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Salzburger Osterfestspiele: Neue Helden für den "Siegfried"

Held sein ist schwer. Zumindest in den Opern Richard Wagners wird den Hauptdarstellern wirklich viel abverlangt. Erfahrung und Jugendlichkeit in einer Rolle zu vereinen, damit haben sich Robert Gambill als Siegmund in "Die Walküre" und auch Ben Heppner als Siegfried in Aix-en-Provence hörbar schwergetan.

Am Samstagabend wurde “Siegfried”, der dritte Teil dieser “Ring”-Koproduktion, bei den Salzburger Osterfestspielen gezeigt. Mit neuen Helden in altem Gewand.

Auch Lance Ryan musste ins Flanellhemd von Kostümbildner Thibault Vancraenenbroeck. Aber dem 38-jährigen Einspringer stand die Rolle des jugendlichen Rabauken, des sympathisch-gewalttätigen Kraftlackels deutlich besser als seinem hör- und sichtbar in die Jahre gekommenen Vorgänger Ben Heppner, der erst vor wenigen Tagen wegen einer hartnäckigen Verkühlung das Handtuch werfen musste.

Lance Ryan war nicht die einzige Neubesetzung in dieser Salzburger “Siegfried”-Wiederaufnahme. Hartmut Welker sprang als Alberich für Dale Duesing ein. Beide neuen Sänger reüssierten hervorragend und hoben das Niveau dieser Koproduktion erheblich.

Lance Ryan, der ja erst in der Generalprobe zum Salzburger “Siegfried”-Team gestoßen ist, mag in den ersten Auftritten ein wenig nervös gewesen sein. Auch ist dem Kanadier an einigen Stellen im dritten Aufzug ein wenig die Konzentration verloren gegangen, was in kleinen Intonationsfehlern und dem einen oder anderen gepressten Ton hörbar wurde. Aber alles in allem passte dieser Sänger in Siegfrieds Schuhe. Ein vitaler, jugendlich-kräftiger Mann, der diese Rolle mit Leben und Musik erfüllte – berechtigter, großer Jubel für den Einspringer, den Retter in der Not der Osterfestspiele.

Auch Hartmut Welker hat seine Partie hervorragend bewältigt. Der erfahrene Wagner-Bassbariton spielte und sang den hinterfotzigen Alberich und hielt von der Kraft der Stimme her mit seinem “Bruder” Mime mit. Dieser wurde, wie schon bei der Premiere in Aix, von Burkhard Ulrich stimmtechnisch erstklassig und schauspielerisch detailreich und außergewöhnlich witzig umgesetzt. Insgesamt bot Ulrich die überzeugendste Bühnenleistung dieser Produktion. Willard White gab den Wanderer Wotan mit ein wenig hohlem, aber sattem und ausgewogenem Bass. Anna Larsson war erneut eine sehr gute Erda und Katarina Dalayman überzeugte als Brünnhilde. Beide Sängerinnen agierten wenn auch nicht makellos, so doch mit strahlenden Stimmen und gutem Spiel. Stephen Milling als Fafner und Mojca Erdmann als Stimme des Vogels ergänzten das insgesamt gute Wagner-Ensemble.

Stephane Braunschweigs Inszenierung hat sich im Vergleich zur Premiere in Aix erwartungsgemäß nicht verändert – eine ästhetisch gute, wenn auch nicht spektakuläre oder gar neue Sicht auf den altbekannten “Ring”. Überdimensionale Videoprojektionen, karge, aber klug disponierte Bühnenbilder, wenig Dynamik, aber eine funktionierende Personenregie. Das ist Braunschweigs Grundkonzept seit dem “Rheingold”, und das wird bis zur “Götterdämmerung” im Juli 09 in Aix und zu Ostern 2010 in Salzburg auch so bleiben (müssen).

Eigens zu besprechen hingegen ist die musikalische Leistung der Berliner Philharmoniker und ihres Dirigenten Simon Rattle. Nicht weil neu, sondern weil erneut so gut. Vom ersten bis zum letzten Takt kraftvoll, klangschön und präzis tönte es aus dem Graben im Festspielhaus. Vielleicht hätte Rattle manchmal einen Gang zurückschalten und den Sängern damit die Arbeit ein wenig erleichtern können. Aber der Brite und sein Berliner Orchester entschädigte für manche zugedeckte Stelle mit guten, flüssigen Tempi, mit unglaublich vielen Details aus der Partitur und einem Wagnerklang, der an voluminöser Klarheit kaum zu überbieten scheint. Am Ende erwarteterweise relativ kurzer, aber wohlwollend anerkennender Applaus für diesen “Siegfried” und all seine Helden beim wohl teuersten Festival der Welt.

(Von Christoph Lindenbauer/APA)

Richard Wagners “Siegfried”, zweiter Tag des Bühnenfestspiels “Der Ring des Nibelungen”. Koproduktion der Salzburger Osterfestspiele mit dem Festival d’Opera Aix-en-Provence. Premiere in Südfrankreich: 28. Juni 2008. In Salzburg: 4. April 2009, die Vorstellung wird am 13. April wiederholt. Musikalische Leitung: Simon Rattle, Inszenierung, Bühne und Video: Stephane Braunschweig. Kostüme und Video: Thibault Vancraenenbroeck. Auf der Bühne: Lance Ryan als Siegfried, Burkhard Ulrich als Mime, Sir Willard White als Wanderer (Wotan), Hartmut Welker als Alberich, Stephen Milling als Fafner, Anna Larsson als Erda, Katarina Dalayman als Brünnhilde und Mojca Erdmann als Stimme des Vogels. Es spielten die Berliner Philharmoniker.

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