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Salzburger Osterfestspiele - Mozart so wuchtig wie Verdi

Salzburg - Bis vor 20 Jahren gang und gäbe, heute schon eher die Ausnahme: Die Interpretation des Mozart'schen Requiems mit großem, wuchtigem und ungebremst philharmonischem Chor- und Orchester-Klang.

Die Salzburger Osterfestspiele, bekanntlich ja von Herbert von Karajan im Jahr 1967 gegründet, bleiben dem Stil des Maestro verbunden. Auch Karajans Orchester selbst kümmert sich wenig um den schlanken “Sound of the Art” der gegenwärtigen Mozart-Interpretation. Und mit Franz Welser-Möst stand gestern, Sonntag, Abend, im ersten von drei Konzerten der Berliner Philharmoniker bei den Salzburger Osterfestspielen zudem ein Dirigent am Pult im Großen Festspielhaus, der wohl auch kein Problem damit haben dürfte, mit Karajan verglichen zu werden.

Nirgends steht geschrieben, wie Mozart zu klingen hat. Fetter Breitwandsound, dem sich etwa auch Riccardo Muti verpflichtet fühlt, hat also die gleiche Berechtigung wie der federnde, transparente und auf rhythmische Durchhörbarkeit ausgerichtete Klang etwa von Marc Minkowski oder Rene Jacobs. Wenn er gut gespielt ist. Und genau das haben die Berliner Philharmoniker gemacht im “Requiem” von Mozart, auch wenn die Bläser permanent zugedeckt und auch sonst kaum Details zu hören waren in der großen, fast martialischen Klangwucht.

Wirklich zauberhaft, beeindruckend oder gar überwältigend war trotzdem nichts an dem gestrigen Konzert im Großen Festspielhaus. Vielleicht hat der Funke bloß diesmal nichts entfacht, vielleicht haben die Feuer der Vergangenheit aberauch alle Frischluft verbraucht. Daran konnten auch die vier herausragenden Solisten, die strahlende Genia Kühmeier, Altistin Bernarda Fink, der glockenhelle Tenor Matthias Klink und der voluminös-klare Franz-Josef Selig kaum etwas ändern.

Deutlich auf- und anregender als Mozarts “Requiem” war die Begegnung mit den “Quattro pezzi sacri”, die Giuseppe Verdi in seinen späten Jahren komponiert hat. Selten findet sich diese lose Sammlung von vier sakralen Stücken auf den Spielplänen unserer Breiten. Ein Grund dafür mag sein, dass diese zum Teil a-kapella, zum Teil für großes Orchester äußerst komplex gesetzten Stücke vor allem dem Chor technisch extrem viel abverlangen. Grandios-romantischer Klang in strahlenden Fortissimi, dann wieder Pianissimo-Einsätze in heikelsten Lagen, riesengroße Tonsprünge, keine Sekunde zum Ausrasten – der Wiener Singverein hat die meisten von Verdis (auch Mozarts) Herausforderungen gut bewältigt.

Nicht alle Einsätze klappten, da war ein Probendefizit unüberhörbar – Franz Welser-Möst hätte da penibler arbeiten können. Auch in Sachen Sprachverständlichkeit hat der Wiener Singverein nicht in allen Momenten Weltklasse hören lassen. Aber trotzdem hat sich “Karajans Chor” (der Maestro hat diesen Chor mehr als 250 Mal dirigiert) zumindest in den Lagen Bass, Tenor und Alt als hervorragend disponierter, kompakter Klangkörper erwiesen, der dem neuen Maestro ebenso willig zu folgen schien wie dem alten. Vom technisch äußerst schweren Verdi bis zum grandios kitschigen “Ave Verum corpus” von Mozart, das Welser-Möst und die Osterfestspiele für’s erlauchte Publikum ebenso naht- wie sinnlos an das “Requiem” geklebt haben.

Christoph Lindenbauer

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