trüben alle goldblonde Theorie: Zwar hat Greber einen unbefristeten Pachtvertrag in der Tasche und Zukunftspläne im Kopf, aber wer soll das bezahlen? Greber würde gern „die Küche aus dem Keller ins Parterre verlegen”. Das Restaurant könnte eine zeitgemäße Einrichtung vertragen, was sich in der Bierbar „Rapsak” ja bewährt hat. Aber Greber tut derzeit gar nichts. „Ich investiere doch nicht, wenn ich vielleicht nur noch zwei Jahre hier sein darf. 60 Jahre hat man in die Bausubstanz nicht mehr wirklich investiert.” Jetzt hapert‘s allerorten. „Allein die Lüftung im Gössersaal datiert aus 1953.” Keller und Küche habe man zuletzt vor 23 Jahren technisch erneuert. Die Brau Union, die mehrheitlich zu Heineken gehört, schreckt der Zustand des Baukörpers derart, dass sie ans Verkaufen denkt. Die Mauern, das Dach . . . „Immer wieder tritt Wasser ein.” Und dann der Saal! Klar, der Gössersaal ist eine Legende. Aber die Tage der großen Faschingsbälle sind hier gezählt. Und „irgendwann kommt die Behörde”, dann wird’s finster.

Eine Million Schätzwert

Deshalb hat die Brau Union die Immobilie schätzen lassen. Eine Million Euro sind die 17.000 Kubikmeter umbauten Raums demnach wert. „Aber wer immer dieses Haus kauft, müsste ein Vielfaches investieren.” Deshalb steht Ing. Peter Greußing von Rhomberg Bau der Einladung zum Offert auch reserviert gegenüber. „Da sind viele Punkte offen.” Der Saal ist eine Hypothek. Greußing nennt ihn „erhaltenswert”. Er hätte „beträchtliche Skrupel”, ihn abzureißen, weil der Gössersaal einfach zu Bregenz gehört. Doch die Probleme sind beachtlich. „An erster Stelle steht der Brandschutz.” Bernd Raica von Rhomberg Bau hat 2007 so lange Umbauten geplant, bis die Brau Union die Bremse zog. Sein Befund: „Es regnet noch nicht rein und der Keller ist noch nicht vollgelaufen. Ein paar Millionen müsste man schon reinstecken.” Die Brau Union in Linz hat bislang ein Angebot erhalten, das unter der erhofften Million Euro liegt, dafür würde der Käufer eine Gastronomie belassen. Denn das Gösser bedeutet laut derzeitigem Pächter Caspar Greber zwar „Knochenarbeit”, aber es ist auch, was der Volksmund eine Goldgrube nennt: 197.500 Gläser Bier gingen 2007 über den Tresen.

 

Gössergeschichte

 

Erstmals wird in der heutigen Anton-Schneider-Straße das Gasthaus „Schwanen” genannt. Da es der Wirt mit der Getränkesteuer nicht allzu genau nahm, wurde der „Schwanen” urkundlich festgehalten. Der Barockmaler Matthäus Zehender wohnt von 1669 bis zu seinem Tod 1697 in diesem Haus und arbeitet auch hier. Das Haus ändert seinen Namen. Einmal heißt es Gasthaus „Adler”, dann „Café Braun” und „Neue Welt”. 1890 wird es zum „Café Central” umgebaut. Die „Zirbenstube” stammt ebenso aus dieser Zeit wie der Festsaal. Für Jahre heißt das Wirtshaus „Deutsches Haus”, bevor es 1945 von der steirischen Brauerei Gösser gekauft wird. Seit 1983 sorgen die Grebers für gute Stimmung im Haus.

Umfrage zum Verkauf des Gösserbräu

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